Der fil­men­de (dem­nächst Ex-)Sportlehrer

Ein Ver­bot der Füh­rung der Dienst­ge­schäf­te wegen des Ver­dachts einer Straf­tat erweist sich als ver­hält­nis­mä­ßig, wenn sich die Ent­fer­nung des Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis oder des­sen Zurück­stu­fung im Zeit­punkt des Erlas­ses der Ver­bots­ver­fü­gung nicht aus­schlie­ßen lässt, son­dern ernst­haft in Betracht zuzie­hen ist.

Der fil­men­de (dem­nächst Ex-)Sportlehrer

Dies ent­schied jetzt das Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg in dem Fall eines beam­te­ten Sport­leh­rers, der in einem Frei­zeit­bad in den Umklei­de­ka­bi­nen heim­lich zwei min­der­jäh­ri­gen Mäd­chen gefilmt hat­te, wäh­rend die­se sich umklei­de­ten. Dazu hat­te er von einer Nach­bar­ka­bi­ne aus im Boden­be­reich unbe­merkt durch einen Schlitz unter­halb der Kabi­nen­trenn­wand die mit­ge­führ­te Kame­ra durch­ge­scho­ben und gefilmt.

Nach § 39 Satz 1 BeamtStG kann Beam­tin­nen und Beam­ten aus zwin­gen­den dienst­li­chen Grün­den die Füh­rung der Dienst­ge­schäf­te ver­bo­ten wer­den. Das Ver­bot erlischt, wenn nicht bis zum Ablauf von drei Mona­ten gegen die Beam­tin oder den Beam­ten ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren oder ein sons­ti­ges auf Rück­nah­me der Ernen­nung oder auf Been­di­gung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses gerich­te­tes Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den ist (§ 39 Satz 2 BeamtStG).

Das Tat­be­stands­merk­mal der "zwin­gen­den dienst­li­chen Grün­de" stellt einen unbe­stimm­ten Rechts­be­griff dar, der der vol­len gericht­li­chen Nach­prü­fung unter­liegt. Zwin­gen­de dienst­li­che Grün­de lie­gen in sol­chen Umstän­den, die eine wei­te­re Aus­übung der Dienst­ge­schäf­te durch den Beam­ten zumin­dest im Augen­blick nicht ver­tret­bar erschei­nen las­sen, weil ande­ren­falls mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit schwer­wie­gen­de Beein­träch­ti­gun­gen der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Ver­wal­tung, Drit­ter oder des Beam­ten selbst im Fal­le der Fort­füh­rung der Dienst­ge­schäf­te dro­hen 1. Sie sind gege­ben, wenn bei wei­te­rer Aus­übung des Diens­tes durch den Beam­ten auf sei­nem bis­he­ri­gen Dienst­pos­ten der Dienst­be­trieb erheb­lich beein­träch­tigt wer­den wür­de oder ande­re gewich­ti­ge dienst­li­che Nach­tei­le ernst­haft zu besor­gen wären 2.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. April 2010 – 5 ME 282/​09

  1. vgl. zu § 60 BBG a. F.: Plog/​Wiedow/​Lemhöfer, BBG, § 60 BBG Rn 7, und Nds. OVG, Beschluss vom 01.02.2010 – 5 ME 270/​09, DVBl. 2010, 399; Beschluss vom 21.01.2009 – 5 ME 110/​08; vgl. zu § 67 NBG a. F. Nds. OVG, Beschluss vom 01.09.2003 – 5 ME 252/​03[]
  2. vgl. zur ent­spre­chen­den Vor­schrift des § 22 SG: BVerwG, Beschluss vom 19.11.1998 – 1 WB 36/​98, Buch­holz 236.1 § 22 SG Nr. 2 = DVBl. 1999, 326 = NVwZ-RR 1999, 323 = DÖV 1999, 305; BVerwG, Beschluss vom 17.07.1979 – 1 WB 67/​78, BVerw­GE 63, 250 = ZBR 1980, 324; sowie zur inhalts­glei­chen Vor­schrift des § 60 Abs. 1 Satz 1 LBG S‑A: OVG LSA, Beschluss vom 22.12.2009 – 1 M 87/​09[]