Das Gruß­wort mit Stel­lung­nah­me zu all­ge­mein­po­li­ti­schen Fra­gen

Der Beam­te dient dem gan­zen Volk, nicht einer Par­tei; er hat sei­ne Auf­ga­ben unpar­tei­isch zu erfül­len. Ein Bür­ger­meis­ter, der in amt­li­cher Eigen­schaft ein Gruß­wort im Mit­tei­lungs­blatt der Ver­bands­ge­mein­de mit einer Stel­lung­nah­me zu bun­des- und lan­des­po­li­ti­schen The­men ver­öf­fent­licht, ver­stößt gegen die beam­ten­recht­li­che Kern­pflicht zu unpar­tei­ischer Amts­füh­rung und begeht ein Dienst­ver­ge­hen.

Das Gruß­wort mit Stel­lung­nah­me zu all­ge­mein­po­li­ti­schen Fra­gen

So das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Orts­bür­ger­meis­ters in der Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim, der gegen die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier, einen gegen ihn gewand­ten Ver­weis als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me als rech­tens anzu­se­hen, Beru­fung ein­le­gen woll­te. In dem Gruß­wort im Mit­tei­lungs­blatt äußer­te sich der Orts­bür­ger­meis­ter unter ande­rem zu bun­des- und lan­des­po­li­ti­schen Ange­le­gen­hei­ten, wobei er die Arbeit der Bun­des­re­gie­rung und einer dama­li­gen Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tä­rin lob­te, wäh­rend er auf das Han­deln der Oppo­si­ti­on im Bund und die Regie­rungs­po­li­tik im Land kri­tisch ein­ging. Nach­dem die Kom­mu­nal­auf­sicht gefor­dert hat­te, die Unzu­läs­sig­keit der Ver­öf­fent­li­chung im Mit­tei­lungs­blatt bekannt­zu­ge­ben, bean­trag­te er beim Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz die Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes, um eine sol­che Ver­öf­fent­li­chung zu ver­hin­dern. Der Antrag blieb ohne Erfolg 1. Im März 2012 erteil­te die Kreis­ver­wal­tung Bad Kreuz­nach dem Orts­bür­ger­meis­ter einen Ver­weis als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me. Sei­ne hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier ab. Nun hat er beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz den Antrag gestellt, die Beru­fung gegen die­ses Urteil zuzu­las­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz habe der Orts­bür­ger­meis­ter ein Dienst­ver­ge­hen began­gen, weil er schuld­haft die ihm als einem Ehren­be­am­ten (kom­mu­na­len Wahl­be­am­ten) oblie­gen­den Pflich­ten ver­letzt habe. Mit der Ver­öf­fent­li­chung des von ihm in amt­li­cher Eigen­schaft ver­fass­ten Gruß­wor­tes im Mit­tei­lungs­blatt der Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim habe er gegen die beam­ten­recht­li­che Kern­pflicht zu unpar­tei­ischer Amts­füh­rung ver­sto­ßen. Der Beam­te die­ne dem gan­zen Volk, nicht einer Par­tei; er habe sei­ne Auf­ga­ben unpar­tei­isch zu erfül­len. Ein "par­tei­er­grei­fen­des Ver­hal­ten" sei dem Beam­ten in einer amt­li­chen Tätig­keit unter­sagt. Das Gruß­wort des Orts­bür­ger­meis­ters sei eine amt­li­che Äuße­rung und nicht die Kund­ga­be einer pri­va­ten Mei­nung gewe­sen. Er habe sich in die­sem Gruß­wort par­tei­er­grei­fend geäu­ßert, indem er die Arbeit der Bun­des­re­gie­rung und einer dama­li­gen Par­la­men­ta­ri­schen Staats­se­kre­tä­rin gelobt sowie das Han­deln der Oppo­si­ti­on im Bund und die Regie­rungs­po­li­tik im Land nega­tiv qua­li­fi­ziert habe. Außer­dem habe er mit sei­nen Äuße­run­gen zu bun­des- und lan­des­po­li­ti­schen Ange­le­gen­hei­ten die Gren­zen der gemeind­li­chen Ver­bands­kom­pe­tenz nicht beach­tet, die auch für die gemeind­li­che Öffent­lich­keits­ar­beit und Hand­lun­gen von Gemein­de­or­ga­nen wie Gruß­wor­te gel­te. Die Ver­bands­kom­pe­tenz der Gemein­den erstre­cke sich nur auf Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft. All­ge­mein­po­li­ti­sche Fra­gen, ohne spe­zi­fi­schen Bezug zur ört­li­chen Gemein­schaft, gehör­ten hier­zu nicht. Die Kreis­ver­wal­tung habe den Orts­bür­ger­meis­ter auch bereits im Jahr zuvor wegen eines von ihm im Dezem­ber 2008 im Mit­tei­lungs­blatt der Ver­bands­ge­mein­de ver­öf­fent­lich­ten Gruß­wor­tes dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die "par­tei­po­li­tisch gepräg­ten" Aus­sa­gen und die Äuße­run­gen zur Bun­des- und Lan­des­po­li­tik den objek­ti­ven Tat­be­stand eines Dienst­ver­ge­hens dar­stell­ten, und ihn auf­ge­for­dert, bei künf­ti­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen die ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen ein­zu­hal­ten. Die­sen ein­deu­ti­gen Hin­weis habe er bewusst miss­ach­tet.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat den Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung abge­lehnt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 4. März 2013 – 3 A 10105/​13.OVG

  1. VG Koblenz, Beschluss vom 27.01.2011 – 1 L 56/​11.KO[]