Das Anfor­de­rungs­pro­fil in der Stel­len­aus­schrei­bung

Über die Ein­rich­tung und nähe­re Aus­ge­stal­tung von Dienst­pos­ten ent­schei­det der Dienst­herr inner­halb des von Ver­fas­sung und Par­la­ment vor­ge­ge­be­nen Rah­mens auf­grund der ihm zukom­men­den Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt nach sei­nen Bedürf­nis­sen.

Das Anfor­de­rungs­pro­fil in der Stel­len­aus­schrei­bung

Wie er sei­ne Stel­len zuschnei­det, wel­che Zustän­dig­kei­ten er die­sen zuweist und wel­che Fach­kennt­nis­se er zur Erfül­lung der dar­aus im Ein­zel­nen resul­tie­ren­den Auf­ga­ben für erfor­der­lich ansieht, fällt in sein Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen, das gericht­lich nur auf sach­frem­de Erwä­gun­gen über­prüf­bar ist [1].

Die Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt des Dienst­herrn ist aber beschränkt und an die Aus­wahl­grund­sät­ze des Art. 33 Abs. 2 GG gebun­den, wenn – wie hier – mit der Dienst­pos­ten­über­tra­gung Vor­wir­kun­gen auf die spä­te­re Ver­ga­be eines Sta­tusamts ver­bun­den sind. In die­sen Vor­wir­kungs­fäl­len sind auch die Vor­ga­ben des Anfor­de­rungs­pro­fils für die Dienst­pos­ten­ver­ga­be den Maß­stä­ben aus Art. 33 Abs. 2 GG unter­wor­fen, weil mit der Über­tra­gung des Dienst­pos­tens die Zusam­men­set­zung des Bewer­ber­felds für nach­fol­gen­de Beför­de­rungs­ver­fah­ren ein­ge­engt und ggf. gesteu­ert wird [2].

Sta­tus­re­le­van­te Aus­wahl­ent­schei­dun­gen sind grund­sätz­lich anhand aktu­el­ler dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen vor­zu­neh­men, die auf das Sta­tus­amt bezo­gen sind und eine Aus­sa­ge dazu tref­fen, ob und in wel­chem Maße der Beam­te den Anfor­de­run­gen sei­nes Amts und des­sen Lauf­bahn gewach­sen ist. Eine Ein­engung des Bewer­ber­felds anhand der Anfor­de­run­gen eines bestimm­ten Dienst­pos­tens ist hier­mit grund­sätz­lich nicht ver­ein­bar. Ande­res gilt nur dann, wenn die Wahr­neh­mung der Auf­ga­ben eines Dienst­pos­tens zwin­gend beson­de­re Kennt­nis­se oder Fähig­kei­ten vor­aus­setzt, die ein Lauf­bahn­be­wer­ber regel­mä­ßig nicht mit­bringt und sich in ange­mes­se­ner Zeit und ohne unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auch nicht ver­schaf­fen kann [3].

Die­sen Anfor­de­run­gen genügt das Anfor­de­rungs­pro­fil auch dann, wenn es sich bei den nicht in ange­mes­se­ner Zeit nach­er­werb­ba­ren zusätz­li­chen Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en um Anfor­de­run­gen han­delt, die erst bei Leis­tungs­gleich­stand der Bewer­ber, d.h. bei dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen mit glei­cher Gesamt­no­te und ohne erkenn­ba­ren Leis­tungs­vor­sprung bei den Ein­zel­be­wer­tun­gen, rele­vant wer­den [4]. Die­se nicht in ange­mes­se­ner Zeit nach­er­werb­ba­ren zusätz­li­chen Anfor­de­rungs­kri­te­ri­en – im vor­lie­gen­den Fall etwa Erfah­run­gen im Hoch­schul­be­reich und in der Erwach­se­nen­bil­dung – haben danach nur Hilfs­funk­ti­on. Sie haben kei­nen „kon­sti­tu­ti­ven“ Cha­rak­ter.

Die Aus­wahl­ent­schei­dung des Dienst­herrn zur Ver­ga­be des för­der­li­chen Dienst­pos­tens ist im Übri­gen nur recht­mä­ßig, wenn sie auf einer zutref­fen­den Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht.

Nach Art. 33 Abs. 2 GG hat jeder Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zugang zu jedem öffent­li­chen Amt. Der in der Ver­fas­sung selbst vor­ge­ge­be­ne Maß­stab gilt danach unbe­schränkt und vor­be­halt­los. Sta­tus­äm­ter dür­fen nur nach Kri­te­ri­en ver­ge­ben wer­den, die unmit­tel­bar Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­che Leis­tung betref­fen. Der Grund­satz der Bes­ten­aus­wahl dient zwar pri­mär dem öffent­li­chen Inter­es­se an der best­mög­li­chen Beset­zung der Stel­len des öffent­li­chen Diens­tes; er ver­mit­telt den Bewer­bern aber zugleich ein grund­rechts­glei­ches Recht auf ermes­sens- und beur­tei­lungs­feh­ler­freie Ein­be­zie­hung in die Bewer­ber­aus­wahl (Bewer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch) [5].

Wie die ein­zel­nen Aus­wahl­kri­te­ri­en zu gewich­ten sind, gibt Art. 33 Abs. 2 GG nicht vor. Auch das Bun­des­be­am­ten­ge­setz ent­hält hier­zu kei­ne Rege­lung. § 9 Satz 1 BBG wie­der­holt nur die Aus­rich­tung an Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung und schließt eine Berück­sich­ti­gung von Geschlecht, Abstam­mung, Ras­se oder eth­ni­scher Her­kunft, Behin­de­rung, Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung, poli­ti­schen Anschau­un­gen, Her­kunft, Bezie­hun­gen oder sexu­el­ler Iden­ti­tät aus­drück­lich aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Janu­ar 2020 – 2 VR 2.19

  1. BVerwG, Urteil vom 16.10.2008 – 2 A 9.07, BVerw­GE 132, 110 Rn. 54[]
  2. BVerfG, Kam­mer­be­schlüs­se vom 20.09.2007 – 2 BvR 1972/​07BVerfGK 12, 184, 187; und vom 08.10.2007 – 2 BvR 1846/​07 u.a. – BVerfGK 12, 284, 288; BVerwG, Beschluss vom 20.06.2013 – 2 VR 1.13, BVerw­GE 147, 20 Rn. 26 f.[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 20.06.2013 – 2 VR 1.13, BVerw­GE 147, 20 Rn. 18[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.12 2018 – 2 A 2.18, Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 2 GG Nr. 92 Rn. 15[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.09.2016 – 2 BvR 2453/​15BVerfG 143, 22 Rn. 18[]