Berufs­krank­heit bei Beam­ten

Bei Beam­ten kann eine Krank­heit nur dann als Berufs­krank­heit aner­kannt wer­den, wenn sie zum Zeit­punkt der Erkran­kung bereits in der Anla­ge zur Berufs­krank­hei­ten­ver­ord­nung gelis­tet war.

Berufs­krank­heit bei Beam­ten

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te ein im Ruhe­stand befind­li­cher ehe­ma­li­ger Bediens­te­te einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt geklagt. In den 1990er-Jah­ren beauf­sich­tig­te er über einen Zeit­raum von ca. zwei­ein­halb Jah­ren Gefan­ge­ne in einem Werks­be­trieb, die Büro­ses­sel fer­tig­ten. Hier­bei wur­den zwei lösungs­mit­tel­hal­ti­ge Kleb­stof­fe ver­wen­det. Spä­tes­tens im Novem­ber 1997 erkrank­te der Beam­te an Poly­neu­ro­pa­thie. Die­se Erkran­kung wur­de bei Expo­si­ti­on zu orga­ni­schen Lösungs­mit­teln zum 1. Dezem­ber 1997 in die Lis­te der Berufs­krank­hei­ten der Berufs­krank­hei­ten­ver­ord­nung auf­ge­nom­men. Der Jus­tiz­voll­zugs­be­am­te begehr­te nun­mehr die Aner­ken­nung sei­ner Erkran­kung als Berufs­krank­heit.

Die nach dem erfolg­lo­sen Ver­wal­tungs­ver­fah­ren von ihm erho­be­ne Kla­ge wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lands abge­wie­sen [1], die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Saar­lands zurück­ge­wie­sen [2]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­se Saar­loui­ser Ent­schei­dun­gen nun und wies auch die Revi­si­on des Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ten zurück:

Nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen kön­nen allein sol­che Krank­hei­ten als Berufs­krank­hei­ten aner­kannt wer­den, die schon zum Zeit­punkt der Erkran­kung als Berufs­krank­heit in Anla­ge 1 zur Berufs­krank­hei­ten­ver­ord­nung auf­ge­nom­men sind. Rege­lun­gen der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung, die auch die rück­wir­ken­de Aner­ken­nung von Berufs­krank­hei­ten ermög­li­chen, gel­ten nicht für Beam­te. Die­se Ungleich­be­hand­lung ist v.a. des­we­gen gerecht­fer­tigt, weil dem Beam­ten auch im Fal­le der voll­stän­di­gen Dienst­un­fä­hig­keit lebens­zei­ti­ge Ver­sor­gungs­an­sprü­che zuste­hen.

Der maß­geb­li­che Zeit­punkt, wann bei fort­lau­fen­den kumu­la­ti­ven schäd­li­chen Ein­wir­kun­gen von dem Beginn der Erkran­kung aus­zu­ge­hen ist, bestimmt sich danach, wann die Erkran­kung sicher dia­gnos­ti­zier­bar ist. Dies war bei dem Klä­ger weni­ge Wochen vor der Lis­tung der Krank­heit als Berufs­krank­heit der Fall.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Dezem­ber 2015 – 2 C 46.2013 -

  1. VG Saar­land, Urteil vom 20.11.2012 – 2 K 452/​11[]
  2. OVG Saar­land, Urteil vom 27.08.2013 – 1 A 21/​13[]