Der fau­le Grund­schul-Rek­tor

Erfüllt ein Grund­schul­rek­tor nicht die ihm oblie­gen­de Unter­richts­ver­pflich­tung, kann dies, wie eine Ent­schei­dung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zeigt, die Ent­fer­nung des Leh­rers aus dem Dienst zur Fol­ge haben. So hat das Lüne­bur­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die von der Lan­des­schul­be­hör­de im Juli 2006 ver­füg­te vor­läu­fi­ge Dienstent­he­bung des Rek­tors einer Grund­schu­le bestä­tigt und den erst­in­stanz­li­chen Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Braun­schweig, das noch dem Leh­rer Recht gege­ben hat­te, geän­dert.

Der fau­le Grund­schul-Rek­tor

Die Lan­des­schul­be­hör­de hat­te den Rek­tor wegen eines schwe­ren Dienst­ver­ge­hens, des­sen dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­fol­gung vor­aus­sicht­lich zu sei­ner Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis füh­ren wer­de, vor­läu­fig des Diens­tes ent­ho­ben. Dem Vor­wurf des schwe­ren Dienst­ver­ge­hens lag im Wesent­li­chen zugrun­de, dass der Rek­tor vom Schul­jahr 2002/​2003 bis zum April des Schul­jah­res 2005/​2006 bei einer Unter­richts­ver­pflich­tung von 15 Wochen­stun­den im Umfang von 9 Wochen­stun­den Unter­richt, ins­ge­samt ca. 1.250 Unter­richts­stun­den, nicht geleis­tet, zur Ver­heim­li­chung der Nicht­er­fül­lung sei­ner Unter­richts­ver­pflich­tung im Schul­jahr 2005/​2006 ein Klas­sen­buch mani­pu­liert, in den Jah­ren 2000 bis 2005 in erheb­li­chem Umfang aus dem Schul­etat Zau­ber­ma­te­ria­li­en ange­schafft, aber nicht ange­mes­sen für schu­li­sche Zwe­cke ein­ge­setzt und einen Teil die­ser Zau­ber­ma­te­ria­li­en für zwei pri­va­te Zau­ber­vor­füh­run­gen in Kin­der­gär­ten ver­wen­det hat­te.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat den Rek­tor auf die von der Lan­des­schul­be­hör­de mit dem Ziel der Ent­fer­nung des Rek­tors aus dem Beam­ten­ver­hält­nis erho­be­ne Dis­zi­pli­nark­la­ge mit Urteil vom 16. Dezem­ber 2008 wegen die­ser Vor­wür­fe eines Dienst­ver­ge­hens für schul­dig befun­den, als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me aller­dings ledig­lich auf die Zurück­stu­fung in das Amt eines Leh­rers erkannt. Gegen die­ses Urteil hat die Lan­des­schul­be­hör­de beim Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Beru­fung ein­ge­legt, mit der sie ihr Ziel der Ent­fer­nung des Rek­tors aus dem Beam­ten­ver­hält­nis wei­ter­ver­folgt.

Auf den Antrag des Rek­tors hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die vor­läu­fi­ge Dienstent­he­bung auf­ge­ho­ben, da – mit Blick auf das erst­in­stanz­li­che Urteil vom 16. Dezem­ber 2008 – vor­aus­sicht­lich nicht mit sei­ner Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu rech­nen sei. Die­ser Ein­schät­zung hat sich das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nicht ange­schlos­sen. Nach sei­ner Auf­fas­sung stel­len die dem Rek­tor vor­ge­wor­fe­nen Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen ein so schwer­wie­gen­des Dienst­ver­ge­hen dar, dass die Annah­me gerecht­fer­tigt ist, dass das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen dem Dienst­herrn und dem Rek­tor end­gül­tig zer­stört sein dürf­te. Der Rek­tor wird daher nach Durch­füh­rung des Beru­fungs­ver­fah­rens vor­aus­sicht­lich aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu ent­fer­nen sein, da nach dem gegen­wär­ti­gen Erkennt­nis­stand durch­grei­fen­de Mil­de­rungs­grün­de, die für ein Abse­hen von der dis­zi­pli­na­ren Höchst­maß­nah­me spre­chen könn­ten, nicht fest­zu­stel­len sind.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Mai 2009 – 20 ZD 4/​09