Der Beam­te auf Pro­be und die gesund­heit­li­che Eig­nung

Lei­det ein Beam­ter auf Pro­be an einer chro­ni­schen Erkran­kung und ist damit zu rech­nen, dass er über Jah­re hin­weg regel­mä­ßig krank­heits­be­dingt aus­fal­len wird, so schlie­ßen die­se Aus­fall­zei­ten die gesund­heit­li­che Eig­nung erst aus, wenn über­wie­gend wahr­schein­lich ist, dass der Beam­te des­we­gen eine erheb­lich gerin­ge­re Lebens­dienst­zeit leis­ten wird.

Der Beam­te auf Pro­be und die gesund­heit­li­che Eig­nung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ent­schei­dung über die Ent­las­sung einer Beam­tin auf Pro­be an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Damit hat es im Anschluss an Urtei­le vom 25. Juli 2013 den zuguns­ten der Bewer­ber abge­senk­ten gene­rel­len Pro­gno­se­maß­stab auch auf sol­che chro­ni­schen Erkran­kun­gen ange­wen­det, die zwar nicht zur vor­zei­ti­gen Zur­ru­he­set­zung füh­ren, wohl aber regel­mä­ßig erheb­li­che Aus­fall­zei­ten zur Fol­ge haben.

Die im Dezem­ber 1997 zur Beam­tin auf Pro­be ernann­te Klä­ge­rin befand sich von Anfang 1999 bis Febru­ar 2005 wegen ihrer bei­den Kin­der im Mut­ter­schutz, Erzie­hungs­ur­laub und anschlie­ßend in der Eltern­zeit. Von Febru­ar 2005 bis Ende 2006 war die Klä­ge­rin infol­ge von Band­schei­ben­er­kran­kun­gen dienst­un­fä­hig erkrankt. Im Hin­blick hier­auf wur­de ihre Pro­be­zeit bis Ende Sep­tem­ber 2007 ver­län­gert. Im Janu­ar 2007 leis­te­te die Klä­ge­rin teil­wei­se Dienst, ab April 2007 in Voll­zeit. Mit der Begrün­dung, die Klä­ge­rin sei gesund­heit­lich unge­eig­net, ent­ließ die Behör­de die Klä­ge­rin.

Durch das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg [1] ist die Ent­las­sungs­ver­fü­gung der Behör­de auf­grund einer eige­nen Beweis­auf­nah­me bestä­tigt wor­den. Die pro­gnos­ti­sche Ein­schät­zung der Behör­de hin­sicht­lich der gesund­heit­li­chen Eig­nung der Klä­ge­rin sei nicht zu bean­stan­den. Die Band­schei­ben­er­kran­kun­gen der Klä­ge­rin sowie das damit zusam­men­hän­gen­de chro­ni­fi­zier­te Schmerz­syn­drom mit selbst­stän­di­gem Krank­heits­wert stün­den einer posi­ti­ven gesund­heit­li­chen Eig­nungs­pro­gno­se zum Ablauf der Pro­be­zeit ent­ge­gen. Dage­gen ist Revi­si­on ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts steht der Ver­wal­tung bei der Beur­tei­lung der gesund­heit­li­chen Eig­nung – anders als bei der Beur­tei­lung der fach­li­chen Eig­nung – kein nur ein­ge­schränkt nach­prüf­ba­rer Beur­tei­lungs­spiel­raum zu. Lei­det eine Beam­tin an einer chro­ni­schen Erkran­kung und ist damit zu rech­nen, sie wer­de über Jah­re hin­weg regel­mä­ßig krank­heits­be­dingt aus­fal­len, so schlie­ßen die­se Aus­fall­zei­ten die gesund­heit­li­che Eig­nung erst aus, wenn über­wie­gend wahr­schein­lich ist, dass sie des­we­gen eine erheb­lich gerin­ge­re Lebens­dienst­zeit leis­ten wird.

Eine Beam­tin auf Pro­be, die ihre Über­nah­me in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Lebens­zeit anstrebt, ist gesund­heit­lich nicht nur dann unge­eig­net, wenn ihre vor­zei­ti­ge Pen­sio­nie­rung vor Errei­chen der gesetz­li­chen Alters­gren­ze über­wie­gend wahr­schein­lich ist. Ihr fehlt die zum Abschluss der Pro­be­zeit erfor­der­li­che gesund­heit­li­che Eig­nung auch dann, wenn tat­säch­li­che Anhalts­punk­te mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit die Annah­me recht­fer­ti­gen, sie wer­de bis zur Pen­sio­nie­rung häu­fi­ge und erheb­li­che krank­heits­be­ding­te Fehl­zei­ten auf­wei­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin das Urteil auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die­ses wird ins­be­son­de­re erneut dar­über zu ent­schei­den haben, ob die Klä­ge­rin nach dem neu­en Pro­gno­se­maß­stab zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt des Ablaufs der Pro­be­zeit gesund­heit­lich unge­eig­net war.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Okto­ber 2013 – BVerwG 2 C 16.12

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 05.09.2011 – 6 B 20.09[]