Beson­de­re per­sön­li­che Nähe zur DDR – und die Ruhe­stands­be­zü­ge

Bezieht ein Ruhe­stands­be­am­ter des Bun­des auch eine Ren­te für eine Tätig­keit in der DDR, die ihm auf­grund eines Stu­di­en­ab­schlus­ses an der SED-Par­tei­hoch­schu­le "Karl Marx" über­tra­gen wur­de, so muss er sich die­se Ren­te auf sei­ne Ver­sor­gungs­be­zü­ge anrech­nen las­sen.

Beson­de­re per­sön­li­che Nähe zur DDR – und die Ruhe­stands­be­zü­ge

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall war der 1945 gebo­re­ne Beam­te seit 1973 in der Zen­tra­len Staat­li­che Preis­kon­trol­le für Inves­ti­tio­nen (ZSPI) des Amtes für Prei­se, einem Organ des Minis­ter­rats der DDR, tätig. Nach eini­gen Jah­ren als per­sön­li­cher Mit­ar­bei­ter beim Staats­se­kre­tär des Amtes für Prei­se und einem drei­jäh­ri­gen Stu­di­um der Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten an der SED-Par­tei­hoch­schu­le "Karl Marx" beim Zen­tral­ko­mi­tee der SED, das er mit dem Diplom abschloss, wur­de er 1982 zum Stell­ver­tre­ter des Lei­ters der ZSPI ernannt.1990 wech­sel­te er zum Rech­nungs­hof der DDR und wur­de nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung vom Bun­des­rech­nungs­hof zunächst als Ange­stell­ter und schließ­lich 1994 als Beam­ter über­nom­men. Zuletzt beklei­de­te er das Amt eines Lei­ten­den Regie­rungs­di­rek­tors.

Hür sei­ne Tätig­keit in der DDR erhält er eine gesetz­li­che Ren­te von rd. 800 €. Die­sen Betrag brach­te der Dienst­herr bei der Berech­nung sei­ner Ver­sor­gungs­be­zü­ge in Abzug. Nach der Berech­nung der Ver­sor­gungs­be­hör­de lag der Höchst­wert für die addier­ten Ren­ten- und Ver­sor­gungs­be­zü­ge bei 2 250 €.

Der gegen die­sen Abzug gerich­te­ten Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin teil­wei­se statt­ge­ge­ben 1. Sowohl der Beam­te wie auch der Bund haben hier­ge­gen die vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin zuge­las­se­ne Sprung­re­vi­si­on ein­ge­legt. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dar­auf­hin der Revi­si­on des Bun­des statt­ge­ge­ben und die Kla­ge ins­ge­samt abge­wie­sen:

Gemäß § 12a Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz und § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz sind Zei­ten für eine Tätig­keit nicht ruhe­ge­halt­fä­hig, die auf­grund einer beson­de­ren per­sön­li­chen Nähe zum Sys­tem der DDR über­tra­gen war. Dies wird u.a. bei einem Absol­ven­ten der Aka­de­mie für Staat und Recht oder einer ver­gleich­ba­ren Bil­dungs­ein­rich­tung der DDR wider­leg­bar ver­mu­tet. Bei der Par­tei­hoch­schu­le "Karl Marx", die unmit­tel­bar dem Zen­tral­ko­mi­tee der SED unter­stand, han­delt es sich um eine sol­che Ein­rich­tung. Sie stell­te die höchs­te Bil­dungs­ein­rich­tung der SED dar und dien­te der "Kader­aus­le­se". Es soll­ten "zuver­läs­si­ge, dis­zi­pli­nier­te und mar­xis­tisch geschul­te Funk­tio­nä­re" auf­ge­baut wer­den.

Dem Beam­ten ist es im vor­lie­gen­den Fall nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht gelun­gen, die gesetz­li­che Ver­mu­tung zu wider­le­gen. Allein sein Vor­brin­gen, er sei auf­grund sei­ner fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on aus­ge­wählt wor­den, genügt nicht.

Nach dem Gesetz wer­den auch Zei­ten vor dem Besuch der Par­tei­hoch­schu­le von dem Aus­schluss erfasst. Da die Berech­nung der ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Dienst­zeit bereits mit dem voll­ende­ten sieb­zehn­ten Lebens­jahr beginnt, reicht auch der Aus­schluss so weit zurück.

Die­se Rege­lung ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch ver­fas­sungs­ge­mäß. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat dem Gesetz­ge­ber zur Bewäl­ti­gung der Fol­gen der Deut­schen Ein­heit, nament­lich zur hier in Rede ste­hen­den Vor­schrift des § 30 BBesG, eine beson­ders wei­te Typi­sie­rungs­be­fug­nis ein­ge­räumt. In die­sem Rah­men durf­te er auch typi­sie­rend anneh­men, dass sich die für die Über­tra­gung einer Tätig­keit mit beson­de­rer Sys­tem­nä­he erfor­der­li­che poli­tisch-ideo­lo­gi­sche Grund­ein­stel­lung bereits in Zei­ten vor die­ser Über­tra­gung her­aus­ge­bil­det hat. Auch vor dem Hin­ter­grund der Ver­pflich­tung zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on ist die gesetz­li­che Rege­lung nicht zu bean­stan­den, weil jedem Ruhe­stands­be­am­ten nach dem Gesetz zumin­dest die Min­dest­ver­sor­gung ver­bleibt. Im kon­kre­ten Fall lie­gen die Gesamt­be­zü­ge des Klä­gers sogar etwas höher.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 2. Febru­ar 2017 – 2 C 252015 -

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 30.09.2015 – 28 K 253.11[]