Bun­des­wehr – und die Behin­de­rung des Per­so­nal­rats in sei­nen Betei­li­gungs­rech­ten

Beruft sich der bei einer Dienst­stel­le der Bun­des­wehr gebil­de­te Per­so­nal­rat auf eine Behin­de­rung in sei­nen Betei­li­gungs­rech­ten in Ange­le­gen­hei­ten, die nur die Sol­da­ten betref­fen, so ist gemäß § 63 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3, § 17 SBG, § 17 Abs. 1 Satz 1 WBO – abwei­chend von § 59 Satz 1 SBG, § 83 Abs. 1 Nr. 3 BPers­VG – der Rechts­weg zu den Wehr­dienst­ge­rich­ten gege­ben 1.

Bun­des­wehr – und die Behin­de­rung des Per­so­nal­rats in sei­nen Betei­li­gungs­rech­ten

Dies ist der Fall, wenn der Per­so­nal­rat gel­tend macht, in sei­nen Betei­li­gungs­rech­ten aus §§ 21 und 24 SBG ver­letzt zu sein.

Der Per­so­nal­rat ist antrags­be­fugt. Der Per­so­nal­rat als Gesamt­gre­mi­um kann auch in Ange­le­gen­hei­ten, die aus­schließ­lich Sol­da­ten betref­fen, deren Rech­te im gericht­li­chen Antrags­ver­fah­ren gel­tend machen 2.

Ange­le­gen­hei­ten, die allein die Grup­pe der Sol­da­ten betref­fen, wer­den zwar mate­ri­ell nach dem Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­ge­setz, for­mell aber nach § 38 Abs. 2, § 32 Abs. 3 BPers­VG behan­delt. Dem­entspre­chend macht der Per­so­nal­rat auch dann eine Ver­let­zung eige­ner Betei­li­gungs­rech­te gel­tend, wenn es um Grup­pen­an­ge­le­gen­hei­ten der Sol­da­ten geht, über die nach vor­he­ri­ger gemein­sa­mer Bera­tung im Per­so­nal­rat nur die Ange­hö­ri­gen der Grup­pe abstim­men (§ 60 Abs. 3 Satz 3 SBG i.V.m. § 38 Abs. 2 BPers­VG). Hier­an hat auch die Neu­fas­sung von § 63 Abs. 3 SBG nichts geän­dert 3.

Im hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wur­de der Antrag wirk­sam als Untä­tig­keits­an­trag gestellt. Da das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung über die Beschwer­de nicht inner­halb eines Monats ent­schie­den hat und eine wei­te­re Beschwer­de gegen Beschwer­de­ent­schei­dun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung nicht statt­haft ist, konn­te der Per­so­nal­rat gemäß § 21 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 Satz 2 WBO unmit­tel­bar die gericht­li­che Ent­schei­dung bean­tra­gen. Mit dem Über­gang der Befug­nis zur Sach­ent­schei­dung auf das Gericht war das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung zwar nicht gehin­dert, noch eine Beschwer­de­ent­schei­dung zu tref­fen; der Beschwer­de­be­scheid konn­te und muss­te jedoch vom Per­so­nal­rat nicht mehr selbst­stän­dig ange­foch­ten wer­den 4.

Aller­dings hat sich das Rechts­schutz­be­geh­ren des Per­so­nal­rats, soweit es ursprüng­lich auf Wie­der­auf­nah­me und Fort­set­zung des Betei­li­gungs­ver­fah­rens gerich­tet war, spä­tes­tens mit Ein­tritt der Bestands­kraft der Per­so­nal­maß­nah­me (hier: Ent­las­sung des Stabs­ge­frei­ten gemäß § 55 Abs. 5 SG), die den Gegen­stand der strit­ti­gen Anhö­rung bil­de­te, erle­digt. Der Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung ist des­halb sach­ge­recht als Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag (§ 21 Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 19 Abs. 1 Satz 3 WBO), gerich­tet auf die Fest­stel­lung, dass die Durch­füh­rung des gegen­ständ­li­chen Betei­li­gungs­ver­fah­rens rechts­wid­rig war, aus­zu­le­gen und als sol­cher zuläs­sig.

Der Per­so­nal­rat hat ins­be­son­de­re auch ein berech­tig­tes Inter­es­se an der gericht­li­chen Über­prü­fung und der begehr­ten Fest­stel­lung 5. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ergibt sich einer­seits dar­aus, dass die Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten des Per­so­nal­rats nicht dadurch ver­kürzt wer­den dür­fen, dass die per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le mit dem Erlass und Voll­zug einer Per­so­nal­maß­nah­me voll­ende­te Tat­sa­chen schafft oder dass die Durch­setz­bar­keit von Betei­li­gungs­rech­ten letzt­lich davon abhängt, dass der von der Per­so­nal­maß­nah­me betrof­fe­ne Sol­dat durch eige­ne Rechts­be­hel­fe das Ver­fah­ren offen hält. Zum ande­ren ist Zweck des Beschwer­de­ver­fah­rens nach § 17 SBG gera­de auch die Klä­rung von ver­tre­tungs­recht­li­chen Zustän­dig­kei­ten, Befug­nis­sen und Pflich­ten (vgl. zu § 16 SBG a.F. BVerwG, Beschluss vom 24.05.2011 – 1 WB 60.10, Buch­holz 449.7 § 23 SBG Nr. 8 Rn. 26 m.w.N. und zu § 17 SBG BVerwG, Beschluss vom 30.10.2018 – 1 WB 25.17 28). Daher ist ein auf die Vor­aus­set­zun­gen einer Vor­schrift, ihre Aus­le­gung und Anwen­dung gerich­te­ter Fest­stel­lungs­an­trag in einem gericht­li­chen Antrags­ver­fah­ren über Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­rech­te regel­mä­ßig die vor­ran­gig gege­be­ne Antrags­art. Aller­dings ist eine vom Ein­zel­fall los­ge­lös­te all­ge­mei­ne Nach­prü­fung oder die Klä­rung aka­de­mi­scher Rechts­fra­gen der Wehr­be­schwer­de­ord­nung fremd 6. Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­recht­li­che Antrags­ver­fah­ren sind des­halb nur zuläs­sig, wenn ent­we­der ein kon­kre­tes, bereits anhän­gi­ges Betei­li­gungs­ver­fah­ren den Anlass setzt bzw. im Fal­le eines Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trags gesetzt hat oder wenn ein all­ge­mei­ner Fest­stel­lungs­an­trag pro­zess­öko­no­misch eine Vor­ab­klä­rung von Streit­fra­gen einer Viel­zahl bereits im Ver­wal­tungs- oder Beschwer­de­ver­fah­ren befind­li­cher, kon­kre­ter gleich­ge­la­ger­ter Betei­li­gungs­ver­fah­ren ermög­licht.

Ein sol­ches kon­kre­tes Anlass­ver­fah­ren ist hier gege­ben. Auch ist das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren – über den Ein­zel­fall hin­aus – geeig­net, die recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine Erör­te­rung im Sin­ne von § 21 Satz 3 SBG und an das Ein­be­zie­hen des Ergeb­nis­ses der Anhö­rung in die Per­so­nal­ent­schei­dung im Sin­ne des § 24 Abs. 3 Satz 2 SBG (wei­ter) zu klä­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 30. August 2019 – 1 WB 27.18

  1. BVerwG, Beschluss vom 30.10.2018 – 1 WB 25.17 25[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.06.2014 – 1 WB 29.13, Buch­holz 449.7 § 20 SBG Nr. 5 Rn.20 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 24.07.2019 – 1 WB 17.18 18[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.06.1978 – 1 WB 10.77, BVerw­GE 63, 84, LS 3 und 87[]
  5. vgl. zum Fol­gen­den BVerwG, Beschluss vom 30.10.2018 – 1 WB 25.17 28[]
  6. vgl. zuletzt BVerwG, Beschlüs­se vom 14.06.2019 – 1 WB 10.18 21; und vom 24.07.2019 – 1 WB 17.18, Rn.20[]