Ber­li­ner Beam­ten­be­sol­dung

Die Besol­dung der Beam­ten des Lan­des Ber­lin in den Besol­dungs­grup­pen A 9 bis A 12 war in den Jah­ren 2008 bis 2015 in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zu nied­rig be­messen, für die Rich­ter­be­sol­dung in den Besol­dungs­grup­pen R 1 bis R 3 gilt dies jeden­falls für die Jah­re 2009 bis 2015.

Ber­li­ner Beam­ten­be­sol­dung

Die­se Auf­fas­sung hat nun jeden­falls das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ver­tre­ten und dem­entspre­chend dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ins­ge­samt acht Ver­fah­ren zur Besol­dung im Land Ber­lin zur Ent­schei­dung über die Fra­ge ihrer Ver­fas­sungs­wid­rig­ke­ti vor­ge­legt.

Die Klä­ger sind Poli­zei- und Feu­er­wehr­be­am­te sowie Rich­ter im Dienst des Lan­des Ber­lin. Sie hat­ten in den Jah­ren 2008 bis 2010 erfolg­los eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on bei ihrem Dienst­herrn gerügt. Kla­ge- und Beru­fungs­ver­fah­ren sind erfolg­los geblie­ben. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat ange­nom­men, dass nur zwei der fünf vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Para­me­ter für die Ver­mu­tung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Besol­dung erfüllt sei­en; des­halb bestehe kein Anlass für eine wei­ter­ge­hen­de Prü­fung 1. Das Bundesver­waltungsgericht ist dem nicht gefolgt:

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts erweist sich die Besol­dung schon bei Anwen­dung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­ge­be­nen rela­ti­ven Ver­gleichs­me­tho­de als nicht ange­mes­sen. Dabei kann offen blei­ben, ob der Nomi­nal­lohn­in­dex für Ber­lin trotz regio­na­ler Beson­der­hei­ten eine hin­rei­chen­de Aus­sa­ge­kraft besitzt. Dahin­ste­hen kann auch, ob für den Quer­ver­gleich der Besol­dung eine Betrach­tung allein mit der Bun­des­be­sol­dung anzu­stel­len ist. Denn jeden­falls für zwei wesent­li­che Para­me­ter (Ver­gleich der Besol­dungs­ent­wick­lung zu den Tarif­er­geb­nis­sen der Ange­stell­ten im öffent­li­chen Dienst und zum Ver­brau­cher­preis­in­dex) sind die Schwel­len­wer­te in beson­ders deut­li­cher Wei­se über­schrit­ten. Damit lie­gen aus­rei­chen­de Indi­zi­en vor, die eine umfas­sen­de Betrach­tung und Gesamt­ab­wä­gung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus erfor­der­lich machen.

Die danach anzu­stel­len­de Gesamt­be­trach­tung ergibt ein ein­heit­li­ches Bild und lässt ver­nünf­ti­ge Zwei­fel am Vor­lie­gen einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on nicht zu.

Zunächst zeigt der Ver­gleich mit den durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ter mit ent­spre­chen­der Qua­li­fi­ka­ti­on und Ver­ant­wor­tung, dass die Beam­ten und Rich­ter des Lan­des Ber­lin deut­lich gerin­ge­re Ein­künf­te erzie­len. Für die Rich­ter ist zudem die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gefor­der­te qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on der Besol­dung nicht mehr gewähr­leis­tet; dies zeigt sich an der Absen­kung der Ein­stel­lungs­an­for­de­run­gen bei gleich­zei­ti­ger deut­li­cher Ver­bes­se­rung der Ber­li­ner Examens­er­geb­nis­se.

Bei der Besol­dung der Beam­ten hat der Ber­li­ner Gesetz­ge­ber schließ­lich auch die abso­lu­te Unter­gren­ze einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ali­men­ta­ti­on unter­schrit­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss sich die Beam­ten­be­sol­dung vom Niveau der sozi­al­recht­li­chen Grund­si­che­rung jeden­falls um 15 % abhe­ben. Die­se Anfor­de­rung ist im Land Ber­lin nicht ein­ge­hal­ten wor­den. Die Feh­ler­haf­tig­keit des Besol­dungs­ni­veaus in den unte­ren Besol­dungs­grup­pen führt zwangs­läu­fig auch zu einem Man­gel der hier in Rede ste­hen­den Besoldungs­gruppen. Da der Gesetz­ge­ber kei­ne bewuss­te Ent­schei­dung zur Neu­struk­tu­rie­rung des Abstands zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen getrof­fen hat, führt die erfor­der­li­che Anpas­sung der unters­ten Besol­dungs­grup­pe not­wen­di­ger­wei­se zu einer Ver­schie­bung des Gesamt­ge­fü­ges.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 22. Sep­tem­ber 2017 – 2 C 56.162 C 57.162 C 58.162 C 4.172 C 5.172 C 6.17 und 2 C 7.17

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 12.10.2016 – 4 B 38.12; 4 B 37.12; und 4 B 2.13; sowie vom 14.12.2016 – 4 B 4.13; 4 B 35.12; 4 B 5.13; 4 B 6.13; und 4 B 29.12[]