Beson­de­re Alters­gren­zen und der finan­zi­el­le Aus­gleich wegen Ein­tritts in den Ruhe­stand

Der Anspruch auf den finan­zi­el­len Aus­gleich bei Ein­tritt in den Ruhe­stand wegen der beson­de­ren Alters­gren­ze nach § 48 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG steht nur Beam­ten zu, die bis zum Errei­chen die­ser Alters­gren­ze im Dienst ver­blei­ben. Ver­set­zun­gen in den vor­zei­ti­gen Ruhe­stand, sei es wegen Dienst­un­fä­hig­keit oder auf Antrag nach Errei­chen einer hier­von abwei­chen­den Antrags­al­ters­gren­ze, las­sen den Aus­gleichs­an­spruch nicht ent­ste­hen.

Beson­de­re Alters­gren­zen und der finan­zi­el­le Aus­gleich wegen Ein­tritts in den Ruhe­stand

Nach dem ein­deu­ti­gen Wort­laut der gesetz­li­chen Aus­gleichs­re­ge­lung steht der Aus­gleich Beam­ten nicht zu, die wie der Klä­ger auf­grund einer Antrags­al­ters­gren­ze auf ihren Antrag vor­zei­tig in den Ruhe­stand ver­setzt wer­den.

Das Bestehen des Anspruchs auf die Aus­gleichs­zah­lung rich­tet sich nach § 48 Abs. 1 BeamtVG 2004 1. Die­se Vor­schrift galt bei Ein­tritt des Klä­gers in den Ruhe­stand am 1.12.2009 für die im Dienst des Lan­des NRW ste­hen­den Lan­des­be­am­ten als Bun­des­recht fort (Art. 125a Abs. 1 Satz 1 GG, § 108 Abs. 1 BeamtVG). Nach Satz 1 des § 48 Abs. 1 BeamtVG 2004 erhal­ten Beam­te des Voll­zugs­diens­tes, die vor Voll­endung des 65. Lebens­jah­res wegen Errei­chens der beson­de­ren Alters­gren­ze in den Ruhe­stand tre­ten, neben dem Ruhe­ge­halt einen Aus­gleich in Höhe des Fünf­fa­chen der Dienst­be­zü­ge des letz­ten Monats, jedoch nicht über 4 091 €.

Nach die­sem Geset­zes­wort­laut setzt die Gewäh­rung des Aus­gleichs vor­aus, dass der Ein­tritt in den Ruhe­stand durch das Errei­chen der beson­de­ren Alters­gren­ze her­bei­ge­führt wird. Dem­nach ent­steht der Anspruch nicht, wenn der Ruhe­stand aus einem ande­ren Grund ein­tritt.

Der Bedeu­tungs­ge­halt des Begriffs der beson­de­ren Alters­gren­ze wird durch die Beam­ten­ge­set­ze ein­heit­lich bestimmt: Beam­te auf Lebens­zeit tre­ten mit dem Ende des Monats in den Ruhe­stand, in dem sie die für sie jeweils gel­ten­de Alters­gren­ze errei­chen. Die Alters­gren­ze wird in der Regel mit der Voll­endung des 67., frü­her des 65. Lebens­jah­res erreicht (Regel­al­ters­gren­ze), soweit nicht gesetz­lich eine ande­re Alters­gren­ze (beson­de­re Alters­gren­ze) bestimmt ist (vgl. § 31 Abs. 1 Satz 1 und 2 LBG NRW 2; § 51 Abs. 1 Satz 1 und 2 BBG 3; § 25 Abs. 1 BRRG 4).

Die beson­de­re Alters­gren­ze tritt für bestimm­te Beam­ten­grup­pen, ins­be­son­de­re für Beam­te des Polizeivollzugs‑, Feu­er­wehr- und Straf­voll­zugs­diens­tes, an die Stel­le der Regel­al­ters­gren­ze. Sie stellt eine vor­ge­zo­ge­ne Alters­gren­ze dar, die in der Regel mit der Voll­endung des 62., frü­her des 60. Lebens­jah­res erreicht wird (vgl. § 115 Abs. 1 und 2 LBG NRW 2009, § 51 Abs. 3 BBG 2009, § 5 des Bun­des­po­li­zei­be­am­ten­ge­set­zes). Bei­den gesetz­li­chen Alters­gren­zen ist gemein­sam, dass die Beam­ten unmit­tel­bar kraft Geset­zes in den Ruhe­stand tre­ten, wenn sie das gesetz­lich fest­ge­leg­te Alter errei­chen. Einer Ver­set­zung in den Ruhe­stand bedarf es nicht (vgl. § 31 Abs. 1 Satz 1 LBG NRW 2009, § 51 Abs. 1 Satz 1 BBG 2009, § 25 Abs. 1 BRRG).

Beson­de­ren Alters­gren­zen liegt die gene­ra­li­sie­ren­de, auf Erfah­rungs­wer­ten beru­hen­de Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers zugrun­de, dass die Dienst­fä­hig­keit der Beam­ten auf­grund der beson­ders hohen Belas­tun­gen des Diens­tes typi­scher­wei­se bereits vor Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze nicht mehr gege­ben ist. Daher erlässt der Gesetz­ge­ber die­sen Beam­ten einen Teil der Lebens­dienst­zeit. Hier­für haben sie Ein­bu­ßen bei Besol­dung und Ver­sor­gung hin­zu­neh­men, die durch die Aus­gleichs­zah­lung teil­wei­se kom­pen­siert wer­den 5.

Aus der Bestim­mung des Begriffs der beson­de­ren Alters­gren­ze durch die Beam­ten­ge­set­ze folgt, dass es sich bei einer Antrags­al­ters­gren­ze nicht um eine beson­de­re Alters­gren­ze han­delt. Die Antrags­al­ters­gren­ze tritt nicht für bestimm­te Beam­ten­grup­pen gene­rell an die Stel­le der Regel­al­ters­gren­ze. Beam­te, die das so genann­te Antrags­al­ter errei­chen, tre­ten nicht kraft Geset­zes in den Ruhe­stand. Viel­mehr ist ihnen ab die­sem Zeit­punkt die Mög­lich­keit eröff­net, sich vor­zei­tig, näm­lich vor Errei­chen der für sie gel­ten­den Regel- oder beson­de­ren Alters­gren­ze, in den Ruhe­stand ver­set­zen zu las­sen. Machen sie davon kei­nen Gebrauch, hat die Antrags­al­ters­gren­ze für sie kei­ne Bedeu­tung. Stel­len sie den erfor­der­li­chen Antrag, hat der Dienst­herr dar­über nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu ent­schei­den, wenn die Ver­set­zung in den Ruhe­stand nicht an wei­te­re tat­be­stand­li­che Vor­aus­set­zun­gen wie etwa die Schwer­be­hin­de­rung im Sin­ne des § 2 Abs. 2 SGB IX geknüpft ist (vgl. § 115 Abs. 3 LBG NRW 2009, § 52 Abs. 3 BBG 2009).

Setzt der Aus­gleichs­an­spruch nach § 48 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG 2004 nach dem Geset­zes­wort­laut den Ein­tritt in den Ruhe­stand wegen des Errei­chens der beson­de­ren Alters­gren­ze vor­aus, ent­steht er nicht, wenn ein Beam­ter nicht bis zum Errei­chen die­ser Alters­gren­ze im Dienst ver­bleibt, son­dern vor­her in den Ruhe­stand tritt. Dar­aus folgt zwangs­läu­fig, dass Ver­set­zun­gen in den vor­zei­ti­gen Ruhe­stand, sei es wegen Dienst­un­fä­hig­keit oder auf Antrag nach Errei­chen einer Antrags­al­ters­gren­ze, den Aus­gleichs­an­spruch nicht ent­ste­hen las­sen.

Dass der Aus­gleichs­an­spruch erst mit dem Errei­chen der beson­de­ren Alters­gren­ze im akti­ven Dienst ent­steht, wird durch Satz 2 des § 48 Abs. 1 BeamtVG 2004 bestä­tigt. Danach steht Beam­ten, die über die beson­de­re Alters­gren­ze hin­aus Dienst leis­ten, ein zeit­an­tei­lig ermä­ßig­ter Aus­gleichs­an­spruch zu.

Beden­ken gegen die Ver­ein­bar­keit der Aus­gleichs­re­ge­lung des § 48 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG hat der Klä­ger nicht nach § 133 Abs. 3 Satz 3 VwGO dar­ge­legt; sie sind auch nicht ersicht­lich. Der Gesetz­ge­ber ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht ver­pflich­tet, die finan­zi­el­len Ein­bu­ßen aus­zu­glei­chen, die Beam­ten ent­ste­hen, weil für sie anstel­le der Regel­al­ters­gren­ze eine beson­de­re Alters­gren­ze gilt 6. Daher steht dem Gesetz­ge­ber ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum für die Bestim­mung der Vor­aus­set­zun­gen des Aus­gleichs zu. Des­sen Gren­ze ist erst über­schrit­ten, wenn die Aus­gleichs­zah­lung einem Kreis von Beam­ten erkenn­bar sach­wid­rig vor­ent­hal­ten wird 7. Danach liegt auf der Hand, dass die Aus­gleichs­zah­lung ohne Ver­stoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG davon abhän­gig gemacht wer­den kann, dass der Beam­te bis zum Errei­chen der beson­de­ren Alters­gren­ze im Dienst ver­bleibt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Novem­ber 2013 – 2 B 56.13

  1. i.d.F. vom 21.12.2004, BGBl I S. 3592[]
  2. i.d.F. vom 21.04.2009, GV. NRW. S. 224[]
  3. i.d.F. vom 05.02.2009, BGBl I S. 160[]
  4. vom 31.03.1999, BGBl. I S. 654[]
  5. BVerwG, Urteil vom 17.12.2008 – 2 C 26.07, BVerw­GE 133, 25 = Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 17, jeweils Rn. 14 und 17[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 27.02.1962 – 2 BvR 510/​60, BVerfGE 14, 30, 32 f.; BVerwG, Beschluss vom 23.07.1979 – 6 B 56.79, Buch­holz 232.5 § 48 BeamtVG Nr. 1 S. 2[]
  7. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 30.09.1987 – 2 BvR 933/​82, BVerfGE 76, 257, 295 und vom 06.05.2004 – 2 BvL 16/​02, BVerfGE 110, 353, 364 f.[]