Bei­hil­fe auch ohne Kran­ken­ver­si­che­rung

Der voll­stän­di­ge Aus­schluss des Bei­hil­fe­an­spruchs im Land Ber­lin, der an den feh­len­den Nach­weis eines Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes anknüpft, ist nach einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts unwirk­sam.

Bei­hil­fe auch ohne Kran­ken­ver­si­che­rung

Der Klä­ger in dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist Beam­ter im Dienst des Lan­des Ber­lin. Er stell­te im Jahr 2009 drei Anträ­ge auf Gewäh­rung von Bei­hil­fe zu den Kos­ten für ärzt­li­che und zahn­ärzt­li­che Leis­tun­gen sowie ärzt­lich ver­ord­ne­te Arz­nei­mit­tel. Der Beklag­te lehn­te die Anträ­ge ab, weil der Klä­ger nicht – wie dies seit dem 1. Janu­ar 2009 Pflicht sei – eine Kran­ken­ver­si­che­rung abge­schlos­sen habe. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin hat der Kla­ge auf Gewäh­rung von Bei­hil­fe statt­ge­ge­ben 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Lan­des Ber­lin hat­te nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig kei­nen Erfolg:

Die Ableh­nung der Gewäh­rung von Bei­hil­fe in dem in Rede ste­hen­den Zeit­raum kann nicht auf die vom Lan­des­be­am­ten­ge­setz (§ 44 Abs. 1 LBG vom 19. Mai 2003 bzw. Art. XIII § 5 Dienst­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 19. März 2009) in Bezug genom­me­ne und damit in das Lan­des­recht ein­ge­glie­der­te Rege­lung des § 10 Abs. 2 BBhV gestützt wer­den.

Die Vor­schrift bestimmt zwar, dass Anspruch auf Bei­hil­fe nur hat, wer sei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz und den sei­ner berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ange­hö­ri­gen nach­weist. Sie ist aber unwirk­sam. Die Ein­füh­rung des Bei­hil­fe­aus­schlus­ses für Beam­te, die nicht kran­ken­ver­si­chert sind, stellt eine "wesent­li­che" Ent­schei­dung dar, die vom par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber getrof­fen wer­den muss. Denn der Bei­hil­fe­aus­schluss berührt die tra­gen­den Struk­tur­prin­zi­pi­en des gegen­wär­tig prak­ti­zier­ten Misch­sys­tems aus pri­vat finan­zier­ter Vor­sor­ge und ergän­zen­den Bei­hil­fen. Zudem wirkt er sich für den Betrof­fe­nen beson­ders ein­schnei­dend aus.

Zwar kann der Gesetz­ge­ber der Not­wen­dig­keit einer von ihm zu ver­ant­wor­ten­den Ent­schei­dung grund­sätz­lich auch dadurch Rech­nung tra­gen, dass er den Beih­hil­feau­schluss durch Lan­des­ver­ord­nung regelt. Dann muss das Lan­des­be­am­ten­ge­setz aber eine Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung ent­hal­ten, die den kon­kre­ten Leis­tungs­aus­schluss inhalt­lich deckt. Jeden­falls dar­an fehlt es hier. Die in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum bestehen­den lan­des­ge­setz­li­chen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gun­gen tra­gen die Beschrän­kung der Leis­tungs­ge­wäh­rung auf Beam­te, die für sich und ihre berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ange­hö­ri­gen einen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz nach­wei­sen, nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Juli 2012 – 5 C 1.12

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 24.03.2011 – 7 K 235.09[]