Das nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­ment – und die Bei­hil­fe

Für ein nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ges Me­di­ka­ment ist die Gewäh­rung von Bei­hil­fe aus­ge­schlos­sen. Der grund­sätz­li­che Leis­tungs­aus­schluss für nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel in der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung (BBhV) ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht zu be­an­stan­den.

Das nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Medi­ka­ment – und die Bei­hil­fe

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te eine bei­hil­fe­be­rech­tig­te Beam­tin der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land geklagt, die als sol­che grund­sätz­lich für 50 % ihrer krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen Bei­hil­fe erhält. Im April 2013 erwarb sie das ihr ärzt­lich ver­ord­ne­te Nasen- und Rachen­spray Loca­bio­sol. Die von ihr hier­für bean­trag­te Bei­hil­fe lehn­te die beklag­te Bun­des­agen­tur für Arbeit unter Hin­weis auf den in der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung gere­gel­ten grund­sätz­li­chen Leis­tungs­aus­schluss für nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel (§ 22 Abs. 2 Nr. 3 BBhV) ab. Ein in der Aus­schluss­re­ge­lung nor­mier­ter Aus­nah­me­tat­be­stand sei nicht gege­ben.

Die nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge der Klä­ge­rin hat zunächst vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach Erfolg gehabt 1. Das Ver­wal­tungs­ge­richt befand, die Rege­lung der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung sei unwirk­sam. Auf die Beru­fung der Dienst­her­rin hat der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen das erst­in­stanz­li­che Urteil geän­dert und die Kla­ge abge­wie­sen 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin eben­falls zurück­ge­wie­sen:

Der grund­sätz­li­che Aus­schluss der Bei­hil­fe­fä­hig­keit von Auf­wen­dun­gen für nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel ist wirk­sam, befand das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Er steht ins­be­son­de­re mit der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn in Ein­klang. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen getrof­fen, dass dem Beam­ten infol­ge des Aus­schlus­ses der Bei­hil­fe­fä­hig­keit im Ein­zel­fall kei­ne Auf­wen­dun­gen ver­blei­ben, die sei­ne finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten erheb­lich über­stei­gen.

Dies ergibt sich für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jeden­falls aus einer Gesamt­schau ver­schie­de­ner Rege­lun­gen. So hat der Ver­ord­nungs­ge­ber bestimm­te Fall­grup­pen von dem Leis­tungs­aus­schluss aus­ge­nom­men. Dar­über hin­aus sind Auf­wen­dun­gen für ärzt­lich ver­ord­ne­te nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel als bei­hil­fe­fä­hig anzu­er­ken­nen, wenn sie eine an den jähr­li­chen Ein­nah­men des Beam­ten und den Kos­ten für das ein­zel­ne Medi­ka­ment aus­ge­rich­te­te Gren­ze über­schrei­ten. Schließ­lich kön­nen Auf­wen­dun­gen über­nom­men wer­den, wenn im Ein­zel­fall die Ableh­nung der Bei­hil­fe eine beson­de­re Här­te dar­stel­len wür­de.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Novem­ber 2017 – 5 C 6.16

  1. VG Ans­bach, Urteil vom 29.08.2014 – 14 BV 14.1943[]
  2. BayVGH, Urteil vom 12.02.2016 – 14 BV 14.1943[]