Der Dienst­un­fall eines Beam­ten – und die Aus­schluss­frist für sei­ne Mel­dung

Nach § 45 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG sind Unfäl­le, aus denen Unfall­für­sor­gean­sprü­che nach dem Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz ent­ste­hen kön­nen, inner­halb einer Aus­schluss­frist von zwei Jah­ren nach dem Ein­tritt des Unfalls bei dem Dienst­vor­ge­setz­ten zu mel­den. Anknüp­fungs­punkt der Fris­ten­re­ge­lung ist damit weder eine Unfall­fol­ge noch ein bereits ent­stan­de­ner Anspruch, son­dern der Unfall selbst.

Der Dienst­un­fall eines Beam­ten – und die Aus­schluss­frist für sei­ne Mel­dung

Unab­hän­gig davon, ob der Beam­te das Ereig­nis als Dienst­un­fall ein­stuft, soll er sei­nen Dienst­herrn in die Lage ver­set­zen, selbst die hier­für erfor­der­li­chen Ermitt­lun­gen anzu­stel­len und eine zeit­na­he Klä­rung des Sach­ver­halts sicher­zu­stel­len. Damit wer­den einer­seits Auf­klä­rungs­schwie­rig­kei­ten ver­mie­den, die sich bei spä­te­ren Ermitt­lun­gen erge­ben könn­ten; zum ande­ren wird der Dienst­herr in die Lage ver­setzt, prä­ven­ti­ve Maß­nah­men zur Ver­mei­dung wei­te­rer Schä­den zu ergrei­fen 1.

Fol­ge­rich­tig muss sich aus der Mel­dung selbst noch nicht die Art der Ver­let­zung erge­ben, auch müs­sen mit ihr nicht bereits Unfall­für­sor­gean­sprü­che erho­ben wer­den 2.

Ist der ein­ge­tre­te­ne Gesund­heits­scha­den zunächst nicht erkenn­bar aber noch inner­halb der Zehn­jah­res­frist des § 45 Abs. 2 Satz 1 BeamtVG dia­gnos­ti­ziert, muss die­se Unfall­fol­ge nach § 45 Abs. 2 Satz 2 BeamtVG inner­halb drei­er Mona­te gemel­det wer­den 3.

Die Fris­ten­re­ge­lung des § 45 BeamtVG ist auch kei­ne Prä­k­lu­si­ons­wir­kung für nicht gemel­de­te Dienst­un­fäl­le auch als Mit­ur­sa­che spä­te­rer Gesund­heits­schä­den bei­zu­mes­sen. Für eine der­ar­tig weit­ge­hen­de Rechts­fol­ge bie­tet § 45 BeamtVG kei­nen Anhalt.

Ein der­ar­ti­ges Ergeb­nis erschie­ne im Übri­gen sach­wid­rig, weil ent­spre­chen­de Vor­schä­di­gun­gen aus dem pri­va­ten Bereich des Beam­ten der Annah­me eines Dienst­un­falls nicht ent­ge­gen­stün­den, sofern das spä­te­re Dienst­un­fall­ge­sche­hen die wesent­li­che, den Kör­per­scha­den nicht nur aus­lö­sen­de Mit­ur­sa­che begrün­det 4.

Eine Aus­le­gung, die gera­de dann zur Aus­blen­dung ent­spre­chen­der Vor­er­kran­kun­gen führt, wenn deren Ursa­che in der Dienst­aus­übung liegt, wäre mit dem Norm­zweck der Vor­schrif­ten zur Unfall­für­sor­ge nicht in Ein­klang zu brin­gen. Die­se bezwe­cken gera­de, dem Beam­ten Schutz bei Kör­per­schä­den zu gewäh­ren, die in sei­ner dienst­li­chen Tätig­keit wur­zeln 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Juli 2014 – 2 B 378.2014 -

  1. vgl. etwa Urtei­le vom 18.12 1969 – 2 C 37.68, BVerw­GE 34, 343, 345 = Buch­holz 232 § 150 BBG Nr. 7 S. 10 f.; vom 28.02.2002 – 2 C 5.01, Buch­holz 239.1 § 45 BeamtVG Nr. 5 S. 6; und vom 28.04.2011 – 2 C 55.09, Buch­holz 240 § 31 BBesG Nr. 1 Rn. 28[]
  2. BVerwG, Urteil vom 06.03.1986 – 2 C 37.84NJW 1986, 2588[]
  3. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 21.09.2000 – 2 C 22.99, Buch­holz 239.1 § 45 BeamtVG Nr. 4 S. 2; und vom 28.04.2011 a.a.O. Rn. 29[]
  4. vgl. etwa Urteil vom 29.10.2009 – 2 C 134.07, BVerw­GE 135, 176 = Buch­holz 239.1 § 31 BeamtVG Nr. 22 jeweils Rn. 26 sowie zuletzt Beschluss vom 23.10.2013 – 2 B 34.12 6 m.w.N.[]
  5. BVerwG, Urteil vom 18.04.2002 – 2 C 22.01, Buch­holz 239.1 § 31 BeamtVG Nr. 12 S. 3[]