Der geho­be­ne Poli­zei­dienst – und das "AnA Aus­wahl­ver­fah­ren"

Mit der erfas­sungs­kon­for­mi­tät der "AnA Aus­wahl­ver­fah­ren" für den geho­be­nen Poli­zei­voll­zugs­dienst in Baden-Würt­tem­berg hat­te sich aktu­ell das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart zu befas­sen.

Der geho­be­ne Poli­zei­dienst – und das "AnA Aus­wahl­ver­fah­ren"

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hält das in der "Inner­dienst­li­chen Anord­nung des Innen­mi­nis­te­ri­ums über das Aus­wahl­ver­fah­ren für die Lauf­bahn des geho­be­nen Poli­zei­voll­zugs­diens­tes vom 10.12.2008 in der Fas­sung vom 15.12.2011, Az.: 3 – 0313/​251" (AnA Aus­wahl­ver­fah­ren) näher aus­ge­stal­te­te Aus­wahl­ver­fah­ren, das offen­bar in stän­di­ger Ver­wal­tungs­pra­xis prak­ti­ziert wird, für grund­sätz­lich ver­fas­sungs­kon­form. Die in Nr. 4 AnA im Rah­men der Vor­auswahl dif­fe­ren­ziert gewich­te­te Berück­sich­ti­gung des Noten­durch­schnitts der Lauf­bahn­prü­fung in Ver­bin­dung mit dem Gesamt­ergeb­nis der dienst­li­chen Beur­tei­lung in Ver­bin­dung mit dem Auf­stiegs­eig­nungs­ver­merk dürf­te in aller Regel zu recht­mä­ßi­gen und gerech­ten Vor­auswahl­er­geb­nis­sen füh­ren. Die Bes­ten­aus­le­se wird inso­weit ver­fas­sungs­ge­mäß anhand aus­sa­ge­kräf­ti­ger, d.h. aktu­el­ler, hin­rei­chend dif­fe­ren­zier­ter und im Wesent­li­chen auf glei­chen Bewer­tungs­maß­stä­ben beru­hen­der dienst­li­cher Aus­wahl­kri­te­ri­en vor­ge­nom­men 1. Die bei der Vor­auswahl gege­be­nen­falls vor­han­de­ne Kon­kur­renz von Kandidat/​inn/​en aus unter­schied­li­chen sta­tus­recht­li­chen Ämtern bzw. eine hier­aus sich erge­ben­de man­geln­de Ver­gleich­bar­keit der dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen wird durch die zusätz­li­che Gewich­tung des Auf­stiegs­eig­nungs­ver­merks hin­rei­chend kom­pen­siert 2. Denn die­ser Ver­merk wird anhand eines ein­heit­li­chen "Anfor­de­rungs­pro­fils" (mit aus­führ­li­cher "Hand­rei­chung") mit­tels einer Beur­tei­lung der Per­sön­lich­keits, Ver­hal­tens- und Fach­kom­pe­tenz – die Beur­tei­lun­gen ergän­zend – gera­de auch sach­dien­lich im Hin­blick dar­auf erstellt, eine in die Zukunft gerich­te­te Pro­gno­se über die spe­zi­fi­sche Eig­nung des Bewer­bers für den Auf­stieg in den geho­be­nen Poli­zei­voll­zugs­dienst tref­fen zu kön­nen.

Auf die zwi­schen den Betei­lig­ten ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des knap­pen alters­mä­ßi­gen Ver­feh­lens der fest­ge­leg­ten Höchst­al­ters­gren­ze von 45 Jah­ren (der Antrag­stel­ler voll­ende­te am 13.04.2014 das 45. Lebens­jahr, d.h. nur 17 Tage vor dem Stich­tag 01.05.2014) auf­ge­wor­fe­ne Dis­kus­si­on zur Ver­fas­sungs­kon­for­mi­tät von Höchst­al­ters­gren­zen und Stich­tags­re­ge­lun­gen kommt es damit hier nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich an. Denn selbst wenn die­se Höchst­al­ters­gren­ze rechts­wid­rig sein soll­te 3 und der Stich­tag nicht hät­te auf den 01.05.2014 fest­ge­legt wer­den dür­fen, könn­te der Antrag­stel­ler doch, wie unter c. dar­ge­stellt, man­gels des hier­zu erfor­der­li­chen fach­li­chen Leis­tungs­stands nicht in den Kreis der Vor­ausge­wähl­ten ein­be­zo­gen wer­den. Nur ergän­zend sei des­halb ange­merkt, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt die Höchst­al­ters­gren­ze von 45 Jah­ren aller­dings für recht­mä­ßig hält, weil zu berück­sich­ti­gen ist, dass der hohe finan­zi­el­le Auf­wand eines zwei­ein­halb­jäh­ri­gen Stu­di­ums bei vol­len Bezü­gen bei einem Pen­si­ons­al­ter gemäß § 36 Abs. 3 LBG von 62 Jah­ren dienst­zeit­be­zo­gen in einem sinn­vol­len Ver­hält­nis ste­hen muss 4.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 5. Juni 2014 – 12 K 2288/​14

  1. vgl. BVerwG, Urte. v.19.12.2001 – 2 C 31.01, v. 04.11.2010 – 2 C 16.09 – und v. 30.06.2011 – 2 C 19.10 – alle juris[]
  2. vgl. Bay.VGH, Urteil vom 18.05.2006 – 15 B 05.727, Rn. 14 []
  3. vgl. bzgl. der – anders gela­ger­ten – Höchst­al­ters­gren­ze von 36 Jah­ren VG Frei­burg, Beschluss vom 03.05.2013 – 3 K 684/​13 []
  4. vgl. OVG NRW, Urteil vom 15.03.2007 – 6 A 4625/​04; VG Düss., Beschluss vom 19.11.2008 – 13 L 1652/​08[]