Der Amok­lauf als Dienst­un­fall

Kann der Amok­lauf eines Schü­lers für einen Leh­rer einen Dienst­un­fall dar­stel­len, auch wenn sich der Leh­rer wäh­rend des Amok­laufs gar nicht an der Schu­le auf­ge­hal­ten hat? Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat jetzt der Kla­ge eines Leh­rers der Albert­vil­le-Real­schu­le in Win­nen­den gegen das Land Baden-Würt­tem­berg, das die Aner­ken­nung des Amok­laufs am 11. März 2009 als Dienst­un­fall zurück­ge­nom­men hat, statt­ge­ge­ben.

Der Amok­lauf als Dienst­un­fall

Der Leh­rer hat­te sich am Tag des Amok­laufs nicht in der Schu­le, son­dern sta­tio­när in einem Kran­ken­haus auf­ge­hal­ten und dort durch die Fern­seh­nach­rich­ten von dem Amok­lauf erfah­ren. Bei dem Klä­ger wur­de dann eine aku­te Belas­tungs­re­ak­ti­on und eine post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung dia­gnos­ti­ziert. Das Regie­rungs­prä­si­di­um hat­te dem Klä­ger zunächst im Mai 2009 das Ereig­nis in Win­nen­den als Dienst­un­fall aner­kannt und sich zur Erstat­tung der Kos­ten für die Heil­be­hand­lung bereit erklärt. Spä­ter nahm das Regie­rungs­prä­si­di­um jedoch die Aner­ken­nung des Vor­falls vom 11. März 2009 als Dienst­un­fall zurück, da ein Dienst­un­fall tat­säch­lich nicht vor­ge­le­gen habe.

Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erhob der Leh­rer Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart und erhielt dort Recht, das Ver­wal­tungs­ge­richt hob den Bescheid des Regie­rungs­prä­si­di­ums Stutt­gart über die Rück­nah­me der Aner­ken­nung als Dienst­un­fall auf.

Die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Rück­nah­me der Aner­ken­nung des Amok­laufs als Dienst­un­fall hät­ten beim Klä­ger zwar vor­ge­le­gen, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, da die­se Aner­ken­nung rechts­wid­rig gewe­sen sei. Denn nach­dem sich der Klä­ger am Tag des Amok­laufs nicht im Dienst befun­den, son­dern krank­heits­be­dingt sta­tio­när in einem Kran­ken­haus auf­ge­hal­ten habe, sei der von ihm gel­tend gemach­te, auf­grund des Amok­laufs ein­ge­tre­te­ne Kör­per­scha­den nicht in Aus­übung oder infol­ge des Diens­tes ein­ge­tre­ten. Die Aner­ken­nung des Vor­falls als Dienst­un­fall sei des­halb man­gels Vor­lie­gens der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen rechts­wid­rig gewe­sen. Die Rück­nah­me der Aner­ken­nung des Amok­laufs als Dienst­un­fall sei den­noch rechts­wid­rig, da das Regie­rungs­prä­si­di­um von dem ihm bei der Ent­schei­dung über die Rück­nah­me rechts­wid­ri­ger Ver­wal­tungs­ak­te ein­ge­räum­ten Ermes­sen kei­nen Gebrauch gemacht habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 4. August 2010 – 12 K 960/​10