Bei­hil­fe für Pro­fes­so­ren – und die unter­schied­li­chen Eigen­an­tei­le

Für die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen zwei Besol­dungs­grup­pen von Pro­fes­so­ren bei der Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le fin­det sich in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung.

Bei­hil­fe für Pro­fes­so­ren – und die unter­schied­li­chen Eigen­an­tei­le

Mit die­ser Beur­tei­lung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge eines Pro­fes­sors statt­ge­ge­ben und das beklag­te Land Baden-Würt­tem­berg ver­pflich­tet, dem Klä­ger wei­te­re Bei­hil­fe­leis­tun­gen zu gewäh­ren. Geklagt hat­te ein Pro­fes­sor mit einem eige­nen Lehr­stuhl in der Besol­dungs­grup­pe W 3 bei dem beklag­ten Land. Nach der baden-würt­tem­ber­gi­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung müs­sen sich Beam­te bei der anteils­mä­ßi­gen Erstat­tung der ihnen ange­fal­le­nen Krank­heits­kos­ten durch das Land einen jähr­li­chen Eigen­an­teil, die soge­nann­te Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le, abzie­hen las­sen. Der von den jewei­li­gen Beam­ten zu tra­gen­de Eigen­an­teil ist dabei nach Besol­dungs­grup­pen gestaf­felt unter­schied­lich hoch aus­ge­stal­tet. Letzt­ma­lig zum 1. Janu­ar 2013 wur­de die jewei­li­ge Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le erhöht. Für Pro­fes­so­ren mit einem eige­nen Lehr­stuhl an einer Uni­ver­si­tät wur­den dabei erst­mals unter­schied­li­che Eigen­an­tei­le fest­ge­setzt. So beträgt die Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le für Pro­fes­so­ren der aus­lau­fen­den Besol­dungs­grup­pe C 4 bei 225 € und für Pro­fes­so­ren der neue­ren Besol­dungs­grup­pe W 3 bei 275 €. Mit die­ser Dif­fe­ren­zie­rung war der Pro­fes­sor nicht ein­ver­stan­den und hat dage­gen geklagt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass die Erhö­hung der Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le zum 1. Janu­ar 2013 sowohl for­mell als auch mate­ri­ell ver­fas­sungs­wid­rig sei und damit – wie bereits zwei wei­te­re zum 1. Janu­ar 2013 ein­ge­führ­te besol­dungs­recht­li­che Schlech­ter­stel­lun­gen bestimm­ter Beam­ter unwirk­sam. Den Geset­zes­ma­te­ria­li­en las­se sich kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung für die nun­meh­ri­ge Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den bei­den bis dato gleich­be­han­del­ten Besol­dungs­grup­pen ent­neh­men. Für die Ungleich­be­hand­lung gebe es zudem kei­nen sach­li­chen Grund, nach­dem die Besol­dungs­grup­pe W 3 der Besol­dungs­grup­pe C 4 funk­tio­nal ent­spre­che, die­se im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu Art. 3 Abs. 1 GG „im Wesent­li­chen gleich“ besol­det sei­en und die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der jewei­li­gen Pro­fes­so­ren damit ver­gleich­bar sei. Aus die­sen Grün­den müs­se sich der Klä­ger von sei­nem Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch daher ledig­lich die bis zum 31. Dezem­ber 2012 gel­ten­de Kos­ten­dämp­fungs­pau­scha­le in Höhe von 225 € abzie­hen las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 23. Juni 2020 – 2 K 8782/​18