Ber­li­ner Beam­ten­be­sol­dung und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot

Für das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin bestehen Zwei­fel dar­an, ob die §§ 27, 28 BBesG a.F. bzw. BBesG Bln a.F. vor dem euro­pa­recht­li­chen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot Bestand haben kön­nen; Wei­ter­hin sieht sich das Ver­wal­tungs­ge­richt unter Anwen­dung der im deut­schen Recht aner­kann­ten Aus­le­gungs­me­tho­den, auch unter Berück­sich­ti­gung des gesam­ten inner­staat­li­chen Rechts 1, hier ins­be­son­de­re des AGG, nicht im Stan­de, die maß­geb­li­chen Rege­lun­gen des Berl­Be­sÜG uni­ons­rechts­kon­form anzu­wen­den.

Ber­li­ner Beam­ten­be­sol­dung und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot

Die­se Grün­de hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall ange­führt, um dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Ver­ein­bar­keit der besol­dungs-recht­li­chen Vor­schrif­ten des Lan­des Ber­lin mit euro­päi­schem Recht zur Prü­fung vor­zu­le­gen. Im Wege eines sol­chen Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens kön­nen dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on von den Gerich­ten der Mit­glied­staa­ten in einem bei ihnen anhän­gi­gen Rechts­streit Fra­gen nach der Aus­le­gung des Uni­ons­rechts oder nach der Gül­tig­keit einer Hand­lung der Uni­on vor­ge­legt wer­den. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schei­det dann nur über die­se Rechts­fra­ge, nicht über den natio­na­len Rechts­streit. Es ist Sache des natio­na­len Gerichts, über die Rechts­sa­che im Ein­klang mit der Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zu ent­schei­den.

Vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin sind meh­re­re Kla­ge­ver­fah­ren von Beam­ten des Lan­des Ber­lin aus­ge­setzt wor­den, da nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts frag­lich ist, ob die bis 31. Juli 2011 in Ber­lin gel­ten­den besol­dungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen und die Rege­lun­gen für die Über­lei­tung der Beam­ten in das ab 1. August 2011 gel­ten­de Besol­dungs­recht mit den euro­päi­schen Vor­schrif­ten zum Schutz gegen Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters ver­ein­bar sind und wel­che Rechts­fol­gen sich im Fal­le eines Ver­sto­ßes erge­ben.

Nach dem bis zum 31. Juli 2011 gel­ten­den Besol­dungs­recht bil­de­te das vom Lebens­al­ter abhän­gi­ge Besol­dungs­dienst­al­ter den Anknüp­fungs­punkt für die erst­ma­li­ge Zuord­nung zu einer Besol­dungs­stu­fe. Bei zeit­glei­cher Begrün­dung eines Beam­ten­ver­hält­nis­ses erhielt daher der lebens­äl­te­re Beam­te höhe­res Gehalt als der lebens­jün­ge­re Beam­te. Nach neu­er Rechts­la­ge knüpft die Bezah­lung für ab dem 1. August 2011 ernann­te Beam­te grund­sätz­lich nur noch an die tat­säch­li­che Berufs­er­fah­rung an. Bei sog. Bestands­be­am­ten wird abwei­chend hier­von in Anknüp­fung an die erreich­te Besol­dungs­hö­he eine ent­spre­chen­de Berufs­er­fah­rung fin­giert; damit wer­den Beam­te, die in einem höhe­ren Lebens­al­ter ein­ge­stellt wur­den, wei­ter­hin gegen­über sol­chen Beam­ten bevor­zugt, die in jün­ge­ren Jah­ren ein­ge­stellt wur­den.

In einer Rei­he von Kla­ge­ver­fah­ren rügen die Klä­ger, die Bemes­sung ihrer Besol­dung ver­sto­ße gegen das euro­päi­sche Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung. Denn die Bemes­sung des Grund­ge­halts der Beam­ten ori­en­tie­re sich auch wei­ter­hin an ihrem Alter bei der Begrün­dung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses, ohne dass hier­für ein hin­rei­chen­der Recht­fer­ti­gungs­grund ersicht­lich sei. Die­se Dis­kri­mi­nie­rung kön­ne bis zur Über­füh­rung der Beam­ten­be­sol­dung in ein dis­kri­mi­nie­rungs­frei­es Sys­tem nur durch die Gewäh­rung von Besol­dung aus der höchs­ten Stu­fe aus­ge­gli­chen wer­den. Auch wür­den die seit dem 1. August 2011 in Ber­lin gel­ten­den neu­en besol­dungs­recht­li­chen Rege­lun­gen die Alters-dis­kri­mi­nie­rung der Beam­ten, die bereits am 31. Juli 2011 in einem Beam­ten­ver­hält­nis gestan­den hät­ten, nicht besei­ti­gen, son­dern unbe­grenzt fort­füh­ren.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschlüs­se vom 10. Okto­ber 2012 – 7 K 425.12 u.a.)

  1. vgl. hier­zu zuletzt: EuGH, Urteil vom 24.01.2012 – C‑282/​10, Dom­in­guez[]