Bei­hil­fe für den Ehe­gat­ten – und die Ein­künf­te­gren­ze

Die Rege­lung im Bei­hil­fe­recht des Lan­des Baden-Würt­tem­berg, die Bei­hil­fen an einen Beam­ten zu den krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen sei­nes Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ners für den Fall aus­schließt, dass deren Ein­künf­te einen bestimm­ten Betrag über­stei­gen, ist unwirk­sam. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.

Bei­hil­fe für den Ehe­gat­ten – und die Ein­künf­te­gren­ze

Die Bei­hil­fe­ver­ord­nung Baden-Würt­tem­berg (BVO BW) bestimm­te in ihrer bis Ende 2012 maß­geb­li­chen Fas­sung, dass krank­heits­be­ding­te Auf­wen­dun­gen, die für den Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner des Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten ent­stan­den sind, nicht bei­hil­fe­fä­hig sind, wenn der Gesamt­be­trag der Ein­künf­te des Ehe­gat­ten oder des Lebens­part­ners in den bei­den Kalen­der­jah­ren vor der Stel­lung des Bei­hil­fe­an­trags jeweils 18 000 € über­stieg. Das Haus­halts­be­gleit­ge­setz 2013/​14 änder­te mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2013 u.a. die Bei­hil­fe­ver­ord­nung und senk­te die Ein­künf­te­gren­ze für gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­te Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner auf 10 000 € ab (§ 5 Abs. 4 Nr. 4 BVO BW).

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall begehr­te ein Ruhe­stands­be­am­ter vom beklag­ten Land Bei­hil­fe­leis­tun­gen für Auf­wen­dun­gen, die sei­ner Ehe­frau ent­stan­den sind, deren gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung inso­weit kei­ne Leis­tun­gen erbracht hat. Der jähr­li­che Gesamt­be­trag der Ein­künf­te der Ehe­frau des Beam­ten betrug im maß­geb­li­chen Zeit­raum zwi­schen 10.000 und 11.000 €.

Der nach Ableh­nung des Bei­hil­fe­an­tra­ges erho­be­nen Kla­ge hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg über­wie­gend statt­ge­ge­ben, weil die Absen­kung der Ein­künf­te­gren­ze nicht aus­rei­chend begrün­det und die­se für die Annah­me wirt­schaft­li­cher Unab­hän­gig­keit zu nied­rig fest­ge­setzt sei 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs aus ande­ren Grün­den bestä­tigt:

§ 5 Abs. 4 Nr. 4 BVO BW ist unwirk­sam, weil der Grund­satz vom Vor­be­halt des Geset­zes im Bei­hil­fe­be­reich nicht gewahrt ist. Danach muss der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber die tra­gen­den Struk­tur­prin­zi­pi­en und wesent­li­che Ein­schrän­kun­gen des Bei­hil­fe­sys­tems selbst fest­le­gen. Ihm obliegt dem­nach auch die grund­sätz­li­che Ent­schei­dung dar­über, ob und in wel­chem Maße medi­zi­nisch not­wen­di­ge und wirt­schaft­lich ange­mes­se­ne krank­heits­be­ding­te Auf­wen­dun­gen für Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ner des bei­hil­fe­be­rech­tig­ten Beam­ten von der Bei­hil­fe­fä­hig­keit im Hin­blick auf die Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Ehe­gat­ten oder Lebens­part­ners aus­ge­nom­men wer­den.

Des­halb ist ein Aus­schluss von der Bei­hil­fe­fä­hig­keit durch Rechts­ver­ord­nung – wie hier – nur wirk­sam, wenn der par­la­men­ta­ri­sche Gesetz­ge­ber in einer Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung erkenn­bar und hin­rei­chend klar zum Aus­druck gebracht hat, dass er eine sol­che Rege­lung für zuläs­sig erach­tet. Das gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch dann, wenn der Gesetz­ge­ber selbst die Rechts­ver­ord­nung ändert.

An einer sol­chen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung fehlt es hier. Dem als Ermäch­ti­gung allein in Betracht kom­men­den § 78 Abs. 2 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes Baden-Würt­tem­berg ist nicht mit der gebo­te­nen Deut­lich­keit zu ent­neh­men, dass die Ver­wal­tung befugt ist, die hier in Rede ste­hen­de Bestim­mung zu erlas­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. März 2019 – 5 C 4.18

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 4.12.2017 – 2 S 1289/​16[]