Decke­lung der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen

In der "Decke­lung" der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen für Behand­lun­gen in Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen nach § 7 Satz 4 BVO liegt zumin­dest nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg ein Ver­stoß gegen Art. 33 Abs. 5 GG i.Verb.m. Art. 3 Abs. 1 GG .

Decke­lung der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen begehr­te der bei­hil­fe­be­rech­tig­te Klä­ger wei­te­re Bei­hil­fe­leis­tun­gen für die Kos­ten medi­zi­ni­scher Heil­be­hand­lun­gen im Rah­men eines sta­tio­nä­ren Auf­ent­halts sei­ner Toch­ter in einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sind die dem Klä­ger ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen für die im Rah­men der sta­tio­nä­ren Behand­lung sei­ner schwer­be­hin­der­ten Toch­ter erbrach­ten Heil­be­hand­lun­gen sind in vol­ler Höhe bei­hil­fe­fä­hig. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Kla­ge danach im Ergeb­nis zu Recht statt­ge­ge­ben und das beklag­te Land zur Gewäh­rung einer wei­te­ren Bei­hil­fe ver­pflich­tet (Vgl. § 113 Abs. 5 Satz 1 VwGO).

Für die recht­li­che Beur­tei­lung bei­hil­fe­recht­li­cher Strei­tig­kei­ten ist grund­sätz­lich die Sach- und Rechts­la­ge zum Zeit­punkt des Ent­ste­hens der Auf­wen­dun­gen maß­geb­lich, für die Bei­hil­fe ver­langt wird 1. Ob und inwie­weit der Klä­ger für die sei­ner Toch­ter in Rech­nung gestell­ten Heil­be­hand­lun­gen die Gewäh­rung einer Bei­hil­fe bean­spru­chen kann, beur­teilt sich daher nach der Ver­ord­nung des Finanz­mi­nis­te­ri­ums über die Gewäh­rung von Bei­hil­fe in Geburts‑, Krankheits‑, Pfle­ge- und Todes­fäl­len vom 28.7.1995 (Bei­hil­fe­ver­ord­nung) in der ab dem 1.1.2009 gel­ten­den Fas­sung.

Die in Rede ste­hen­den Auf­wen­dun­gen bezie­hen sich auf Heil­be­hand­lun­gen i.S.v. § 6 Abs. 1 Nr. 3 BVO, die die Toch­ter des Klä­gers wäh­rend eines sta­tio­nä­ren Auf­ent­halts in dem „Kli­ni­kum … … …“ erhal­ten hat. Die­ses Kli­ni­kum ist unstrei­tig eine Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung im Sin­ne des § 7 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 5 BVO. Die Auf­wen­dun­gen für die sta­tio­nä­re Behand­lung in einer sol­chen Ein­rich­tung sind gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 2 BVO nach Maß­ga­be der fol­gen­den Absät­ze bei­hil­fe­fä­hig. Zu die­sen Maß­ga­ben gehö­ren die sich aus § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO erge­ben­den Ein­schrän­kun­gen. Nach der ab dem 1.1.2009 gel­ten­den Fas­sung die­ser Vor­schrift sind Ein­zel­ent­gel­te, Pau­schal­prei­se und Tages­sät­ze der Ein­rich­tun­gen, die Leis­tun­gen nach § 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 2 oder 3 BVO betref­fen, nur inso­weit bei­hil­fe­fä­hig, als sie einer Preis­ver­ein­ba­rung die­ser Ein­rich­tung mit einem Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger ent­spre­chen; die Bei­hil­fe­fä­hig­keit dar­über hin­aus­ge­hen­der Auf­wen­dun­gen nach § 7 Satz 2 Nr. 2 und 3 BVO ist aus­ge­schlos­sen.

Bei den the­ra­peu­ti­schen Anwen­dun­gen, die die Toch­ter des Klä­gers wäh­rend ihres Kli­nik­auf­ent­halts erhal­ten hat, han­delt es sich unstrei­tig um von Ärz­ten schrift­lich begrün­det ver­ord­ne­te Heil­be­hand­lun­gen im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 3 BVO und damit um Leis­tun­gen nach § 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 2 BVO. Die sie betref­fen­den Pau­schal­prei­se und Tages­sät­ze unter­lie­gen damit grund­sätz­lich den sich aus § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO erge­ben­den Ein­schrän­kun­gen.

Der Trä­ger des Kli­ni­kums hat mit den gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen gemäß § 111 Abs. 2 SGB V einen Ver­sor­gungs­ver­trag über die (sta­tio­nä­re) Durch­füh­rung der in Abs. 1 genann­ten Leis­tun­gen zur medi­zi­ni­schen Reha­bi­li­ta­ti­on geschlos­sen, zu denen nach § 40 Abs. 2 SGB V außer die­sen Leis­tun­gen selbst auch Unter­kunft und Ver­pfle­gung gehö­ren. Der in dem Ver­sor­gungs­ver­trag ver­ein­bar­te Tages­satz von 124,27 EUR EUR beinhal­tet dem­entspre­chend sämt­li­che Auf­wen­dun­gen für den Auf­ent­halt in der Kli­nik ein­schließ­lich der hier strei­ti­gen Anwen­dun­gen. Nach dem von dem Trä­ger der Kli­nik mit der Toch­ter des Klä­gers als soge­nann­ter Selbst­zah­le­rin geschlos­se­nen Ver­trag sind dage­gen mit dem – nied­ri­ge­ren – ver­ein­bar­ten Tages­satz von 105,– EUR nur Unter­kunft, Voll­ver­pfle­gung, pfle­ge­ri­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Leis­tun­gen abge­deckt. The­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen (Heil­be­hand­lun­gen) sind dage­gen geson­dert zu bezah­len und wur­den dem­entspre­chend geson­dert in Rech­nung gestellt.

Nach Ansicht des Beklag­ten folgt aus der Rege­lung des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO, dass – mit Aus­nah­me der ärzt­li­chen Leis­tun­gen, die unter § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 i.Verb.m. § 6 Abs. 1 Nr. 1 BVO fal­len – die gesam­ten Auf­wen­dun­gen, die im Rah­men einer sta­tio­nä­ren Behand­lung in einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung anfal­len, nur bis zur Höhe des für Sozi­al­ver­si­cher­te ver­ein­bar­ten Pau­schal­ta­ges­sat­zes der Ein­rich­tung bei­hil­fe­fä­hig sind. Dem­entspre­chend hat es in dem ange­foch­te­nen Bescheid eine ent­spre­chen­de „Decke­lung“ des als bei­hil­fe­fä­hig aner­kann­ten Betrags vor­ge­nom­men, sodass der Klä­ger bei einem Bei­hil­fe­be­mes­sungs­satz von 80% Kos­ten in Höhe von 1.051,22 EUR selbst tra­gen muss, die auch nicht von sei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung über­nom­men wer­den. Gegen das die­ser Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­de Ver­ständ­nis des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO bestehen kei­ne Beden­ken.

Die in § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO vor­ge­se­he­ne „Decke­lung“ der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen ver­stößt jedoch inso­weit gegen Art. 33 Abs. 5 GG i.Verb.m. Art. 3 Abs. 1 GG, als Leis­tun­gen für not­wen­di­ge und ange­mes­se­ne Heil­be­hand­lun­gen nach §§ 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 2, 6 Abs. 1 Nr. 3 BVO in erheb­li­chem Umfang nicht von der Bei­hil­fe über­nom­men wer­den.

Aus der hier anwend­ba­ren Neu­fas­sung des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO geht hin­rei­chend deut­lich her­vor, dass – mit Aus­nah­me der ärzt­li­chen Leis­tun­gen – Auf­wen­dun­gen, die im Rah­men einer sta­tio­nä­ren Behand­lung in einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung anfal­len, ins­ge­samt nur bis zur Höhe des für Sozi­al­ver­si­cher­te ver­ein­bar­ten Pau­schal­ta­ges­sat­zes der Ein­rich­tung bei­hil­fe­fä­hig sind. Anders als noch im Rah­men des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO a. F. 2, in dem aus­schließ­lich von Pau­schal­prei­sen und Tages­sät­zen die Rede war, lässt sich aus der Neu­fas­sung der Vor­schrift – die von nicht nur von Pau­schal­prei­sen und Tages­sät­zen, son­dern aus­drück­lich auch von Ein­zel­ent­gel­ten spricht – erse­hen, dass eine ent­spre­chen­de Begren­zung der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen gewollt ist.

Rege­lun­gen, die krank­heits­be­ding­te Auf­wen­dun­gen trotz ihrer Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit – bei­des ist hier unstrei­tig gege­ben – von der Bei­hil­fe­fä­hig­keit aus­neh­men, sind nicht nur an der von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn, son­dern auch am all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG zu mes­sen. Nach dem gegen­wär­ti­gen Bei­hil­fen­sys­tem wird die Bei­hil­fe als Hil­fe­leis­tung, die die Eigen­vor­sor­ge der Beam­ten ergänzt, unab­hän­gig von einer finan­zi­el­len Not­la­ge gewährt, um einen bestimm­ten Vom­hun­dert­satz der Kos­ten in Krankheits‑, Pflege‑, Geburts- und Todes­fäl­len zu erstat­ten. Nach dem bei­hil­fe­recht­li­chen Leis­tungs­pro­gramm sind grund­sätz­lich die­je­ni­gen Auf­wen­dun­gen bei­hil­fe­fä­hig, die durch einen kon­kre­ten Anlass ver­ur­sacht wer­den. So knüpft die Bei­hil­fe­fä­hig­keit in Krank­heits­fäl­len nicht an bestimm­te Behand­lun­gen oder Arz­nei­mit­tel an. Die­se Anlass­be­zo­gen­heit kommt in dem Grund­satz zum Aus­druck, dass in Krank­heits­fäl­len die Behand­lungs­kos­ten im Rah­men der Not­wen­dig­keit und der Ange­mes­sen­heit bei­hil­fe­fä­hig sind. Von die­ser im gegen­wär­ti­gen Bei­hil­fen­sys­tem ange­leg­ten Sach­ge­setz­lich­keit wird zu Las­ten der hier­von betrof­fe­nen Beam­ten abge­wi­chen, wenn krank­heits­be­ding­te Auf­wen­dun­gen trotz ihrer Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit von der Bei­hil­fe­ge­wäh­rung aus­ge­nom­men wer­den. Die Ver­ein­bar­keit eines der­ar­ti­gen Leis­tungs­aus­schlus­ses mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz gemäß Art. 3 Abs. 1 GG hängt davon ab, ob er durch einen zurei­chen­den Grund gerecht­fer­tigt ist 3.

Die Rege­lung des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO ver­stößt hier­von aus­ge­hend gegen den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG, da erheb­li­che krank­heits­be­ding­te Auf­wen­dun­gen trotz ihrer Not­wen­dig­keit und Ange­mes­sen­heit ohne einen zurei­chen­den Grund von der Bei­hil­fe­ge­wäh­rung aus­ge­schlos­sen wer­den.

Die Rege­lung des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO führt typi­scher­wei­se dazu, dass der Bei­hil­fe­be­rech­tig­te einen kei­nes­falls nur unwe­sent­li­chen Teil der Kos­ten einer not­wen­di­gen und ange­mes­se­nen Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lung selbst tra­gen muss, der sich nicht sel­ten im vier­stel­li­gen Bereich bewegt 4, wie dies auch hier der Fall ist. Dabei fällt beson­ders ins Gewicht, dass hier­zu gera­de die Auf­wen­dun­gen für Leis­tun­gen gehö­ren, die den eigent­li­chen Kern der Reha­bi­li­ta­ti­ons­be­hand­lung bil­den 5.

Zwar ori­en­tiert sich der pau­scha­lier­te Tages­satz der Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen übli­cher­wei­se an den gemäß § 111 Abs. 2 Satz 1 SGB V mit den Lan­des­ver­bän­den der Kran­ken­kas­sen und den Ersatz­kas­sen ver­ein­bar­ten Tages­sät­zen. Daher dürf­te eine die­ser all­ge­mein übli­chen Pra­xis ent­spre­chen­de „Decke­lung“ der ent­spre­chen­den Auf­wen­dun­gen in recht­li­cher Hin­sicht auch nicht zu bean­stan­den sein. Abwei­chend stellt sich dies jedoch im Hin­blick auf die Begren­zung der bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen für Heil­be­hand­lun­gen i.S. der §§ 7 Abs. 7 Satz 2 Nr. 2, 6 Abs. 1 Nr. 3 BVO dar. In der Pra­xis wer­den – anders als den gesetz­lich Ver­si­cher­ten – den soge­nann­ten Selbst­zah­lern, zu denen ins­be­son­de­re die Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten zäh­len, bestimm­te Leis­tun­gen wie Heil­be­hand­lun­gen und Arz­nei­mit­tel zusätz­lich geson­dert berech­net. Dies führt dazu, dass die­se einen erheb­li­chen Teil ihrer medi­zi­nisch not­wen­di­gen und ange­mes­se­nen Auf­wen­dun­gen selbst tra­gen müs­sen 6.

Die Vor­stel­lung des Ver­ord­nungs­ge­bers, der Bei­hil­fe­be­rech­tig­te müs­se sich auf eine sol­che Ver­trags­ge­stal­tung nicht ein­las­sen, son­dern habe die Mög­lich­keit, im Ver­hand­lungs­we­ge eine ande­re Rege­lung durch­zu­set­zen, hält der Senat für lebens­fremd. Dies zeigt sich ins­be­son­de­re auch dar­in, dass es dem Land selbst nicht gelun­gen ist, ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­run­gen mit den Ver­bän­den der betrof­fe­nen Ein­rich­tun­gen abzu­schlie­ßen 7. Wes­halb dies dem ein­zel­nen Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten gelin­gen soll­te, ist nicht ersicht­lich. Dabei ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass es für ein­zel­ne Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men oft nur weni­ge in Betracht kom­men­de spe­zia­li­sier­te Ein­rich­tun­gen gibt und sich die Betrof­fe­nen in einer gesund­heit­lich ange­spann­ten Situa­ti­on und damit in einer Art Not­la­ge befin­den, die ihre Ver­hand­lungs­po­si­ti­on wei­ter schwächt. Hin­zu kommt, dass dem Bei­hil­fe­be­rech­tig­ten bei Antritt der Behand­lung oft­mals noch nicht ein­mal bewusst sein muss, dass er erheb­li­che Auf­wen­dun­gen selbst tra­gen muss. Dies ver­deut­licht der vor­lie­gen­de Fall in exem­pla­ri­scher Wei­se. Der der Toch­ter des Klä­gers in Rech­nung gestell­te pau­scha­le Tages­satz liegt sogar noch ca. 20 EUR pro Tag unter dem mit den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern ver­ein­bar­ten Tages­satz. Erst durch die geson­dert in Rech­nung gestell­ten Heil­be­hand­lun­gen – deren kon­kre­ter Umfang bei Ver­trag­schluss oft nicht kon­kret abseh­bar ist – ist es hier zu einem Mehr­be­trag gekom­men, der deut­lich über dem nach Ansicht des Beklag­ten bei­hil­fe­fä­hi­gen Satz liegt.

Wei­ter ist zu beach­ten, dass es in Bezug auf Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen kei­ne aus­rei­chen­den Schutz­vor­schrif­ten zuguns­ten der Selbst­zah­ler gibt. Wäh­rend „gewöhn­li­che“ Kran­ken­häu­ser den Rege­lun­gen der Bun­dess­pfle­ge­satz­ver­ord­nung unter­wor­fen sind und die Abrech­nung ärzt­li­cher Leis­tun­gen durch die Vor­schrif­ten der GOÄ und der GOZ regle­men­tiert ist, fin­den sich kei­ne Rege­lun­gen, wel­che die Höhe des Gesamt­ent­gelts für den Auf­ent­halt in einer Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung wirk­sam begren­zen. Dies führt einer­seits dazu, dass der Trä­ger der Ein­rich­tung Ent­gel­te ver­lan­gen kann, die in ihrer Gesamt­heit über dem mit den Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern ver­ein­bar­ten Pau­schal­satz lie­gen, und ande­rer­seits ein erheb­li­cher Teil die­ser für den Beam­ten bei rea­li­täts­na­her Betrach­tung nicht ver­meid­ba­ren Auf­wen­dun­gen nicht als bei­hil­fe­fä­hig aner­kannt wird.

Die­ser Leis­tungs­aus­schlus­ses ist nicht durch einen zurei­chen­den Grund gedeckt, der die Abwei­chung von dem anlass­be­zo­ge­nen Leis­tungs­pro­gramm des gegen­wär­ti­gen Bei­hil­fe­sys­tems recht­fer­ti­gen könn­te 8. Die Beschrän­kung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit dient hier weder der Bekämp­fung einer Miss­brauchs­ge­fahr noch geht es dar­um, typi­scher­wei­se nicht not­wen­di­ge oder unan­ge­mes­sen hohe Auf­wen­dun­gen von der Bei­hil­fe­fä­hig­keit aus­zu­neh­men. Moti­viert ist die Rege­lung offen­bar allein dadurch, dass eini­ge Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen „ihre frei ermit­tel­ten Prei­se gegen­über Selbst­zah­lern so hoch ange­setzt haben, dass der Unter­schied zu den ver­ein­bar­ten pau­scha­len Sozi­al­ver­si­che­rungs­sät­zen nicht erklär­bar ist“ 9. Wenn dies tat­säch­lich zutref­fen soll­te, läge in der Tat ein Miss­stand vor, des­sen Bekämp­fung ohne wei­te­res sach­lich gerecht­fer­tigt wäre. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist jedoch davon über­zeugt, dass die Beschrän­kung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit ent­spre­chen­der Auf­wen­dun­gen hier­zu nicht geeig­net ist. Anstatt bei der Preis­ge­stal­tung der ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen anzu­set­zen, wer­den die bei­hil­fe­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen des Beam­ten „gede­ckelt“. Ange­sichts der schwa­chen Markt­po­si­ti­on des selbst­zah­len­den Beam­ten führt die­se Beschrän­kung der Bei­hil­fe­fä­hig­keit allein dazu, dass erheb­li­che Auf­wen­dun­gen von dem Beam­ten selbst getra­gen wer­den müs­sen, ohne dass der vom Ver­ord­nungs­ge­ber gese­he­ne Miss­stand über­höh­ter Prei­se beho­ben wer­den wür­de.

Hin­zu kommt, dass es – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts – in der baden-würt­tem­ber­gi­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung auch an einer Vor­schrift fehlt, die in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den wenigs­tens geeig­net wäre, erheb­li­che Här­ten zu ver­mei­den. Zwar exis­tiert in § 5 Abs. 6 BVO eine Här­te­fall­vor­schrift. Die­se ist aber der­art restrik­tiv gefasst, dass sie jeden­falls hier nicht zum Tra­gen kom­men kann. Nach der Auf­fas­sung des Beklag­ten kommt die Anwen­dung der Här­te­fall­re­ge­lung im Anwen­dungs­be­reich des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO gemäß § 5 Abs. 6 Satz 3 BVO von vorn­her­ein gene­rell nicht in Betracht, da eine Begren­zung nach der Betrags­hö­he vor­lie­ge (so der Vor­trag im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren) bzw. die Bei­hil­fe­fä­hig­keit aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen sei 10. Ob die­se Auf­fas­sung zutrifft, kann offen­blei­ben, denn unab­hän­gig hier­von fehlt es in der vor­lie­gen­den Fall­grup­pe jeden­falls an einem beson­de­ren Här­te­fall, in dem aus­nahms­wei­se Bei­hil­fe bewil­ligt wer­den kann, da die hier gege­be­ne Här­te bereits in der Vor­schrift des § 7 Abs. 7 Satz 4 BVO ange­legt und daher nicht unty­pisch ist. Eine Här­te, die übli­cher­wei­se bei Anwen­dung einer Rechts­norm auf­tritt, kann nicht als beson­de­rer Aus­nah­me­fall ange­se­hen wer­den. Der vom Ver­wal­tungs­ge­richt ver­tre­te­nen Aus­le­gung, wonach bereits bei einem Über­schrei­ten des Durch­schnitts­auf­wands ein beson­de­rer Här­te­fall vor­lie­ge, kann dem­zu­fol­ge nicht gefolgt wer­den. Denn dann müss­te ent­ge­gen dem Wort­laut des § 5 Abs. 6 BVO in einer unab­seh­ba­ren Viel­zahl von Fäl­len eine beson­de­re Här­te ange­nom­men wer­den. Eine sol­che Aus­le­gung wäre mit dem aus­drück­li­chen Wort­laut der Vor­schrift nicht ver­ein­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2011 – 2 S 1082/​11

  1. vgl. BVerwG, Urt. v. 15.12.2005 – 2 C 35.04BVerw­GE 125, 21 m.w.N.[]
  2. vgl. hier­zu: VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17.02.2011 – 2 S 2398/​10[]
  3. BVerwG, Urteil vom 18.02.2009 – 2 C 23.09, NVwZ 2009, 847[]
  4. vgl. auch den Fall, der der Peti­ti­on 14/​2793 zugrun­de lag, LT-Drucks. 14/​3645 S. 6, oder den vom VG Frei­burg, Urteil vom 02.04.2009 – 6 K 1959/​08, BeckRS 2009, 39506, ent­schie­de­nen Fall[]
  5. VG Frei­burg, ebd.[]
  6. vgl. bereits VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17.02.2011, a.a.O. zur frü­he­ren Rechts­la­ge[]
  7. vgl. LT-Drucks. 14/​3645 S. 6, Peti­ti­on 14/​2793 und LT-Drucks. 14/​5132[]
  8. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.02.2009 – 2 C 23.09, NVwZ 2009, 847[]
  9. LT-Drucks. 14/​3645, Peti­ti­on 14/​2793, S. 7 unter 2.[]
  10. in dem die­sem Sin­ne: LT-Drucks. 14/​3645, S. 8 unter 4.[]