Das klei­ne Tat­too der ange­hen­den Jus­tiz­haupt­wach­meis­te­rin

Ein klei­nes Tat­too hin­dert nicht die Aus­bil­dung zur Jus­tiz­haupt­wacht­meis­te­rin. Die Bewer­bung zur Aus­bil­dung als Jus­tiz­haupt­wacht­meis­te­rin im Land Ber­lin darf nicht wegen einer klei­nen Täto­wie­rung am Hand­ge­lenk abge­lehnt wer­den.

Das klei­ne Tat­too der ange­hen­den Jus­tiz­haupt­wach­meis­te­rin

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall bewarb sich die Antrag­stel­le­rin um die Ein­stel­lung als Jus­tiz­haupt­wacht­meis­ter­an­wär­te­rin. Die Prä­si­den­tin des Ver­wal­tungs­ge­richt­ge­richts lehn­te ihre Bewer­bung mit der Begrün­dung ab, dass ihre 5 X 3 cm gro­ße Täto­wie­rung beim Tra­gen der Dienst­klei­dung sicht­bar sei. Die­se befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nähe zum Hand­ge­lenk und wäre beim Heben des Arms trotz Tra­gens eines Lang­arm­hem­des zu sehen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ver­pflich­te­te nun die Behör­de, über die Bewer­bung unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts unver­züg­lich erneut zu ent­schei­den. Die Täto­wie­rung wecke kei­ne Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung der Bewer­be­rin. Zwar dür­fe der Dienst­herr Anfor­de­run­gen an das äuße­re Erschei­nungs­bild von Beam­ten stel­len; ein Ver­bot sicht­ba­rer Täto­wie­run­gen dür­fe sich aber nur auf plau­si­ble und nach­voll­zieh­ba­re Grün­de stüt­zen und müs­se aus dienst­li­chen Grün­den erfor­der­lich sein. Dies sei hier nicht der Fall. Täto­wie­run­gen sei­en mitt­ler­wei­le als Mode­er­schei­nung in allen Gesell­schafts­schich­ten ver­brei­tet und wür­den nicht mehr bereits per se als Aus­druck einer bestimm­ten gesell­schaft­li­chen Hal­tung oder Ein­stel­lung ange­se­hen. Die einen heu­len­den Wolf dar­stel­len­de voll­flä­chi­ge Täto­wie­rung am inne­ren rech­ten Unter­arm in Nähe der Hand­wur­zel las­se ihrer Gestal­tung nach nicht die Besorg­nis gerecht­fer­tigt erschei­nen, der Antrag­stel­le­rin kön­ne bei der Dienst­aus­übung als Jus­tiz­wacht­meis­te­rin nicht das erfor­der­li­che Ver­trau­en bzw. der erfor­der­li­che Respekt ent­ge­gen­ge­bracht wer­den. Die Täto­wie­rung sei klein und der Wolf wer­de nicht als aggres­si­ves oder gefähr­li­ches Tier dar­ge­stellt. Das Tier sei auch – unab­hän­gig von der Art sei­ner Dar­stel­lung – kein Sym­bol der rechts­ex­tre­men Sze­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 22. April 2015 – VG 36 L 832015