Bei­hil­fe fürs Hör­ge­rät

Die Bei­hil­fe für Hör­ge­rä­te gibt es nach dem hier zugrun­de lie­gen­den Urteil vom Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver grund­sätz­lich nur bis zum Höchst­be­trag. Der Klä­ger kann wei­ter­hin kei­nen ent­spre­chen­den Anspruch direkt aus der beam­ten­recht­li­chen Für­sor­ge­pflicht ablei­ten.

Bei­hil­fe fürs Hör­ge­rät

Ent­ge­gen die Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz vom 04.03.2008 und des Ver­wal­tungs­ge­richts Han­no­ver vom 17.09.2009, wonach die in den ein­schlä­gi­gen Hin­wei­sen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern zu den BhV des Bun­des ent­hal­te­ne Höchst­gren­ze für Hör­ge­rä­te nicht grei­fen soll urteilt hier das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver anders.

Die BhV des Bun­des sind mit den dazu ergan­ge­nen Hin­wei­sen des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums auf den Fall des Klä­gers nicht mehr anzu­wen­den. Im Febru­ar 2009 ist die neue Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung in Kraft getre­ten. Hör­ge­rä­te sind nun­mehr aber nach § 25 Abs. 1 die­ser Ver­ord­nung iVm. der Anla­ge 5 nur bis zum einem Höchst­be­trag von 1.025,00 € je Ohr bei­hil­fe­fä­hig. Im Übri­gen wäre auch die alte Höchst­be­trags­re­ge­lung nach den frü­he­ren BhV nicht zu bean­stan­den gewe­sen.

Bereits im Urteil vom 11.08.20091 – in Über­ein­stim­mung mit dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach2 und des Bay­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts3 gibt es grund­sätz­lich kei­ne Beden­ken gegen die Höchst­be­trags­re­ge­lung in den frü­he­ren Bei­hil­fe­ver­ord­nung des Bun­des. Der Höchst­be­trag soll die Bei­hil­fe­stel­le von einer auf­wen­di­gen Über­prü­fung im Ein­zel­fall zur medi­zi­ni­schen Not­wen­dig­keit einer beson­ders teu­ren Aus­füh­rung bzw. der digi­ta­len Tech­nik ent­las­ten. Mehr als der Höchst­be­trag ist nach den Bei­hil­fe­vor­schrif­ten für Hör­ge­rä­te nicht bei­hil­fe­fä­hig, auch wenn die Kos­ten für Hör­ge­rä­te regel­mä­ßig höher sind4.

Grund­sätz­lich sind die Dienst- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge dazu bestimmt, den Lebens­be­darf des Beam­ten oder Ver­sor­gungs­emp­fän­gers und sei­ner Fami­lie zu sichern. Auch die Auf­wen­dun­gen in Krankheits‑, Geburts- und Todes­fäl­len wer­den mit einem Durch­schnitts­satz abge­deckt. Nur soweit die Auf­wen­dun­gen den mit der gene­rell gere­gel­ten Besol­dung abge­gol­te­nen Durch­schnitts­satz über­stei­gen, hat dies der Dienst­herr durch die Gewäh­rung von Bei­hil­fen aus­zu­glei­chen. Die Bei­hil­fe ist daher eine Hil­fe­leis­tung, die neben der zumut­ba­ren Eigen­be­las­tung des Beam­ten ergän­zend und in ange­mes­se­nen Umfang ein­zu­grei­fen hat, um in einem durch die Für­sor­ge­pflicht gebo­te­nen Maß die wirt­schaft­li­che Lage des Beam­ten durch Zuschüs­se aus öffent­li­chen Mit­teln zu erleich­tern. Wegen des nur ergän­zen­den und in star­kem Maße Ange­mes­sen­heits­er­wä­gun­gen unter­lie­gen­den ergän­zen­den Cha­rak­ters der Bei­hil­fe muss der Beam­te und Ver­sor­gungs­emp­fän­ger auch gewis­se Här­ten und Nach­tei­le hin­neh­men, die sich aus der am Ali­men­ta­ti­ons­grund­satz nur ori­en­tier­ten pau­scha­lie­ren­den und typi­sie­ren­den Kon­kre­ti­sie­rung der Für­sor­ge­pflicht erge­ben und kei­ne unzu­mut­ba­re Belas­tung dar­stel­len5. Ent­schei­det sich der Dienst­herr für ein Misch­sys­tem aus Eigen­leis­tun­gen des Beam­ten und Bei­hil­fen, muss nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts jedoch gewähr­leis­tet sein, dass der Beam­te nicht mit erheb­li­chen Auf­wen­dun­gen belas­tet bleibt, die er auch über eine ihm zumut­ba­re Eigen­vor­sor­ge nicht abzu­si­chern ver­mag6.

Eine lücken­lo­se Erstat­tung jeg­li­cher Auf­wen­dun­gen ver­langt die Für­sor­ge­pflicht jedoch nicht6. Grund­sätz­lich lässt sich ein Bei­hil­fe­an­spruch nicht unmit­tel­bar auf die Für­sor­ge­pflicht stüt­zen, wenn die die Für­sor­ge­pflicht bereits kon­kre­ti­sie­ren­den Bei­hil­fe­vor­schrif­ten eine Beschrän­kung, wie im vor­lie­gen­den Fall für Hör­hil­fen, vor­se­hen. Eine Aus­nah­me gilt nur dann, wenn sonst die Für­sor­ge­pflicht in ihrem Wesens­kern ver­letzt wäre7.

Eine Ver­let­zung des Wesens­ker­nes der Für­sor­ge­pflicht beim Klä­ger ist nicht ersicht­lich. Er hat zum Einen die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit gera­de der ange­schaff­ten Hör­ge­rä­te nicht dar­legt. Zwar ist es nach­voll­zieh­bar, dass ein Blin­der eine Hör­be­hin­de­rung schlech­ter aus­glei­chen kann (ihm ist es z.B. nicht mög­lich, von den Lip­pen eines Gesprächs­part­ners abzu­le­sen) und er ist gera­de wegen der Seh­be­hin­de­rung auch ver­stärkt auf sei­nen Gehör­sinn ange­wie­sen. Die schlich­te Behaup­tung des Klä­gers jedoch, dass er eine Ver­sor­gung mit Hör­ge­rä­ten benö­ti­ge, die auch nicht annä­hernd für die fest­ge­setz­ten Höchst­be­trä­ge zu erhal­ten sind, reicht nicht aus, um Ansatz­punk­te für die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit gera­de der ange­schaff­ten Hör­ge­rä­te zu lie­fern. Hier hät­te der anwalt­lich ver­tre­te­ne Klä­ger schon kon­kre­te­re Ein­zel­hei­ten dar­le­gen müs­sen, ggf. unter Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den ärzt­li­chen Stel­lung­nah­me. Von Amts­we­gen war dazu kein Beweis ein­zu­ho­len. Dies wäre ange­sichts des bis­he­ri­gen Vor­tra­ges auf einen unzu­läs­si­gen Aus­for­schungs­be­weis hin­aus­ge­lau­fen. Hin­zu kommt. dass zum Ande­ren der Klä­ger auch nicht – obwohl anwalt­lich ver­tre­ten und vom Gericht dazu auf­ge­for­dert – sei­ne wirt­schaft­li­chen und per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se dar­ge­legt und belegt hat, so dass schon von daher eine Beein­träch­ti­gung des amts­an­ge­mes­se­nen Unter­halts nicht ersicht­lich ist und auch des­halb ein aus der Für­sor­ge­pflicht abzu­lei­ten­der Anspruch zu ver­nei­nen ist.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 02. Febru­ar 2011 – 13 A 3196/​10

  1. VG Han­no­ver – 13 A 6152/​08
  2. VG Ans­bach, Urteil vom 11.06.2008 – AN 15 K 07.02658
  3. BayVGH, Beschluss vom 17.11.2009 – 14 ZB 09.1917
  4. vgl. Mil­den­ber­ger, Bei­hil­fe­recht in Bund, Län­dern und Kom­mu­nen § 6 BhV Anm.10 (12)
  5. vgl. zu allem BVerwG, Urteil vom 16.12.1976, ZBR 1977, 194, 195
  6. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 07.11.2002, NVwZ 2003, 720; und vom 02.10.2007, DVBl. 2007, 1493; BVerwG, Urteil vom 3.7.2003, NJW 2004, 308; BVerwG, Urteil vom 26.8.2009, NVwZ-RR 2010, 366
  7. BVerwG, Urteil vom 10.6.1999, NVwZ-RR 2000, 99; BVerwG Urteil vom 24.8.1995, ZBR 1996, 46, 48