Das Aus­zie­hen eines Poli­zis­ten

Die Zeit, die für das An- und Able­gen der Poli­zei­uni­form erfor­der­lich ist, ist nicht auf die Arbeits­zeit anzu­rech­nen. Mit die­sen ges­tern ver­kün­de­ten Urtei­len hob das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter zwei gegen­tei­li­ges Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter und des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen auf. Die Ver­wal­tungs­ge­rich­te hat­ten das An- und Aus­zie­hen der Uni­form als Arbeits­zeit ange­se­hen.

Das Aus­zie­hen eines Poli­zis­ten

Geklagt hat­te unter ande­rem ein Poli­zei­be­am­ter, der im Wach- und Wech­sel­dienst beim Poli­zei­prä­si­di­um Müns­ter ein­ge­setzt ist. Er ver­lang­te vom beklag­ten Land, die Zeit, die für das An- und Able­gen der Poli­zei­uni­form sowie der per­sön­lich zuge­wie­se­nen Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de vor Schicht­be­ginn bzw. nach Schich­ten­de erfor­der­lich ist, als Arbeits­zeit anzu­er­ken­nen. Dies lehn­te das beklag­te Land Nord­rhein-West­fa­len ab. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter gab der Kla­ge statt 1. Eben­so ent­schie­den hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen für meh­re­re beim Poli­zei­prä­si­di­um Aachen beschäf­tig­te Beam­te bezüg­lich der Poli­zei­uni­form. Die dage­gen gerich­te­ten Beru­fun­gen des beklag­ten Lan­des NRW hat­ten vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter nun teil­wei­se Erfolg:

Es sei eine Inter­es­sen­be­wer­tung erfor­der­lich, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, die sich am beam­ten­recht­li­chen Dienst- und Treue­ver­hält­nis zu ori­en­tie­ren habe und die dort bestehen­den Rück­sicht­nah­me­pflich­ten nicht ver­nach­läs­si­gen dür­fe. Die­se füh­re zu dem Ergeb­nis, dass nur die Zeit, die für das An- und Able­gen der per­sön­lich zuge­wie­se­nen Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de, nicht jedoch die Zeit, die für das An- und Able­gen der Poli­zei­uni­form erfor­der­lich sei, auf die Arbeits­zeit ange­rech­net wer­den müs­se. Wäh­rend das Mit­füh­ren der per­sön­lich zuge­wie­se­nen Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de allein in der Inter­es­sen­sphä­re des Dienst­herrn lie­ge und nur der Her­stel­lung der Ein­satz­be­reit­schaft die­ne, sei das An- und Able­gen der Poli­zei­uni­form auch der Inter­es­sen­sphä­re des Beam­ten zuzu­ord­nen. Er habe die Mög­lich­keit, die Uni­form bereits zu Hau­se anzu­zie­hen. Wenn er davon Gebrauch mache, erspa­re er sich das Anle­gen der ansons­ten übli­chen Zivil­be­klei­dung. Zie­he er die Uni­form – was eben­falls mög­lich sei – erst in der Dienst­stel­le an, so sei das sei­ne eige­ne Ent­schei­dung und der Arbeits­zeit nicht hin­zu­zu­rech­nen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 2. Dezem­ber 2010 – 6 A 1546/​10, 6 A 979/​09

  1. VG Müns­ter, Urteil vom 01.07.2010 – 4 K 1753/​08[]