Der Dienst­un­fall und der nicht benann­te Grund für die Dienst­un­fä­hig­keit

Wird ein Beam­ter wegen Dienst­un­fä­hig­keit vor­zei­tig in den Ruhe­stand ver­setzt, muss die Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung die Ursa­che für die Dienst­un­fä­hig­keit, z. B. einen Dienst­un­fall, nicht benen­nen.

Der Dienst­un­fall und der nicht benann­te Grund für die Dienst­un­fä­hig­keit

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann jede Ver­set­zung in den Ruhe­stand nur „wegen“ eines bestimm­ten, gesetz­lich fest­ge­leg­ten Grun­des ver­fügt wer­den. Dies gilt auch für den Anwen­dungs­be­reich des Beam­ten­sta­tus­ge­set­zes. Das Beam­ten­sta­tus­ge­setz wie das Bun­des­be­am­ten­ge­setz und das Deut­sche Rich­ter­ge­setz ken­nen eine von einem gesetz­lich gere­gel­ten Grund los­ge­lös­te, abs­trak­te Ver­set­zung in den Ruhe­stand nicht 1. Der Umfang der Fest­stel­lungs­wir­kung einer Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung wird dem­zu­fol­ge allein durch den bestimm­ten, gesetz­lich fest­ge­leg­ten Grund kon­kre­ti­siert. § 26 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG nennt als gesetz­li­chen Grund allein die Dienst­un­fä­hig­keit. Uner­heb­lich ist für die Ver­set­zung in den Ruhe­stand, auf wel­cher Ursa­che (dienst­un­fall­be­dingt oder nicht dienst­un­fall­be­dingt) die Dienst­un­fä­hig­keit beruht. Die Ursa­che der Dienst­un­fä­hig­keit nimmt daher nicht an der Fest­stel­lungs­wir­kung der Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung teil. Kein ande­res Ergeb­nis folgt aus dem Umstand, dass die für die Fest­set­zung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge nach § 49 BeamtVG in der bis zum 31. August 2006 gel­ten­den Fas­sung (vgl. § 108 Abs. 1 BeamtVG) zustän­di­ge Behör­de an den in der Zur­ru­he­set­zungs­ver­fü­gung genann­ten Grund gebun­den ist 1.

Der Gesetz­ge­ber hat inso­weit eine kla­re Zustän­dig­keits­ver­tei­lung getrof­fen. Wäh­rend die nach Lan­des­recht für die Sta­tus­ent­schei­dung zustän­di­ge Behör­de allein dar­über ent­schei­det, ob ein Beam­ter vor­zei­tig wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand zu ver­set­zen ist, hat die für die Fest­set­zung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge zustän­di­ge Stel­le alle hier­an anknüp­fen­den Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Fra­ge, ob dem Beam­ten ein erhöh­tes Unfall­ru­he­ge­halt zusteht, weil die fest­ge­stell­te Dienst­un­fä­hig­keit dienst­un­fall­be­dingt gewe­sen ist. Der Gesetz­ge­ber hat hier­durch das Ver­fah­ren der vor­zei­ti­gen Ver­set­zung eines Beam­ten in den Ruhe­stand von der Klä­rung der Fra­ge, ob die Dienst­un­fä­hig­keit auf einem Dienst­un­fall beruht, frei­ge­hal­ten und die Klä­rung dem nach­fol­gen­den Ver­fah­ren betref­fend die Fest­set­zung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge vor­be­hal­ten. Hier­ge­gen bestehen kei­ne recht­li­chen Beden­ken, da die Ursa­che der Dienst­un­fä­hig­keit für die sta­tus­ver­än­dern­de Wir­kung der vor­zei­ti­gen Zur­ru­he­set­zung kei­ne Bedeu­tung hat. Zu wider­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen – wie die Klä­ge­rin sie befürch­tet – kann es nicht kom­men, da die zustän­di­ge Ver­sor­gungs­fest­set­zungs­be­hör­de in allei­ni­ger Zustän­dig­keit dar­über ent­schei­det, ob dem Beam­ten höhe­re Ver­sor­gungs­be­zü­ge zuste­hen, weil die zur Ver­set­zung in den vor­zei­ti­gen Ruhe­stand füh­ren­de Dienst­un­fä­hig­keit dienst­un­fall­be­dingt ist.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Dezem­ber 2010 – 5 LA 139/​10

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 25.10.2007 – 2 C 22.06, Buch­holz 232 § 47 BBG Nr. 3 = NVwZ-RR 2008, 193 = ZBR 2008, 133[][]