Beur­tei­lungs­zeit­räu­me – und ihre nach­träg­li­che Auf­tei­lung

Die nach­träg­li­che Auf­tei­lung von Beur­tei­lungs­zeit­räu­men ist – auch auf den Antrag des betrof­fe­nen Sol­da­ten – unzu­läs­sig.

Beur­tei­lungs­zeit­räu­me – und ihre nach­träg­li­che Auf­tei­lung

Nach § 2 Abs. 1 Satz 2 SLV in Ver­bin­dung mit Nr. 406 ZDv 20/​6 beginnt der Beur­tei­lungs­zeit­raum mit dem Zeit­punkt der Unter­zeich­nung der vor­he­ri­gen plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lung durch den zustän­di­gen Vor­ge­setz­ten; er endet mit der Unter­schrift des beur­tei­len­den Vor­ge­setz­ten in der anste­hen­den Beur­tei­lung. Die ange­streb­te "Auf­tei­lung", also den Abschluss eines ers­ten Beur­tei­lungs­zeit­raums etwa zwei Jah­re nach sei­ner vor­he­ri­gen Beur­tei­lung vom 08.01.2004, hät­te der Antrag­stel­ler nur dadurch errei­chen kön­nen, dass er – zwei Jah­re nach die­ser plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lung zum Stich­tag 31.03.2004 – nach Ablauf des Vor­la­ge­ter­mins 31.03.2006 gegen das dama­li­ge Unter­blei­ben einer plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lung zu die­sem Ter­min ein Beschwer­de­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hät­te. Dar­auf hat der Antrag­stel­ler indes­sen ver­zich­tet. Im Übri­gen hat er den Bescheid des Per­so­nal­amts der Bun­des­wehr vom 15.05.2009, mit dem sein Antrag auf Aner­ken­nung der Son­der­be­ur­tei­lung vom 17.10.2006 als Ersatz einer plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lung abge­lehnt wor­den ist, nicht mit der Beschwer­de ange­foch­ten.

Dass die Dau­er des indi­vi­du­el­len Beur­tei­lungs­zeit­raums von hier mehr als vier Jah­ren recht­lich nicht zu bean­stan­den ist, hat das Trup­pen­dienst­ge­richt Nord bereits in dem Beschluss vom 14.11.2011 aus­ge­spro­chen. Damit steht zugleich rechts­kräf­tig und mit Bin­dungs­wir­kung für das gesam­te, auf den Stich­tag des 31.03.2008 bezo­ge­ne Beur­tei­lungs­ver­fah­ren des Antrag­stel­lers fest, dass der Beur­tei­lungs­zeit­raum unun­ter­bro­chen vom 08.01.2004 bis zur Unter­zeich­nung der plan­mä­ßi­gen Beur­tei­lung 2008 andau­ert. Das Beur­tei­lungs­ver­fah­ren wird nach Nr. 912 ZDv 20/​6 mit der Abga­be der letz­ten Stel­lung­nah­me eines stel­lung­neh­men­den Vor­ge­setz­ten abge­schlos­sen. Auch die­ser Vor­ge­setz­te war des­halb an den Aus­spruch des Trup­pen­dienst­ge­richts Nord gebun­den.

Soweit der Antrag­stel­ler – wie er in der wei­te­ren Beschwer­de vom 02.04.2014 aus­drück­lich for­mu­liert hat – die Beur­tei­lungs­be­stim­mung über das vier­jäh­ri­ge Beur­tei­lungs­in­ter­vall in Nr.203 ZDv 20/​6 in der geän­der­ten Fas­sung von 2003 "selbst", also iso­liert, anficht, ist der Antrag unzu­läs­sig.

Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Rege­lun­gen über die Beur­tei­lungs­stich­ta­ge, über das Unter­blei­ben plan­mä­ßi­ger Beur­tei­lun­gen und über die Beur­tei­lungs­in­ter­val­le in der ZDv 20/​6 nicht als anfecht­ba­re trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­men im Sin­ne des § 17 Abs. 1 und 3 WBO zu qua­li­fi­zie­ren sind. Adres­sa­ten die­ser Rege­lun­gen sind nicht unmit­tel­bar die (beur­teil­ten oder zu beur­tei­len­den) Sol­da­ten, son­dern der zur Beur­tei­lung des Sol­da­ten ver­pflich­te­te zustän­di­ge Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te, der nächst­hö­he­re Vor­ge­setz­te und gege­be­nen­falls wei­te­re höhe­re Vor­ge­setz­te sowie die per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­len der Bun­des­wehr. Nur wenn in Umset­zung der vor­be­zeich­ne­ten Bestim­mun­gen von die­sen zustän­di­gen Vor­ge­setz­ten eine plan­mä­ßi­ge Beur­tei­lung erstellt oder gege­be­nen­falls zu dem vom betrof­fe­nen Sol­da­ten gewünsch­ten Stich­tag unter­las­sen wird, kann der betrof­fe­ne Sol­dat gegen die­se kon­kre­te Maß­nah­me bzw. Unter­las­sung mit den Rechts­be­hel­fen nach der Wehr­be­schwer­de­ord­nung vor­ge­hen. Des­halb kommt die vom Antrag­stel­ler in der wei­te­ren Beschwer­de offen­bar ange­streb­te, unmit­tel­ba­re und iso­lier­te wehr­dienst­ge­richt­li­che Über­prü­fung der Vor­schrift über die Beur­tei­lungs­in­ter­val­le für Haupt­leu­te bzw. Kapi­tän­leut­nan­te des mili­tär­fach­li­chen Diens­tes in Nr.203 ZDv 20/​6 in der Fas­sung von 2003 – gleich­sam im Sin­ne einer "abs­trak­ten Nor­men­kon­trol­le" – nicht in Betracht. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits in dem Wehr­be­schwer­de­ver­fah­ren des Antrag­stel­lers BVerwG 1 WB 9.11 im Beschluss vom 22.03.2011 aus­ge­spro­chen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. April 2015 – 1 WB 42.2014 -

  1. in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des Art. 1 der Ver­ord­nung vom 23.09.2009, BGBl I S. 3128[]