Bei­hil­fe für chi­ne­si­sche Heil­kräu­ter

Für die Ein­stu­fung eines Prä­pa­rats als Arz­nei­mit­tel im Sin­ne der Bei­hil­fe­ver­ord­nung ist nicht auf die for­mel­le arz­nei­mit­tel­recht­li­che Defi­ni­ti­on, son­dern allein auf die mate­ri­el­le Zweck­be­stim­mung des Prä­pa­rats und sei­ne Eig­nung abzu­stel­len, durch Ein­wir­kung auf den mensch­li­chen Kör­per ein Krank­heits­bild zu hei­len oder zu lin­dern 1. Ob das Mit­tel all­ge­mein wis­sen­schaft­lich aner­kannt ist oder eine sol­che Aner­ken­nung zumin­dest erwar­tet wer­den kann, ist für die Ein­stu­fung als Arz­nei­mit­tel im bei­hil­fe­recht­li­chen Sin­ne ohne Belang.

Bei­hil­fe für chi­ne­si­sche Heil­kräu­ter

Die Fra­ge, ob ein Prä­pa­rat geeig­net ist, Güter des täg­li­chen Bedarfs zu erset­zen und des­halb gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 BVO a. F. kein Anspruch auf Bei­hil­fe­ge­wäh­rung besteht, kann nicht fall­über­grei­fend-abs­trakt, son­dern ledig­lich im Hin­blick auf die kon­kre­te Anwen­dung und die medi­zi­ni­schen Beson­der­hei­ten beur­teilt wer­den.

Heil­kräu­ter­zu­be­rei­tun­gen der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Medi­zin (sog. Dekok­te) kön­nen im Ein­zel­fall dann als bei­hil­fe­fä­hi­ge Arz­nei­mit­tel anzu­se­hen sein, wenn sie phar­ma­ko­lo­gisch hoch akti­ve Bestand­tei­le ent­hal­ten und aus medi­zi­ni­schen Grün­den nicht im Rah­men der täg­li­chen Flüs­sig­keits­zu­fuhr ein­ge­nom­men wer­den dür­fen.

Die feh­len­de all­ge­mei­ne wis­sen­schaft­li­che Aner­ken­nung einer Behand­lungs­me­tho­de steht einer Bei­hil­fe­ge­wäh­rung auch unter dem Gesichts­punkt der Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit im Sin­ne von § 5 Abs. 1 Satz 1 BVO nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen. Viel­mehr besteht ein Anspruch auf Bei­hil­fe für eine wis­sen­schaft­lich nicht all­ge­mein aner­kann­te Behand­lungs­me­tho­de dann, wenn das Finanz­mi­nis­te­ri­um kei­ne Aus­schluss­ent­schei­dung auf der Grund­la­ge von § 6 Abs. 2 Nr. 1 BVO a. F. getrof­fen hat und die Not­wen­dig­keit der Behand­lung mit einer der­ar­ti­gen Metho­de im Ein­zel­fall bei Anle­gung eines stren­gen Prü­fungs­maß­sta­bes nach­ge­wie­sen ist. Bei die­ser Prü­fung kommt der Beur­tei­lung des zustän­di­gen Amts­arz­tes eine beson­de­re Bedeu­tung zu. Uner­heb­lich ist in einer der­ar­ti­gen Fall­ge­stal­tung, ob nach dem Stand der Wis­sen­schaft die begrün­de­te Aus­sicht auf eine wis­sen­schaft­li­che Aner­ken­nung der The­ra­pie­me­tho­de besteht.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 31. August 2010 – 10 S 3384/​08

  1. wie VGH Bad.-Württ. Urtei­le vom 19.01.2010 – 4 S 1816/​07, PharmR 2010, 307; und vom 11.03.2010 – 10 S 3090/​08, PharmR 2010, 300[]