Der den Holo­caust ver­harm­lo­sen­de Polizeianwärter

Die Ein­stel­lung eines den Holo­caust ver­harm­lo­sen­den Bil­des in einem Grup­pen-Chat von Poli­zei­be­am­ten recht­fer­tigt die sofor­ti­ge Ent­las­sung eines Poli­zei­an­wär­ters aus dem Beam­ten­ver­hält­nis auf Wider­ruf. Das hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in einem Eil­ver­fah­ren entschieden.

Der den Holo­caust ver­harm­lo­sen­de Polizeianwärter

Der 1993 gebo­re­ne Antrag­stel­ler war seit April 2020 Poli­zei­kom­mis­sar­an­wär­ter im Beam­ten­ver­hält­nis auf Wider­ruf und absol­vier­te den Vor­be­rei­tungs­dienst für den geho­be­nen Dienst der Schutz­po­li­zei bei der Poli­zei Ber­lin. Im Mai 2020 betei­lig­te er sich an einem Chat einer Chat­grup­pe, der 25 Nach­wuchs­kräf­te der Poli­zei Ber­lin ange­hör­ten. Der Antrag­stel­ler stell­te ein bear­bei­te­tes Foto von Anne Frank ein. Das Foto war auf einer Piz­za­ver­pa­ckung von Dr. Oetker plat­ziert, wel­che mit „Die Ofen­fri­sche“ über­schrie­ben war. Er stell­te zudem ein wei­te­res Foto von Anne Frank ein, dem eine Lis­te von Optio­nen hin­zu­ge­fügt war, u. a. die Akti­on „Mit Stern bewerten“.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies den gegen die sofort voll­zieh­ba­re Ent­las­sung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis gerich­te­ten Eil­an­trag zurück:

Zu Recht habe die Poli­zei Ber­lin den Antrag­stel­ler als cha­rak­ter­lich unge­eig­net ange­se­hen. Das Ver­hal­ten des Antrag­stel­lers sei den an Poli­zei­voll­zugs­be­am­te zu stel­len­den Anfor­de­run­gen nicht gerecht gewor­den. Von die­sen Beam­ten wer­de erwar­tet, sich rück­halt­los für die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung und für den Schutz der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung im Sin­ne des Grund­ge­set­zes und der Ver­fas­sung von Ber­lin ein­zu­set­zen. Zudem gehör­ten die Ver­hin­de­rung und Ver­fol­gung von Straf­ta­ten und Ord­nungs­wid­rig­kei­ten zu den Kern­auf­ga­ben des Poli­zei­voll­zugs­diens­tes. Eige­ne Ver­stö­ße in die­sem Bereich sei­en daher schon grund­sätz­lich geeig­net, Zwei­fel an der per­sön­li­chen Eig­nung des Beam­ten zu begründen.

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Im kon­kre­ten Fall habe der Antrag­stel­ler mit sei­nem Ver­hal­ten eine anti­se­mi­ti­sche, all­ge­mein men­schen­ver­ach­ten­de und dis­kri­mi­nie­ren­de Gesin­nung an den Tag gelegt. Damit gehe wie die Ein­lei­tung ent­spre­chen­der staats­an­walt­li­cher Ermitt­lun­gen zei­ge der begrün­de­te Ver­dacht der Ver­wirk­li­chung der Straf­tat­be­stän­de des Ver­wen­dens von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen, der Volks­ver­het­zung und der Ver­un­glimp­fung des Andenkens Ver­stor­be­ner ein­her. Eine der­art ver­harm­lo­sen­de und igno­ran­te Bezug­nah­me auf die Geschich­te des Natio­nal­so­zia­lis­mus und der damit ein­her­ge­hen­den Mas­sen­ver­nich­tung von Juden sei mit den Wer­ten des Grund­ge­set­zes nicht ver­ein­bar und sei daher nicht hinzunehmen. 

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 10. Mai 2021 – VG 5 L 88/​21

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