Der 60jährige Reser­ve­of­fi­zier – und das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Gegen einen Reser­ve­of­fi­zier, der das 60., aber noch nicht das 65. Lebens­jahr voll­endet hat, kann eine gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me gemäß § 58 Abs. 3 WDO ver­hängt wer­den, weil er nach frei­wil­li­ger schrift­li­cher Ver­pflich­tung gemäß § 59 Abs. 3 Satz 1 SG zu einer Dienst­leis­tung nach § 60 SG her­an­ge­zo­gen wer­den kann.

Der 60jährige Reser­ve­of­fi­zier – und das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren

Das Ver­fah­ren ist nicht nach § 108 Abs. 3 Satz 1 WDO ein­zu­stel­len, weil der frü­he­re Sol­dat trotz des Über­schrei­tens der Alters­gren­ze von 60 Jah­ren nach § 3 Abs. 4 WPflG noch zu dem Per­so­nen­kreis gehört, gegen den eine gericht­li­che Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ver­hängt wer­den kann. Der frü­he­re Sol­dat war nie Berufs- oder Zeit­sol­dat, viel­mehr allein Grund­wehr­dienst­leis­ten­der und Wehr­ü­ben­der. Er ist aber auch nach dem Ende der Wehr­pflicht gemäß § 3 Abs. 4 WPflG ein nicht wehr­pflich­ti­ger frü­he­rer Sol­dat (§ 1 Abs. 2 Satz 2 WDO), der noch zu einer Dienst­leis­tung her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Der Wort­laut des § 58 Abs. 3 WDO stellt allein auf die Her­an­zie­hungs­mög­lich­keit ab und nicht dar­auf, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Her­an­zie­hung bereits geschaf­fen wur­den [1]. Hier besteht eine sol­che Her­an­zie­hungs­mög­lich­keit gemäß § 59 Abs. 3 Satz 1 SG bis zur Voll­endung des 65. Lebens­jah­res, wenn der frü­he­re Sol­dat frei­wil­lig eine schrift­li­che Ver­pflich­tung erklärt. Ob die­se Erklä­rung vor­liegt, ist uner­heb­lich, weil es allein auf die Her­an­zie­hungs­mög­lich­keit ankommt. Damit besteht auch ein Bedürf­nis für die Durch­füh­rung eines gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens.

Ein Ver­stoß gegen § 17 Abs. 3 SG setzt zunächst vor­aus, dass der betref­fen­de Offi­zier nach den für sei­ne Wie­der­ver­wen­dung maß­geb­li­chen Rechts­vor­schrif­ten erneut in ein Wehr­dienst­ver­hält­nis beru­fen wer­den kann. Denn ande­ren­falls käme eine Wie­der­ver­wen­dung, auf die die Vor­schrift abstellt, nicht mehr in Betracht [2]. Dies ist hier im Rah­men einer Dienst­leis­tung nach § 59 Abs. 3, § 60 SG wie oben aus­ge­führt der Fall.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 10. Febru­ar 2015 – 2 WD 4.15

  1. BVerwG, Beschluss vom 13.07.2006 – 2 WDB 1.06, Buch­holz 450.2 § 58 WDO 2002 Nr. 1 Rn. 14[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 28.11.2007 – 2 WD 28.06, BVerw­GE 130, 65 Rn. 54; vom 25.09.2008 – 2 WD 19.07, Rn. 46 m.w.N.; und vom 06.10.2010 – 2 WD 35.09, Buch­holz 450.2 § 58 WDO 2002 Nr. 5 Rn. 23[]