Cha­rak­ter­män­gel eines Poli­zei­be­am­ten

Ein Poli­zei­be­am­ter, der sich über meh­re­re Jah­re hin­weg im pri­va­ten Bereich kin­der­por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al ver­schafft und das ihm zur Ver­fü­gung gestell­te Dienst­kraft­fahr­zeug zu pri­va­ten Zwe­cken genutzt hat, offen­bart einen sol­chen Cha­rak­ter­man­gel, der von Pflicht­ver­ges­sen­heit zeugt und der die Ver­hän­gung der dis­zi­pli­na­ren Höchst­maß­nah­me, bei einem Beam­ten im Ruhe­stand die Aberken­nung des Ruhe­ge­hal­tes, recht­fer­tigt.

Cha­rak­ter­män­gel eines Poli­zei­be­am­ten

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Poli­zei­be­am­ten, der 2010 wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den vor­zei­ti­gen Ruhe­stand ver­setzt wor­den ist.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts sei es erwie­sen, dass der Beam­te sich des Ver­schaf­fens und Besit­zes kin­der­por­no­gra­phi­scher Datei­en schul­dig gemacht hat, indem er seit 2005 in über 20 Fäl­len über das Inter­net in sei­ner Woh­nung Video­fil­me mit kin­der­por­no­gra­phi­schem Inhalt auf sei­nem Com­pu­ter gespei­chert hat. Damit habe der Beam­te sich ach­tungs- und ver­trau­ensun­wür­dig ver­hal­ten und das Anse­hen der Poli­zei geschä­digt. Von einem Poli­zei­be­am­tem müs­se erwar­tet wer­den, dass er sich in die­sem Bereich auch außer­halb des Diens­tes in jeder Hin­sicht geset­zes­treu ver­hal­te. Einem Poli­zei­be­am­ten, der sich im pri­va­ten Bereich kin­der­por­no­gra­phi­sches Mate­ri­al ver­schaf­fe, kön­ne kein Ver­trau­en mehr ent­ge­gen­ge­bracht wer­den. Im kon­kre­ten Fal­le wie­ge der fest­ge­stell­te Ver­stoß beson­ders schwer, da der Beam­te sich kon­ti­nu­ier­lich über meh­re­re Jah­re Datei­en mit schwe­rem und damit beson­ders ver­werf­li­chem sexu­el­lem Miss­brauch an Kleinst­kin­dern beschafft habe; dies selbst nach­dem er bereits in das Visier dis­zi­pli­nar- und straf­recht­li­cher Ermitt­lun­gen gera­ten war. Dar­über hin­aus habe der beklag­te Poli­zei­be­am­te über Jah­re hin­weg das ihm zur Ver­fü­gung gestell­te Dienst­kraft­fahr­zeug zu pri­va­ten Zwe­cken genutzt, sodass ins­ge­samt ein Cha­rak­ter­man­gel offen­bar wer­de, der von Pflicht­ver­ges­sen­heit zeu­ge und der die Ver­hän­gung der dis­zi­pli­na­ren Höchst­maß­nah­me, bei einem Beam­ten im Ruhe­stand die Aberken­nung des Ruhe­ge­hal­tes, recht­fer­ti­ge.

Der sei­tens des Lan­des erho­be­ne wei­te­re Vor­wurf, der Beam­te habe als „The­ra­peut“, „Hei­ler“ bzw. „Geist­hei­ler“ Kon­takt zu hil­fe­su­chen­den Frau­en geknüpft, denen er sich unter Aus­nut­zung des aus der vor­ge­ge­be­nen The­ra­peu­ten­ei­gen­schaft resul­tie­ren­den Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zu sexu­el­len Kon­tak­ten genä­hert habe, stel­le sich zwar als mora­lisch ver­werf­li­ches Vor­ge­hen dar, beschrän­ke sich jedoch auf die pri­va­te Lebens­füh­rung und errei­che als außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten nicht die Schwel­le zum Dienst­ver­ge­hen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 14. August 2012 – 3 K 195/​12.TR