Der Leh­rer und die Kin­der­por­nos

Der straf­ba­re Besitz von Kin­der­por­no­gra­phie durch Leh­rer – selbst in gerin­ger Men­ge – führt in Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren in aller Regel zur Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te in zwei Revi­si­ons­ver­fah­ren ent­schie­den und dabei sei­ne Recht­spre­chung zu Fäl­len die­ser Art fort­ent­wi­ckelt.

Der Leh­rer und die Kin­der­por­nos

Nach der in den bei­den Ver­fah­ren maß­geb­li­chen, seit 2004 gel­ten­den Rechts­la­ge wur­de der Besitz kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten (dazu zäh­len auch Bild- und Video­da­tei­en) mit Frei­heits­stra­fe bis zu zwei Jah­ren oder mit Geld­stra­fe bestraft (§ 184b Abs. 4 StGB a.F.). Erst Anfang 2015 hat der Gesetz­ge­ber den Straf­rah­men um ein Jahr auf drei Jah­re erhöht (nun § 184b Abs. 3 StGB n.F.).

Die zwei Revi­si­ons­ver­fah­ren betref­fen Leh­rer im Ber­li­ner Lan­des­dienst. Den Beam­ten wur­de jeweils vor­ge­wor­fen, auf pri­vat genutz­ten Daten­trä­gern kin­der­por­no­gra­phi­sche Bild- oder Video­da­tei­en beses­sen zu haben. Der Beam­te des ers­ten Ver­fah­rens 1 ist durch rechts­kräf­ti­gen Straf­be­fehl zu einer Geld­stra­fe von 50 Tages­sät­zen ver­ur­teilt wor­den. Der Beam­te des zwei­ten Ver­fah­rens 2 ist durch rechts­kräf­ti­ges Straf­ur­teil zu einer Geld­stra­fe von 90 Tages­sät­zen ver­ur­teilt wor­den.

Die auf die Ent­fer­nung der bei­den Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis gerich­te­ten Dis­zi­pli­nark­la­gen sind vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin 3 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 4 ohne Erfolg geblie­ben. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat unter Berück­sich­ti­gung des abs­trak­ten Straf­rah­mens, der indi­vi­du­el­len Straf­zu­mes­sung sowie der Anzahl und Inhalt der Bild­da­tei­en ange­nom­men, dass es sich ledig­lich um Fäl­le im unte­ren Bereich der mög­li­chen Bege­hungs­for­men han­de­le. Daher sei die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis als dis­zi­pli­na­re Höchst­maß­nah­me aus­ge­schlos­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun jedoch auf die Revi­si­on des Lan­des Ber­lin in bei­den Fäl­len die vor­in­stanz­li­chen Urtei­le auf­ge­ho­ben und die Leh­rer jeweils aus dem Beam­ten­ver­hält­nis ent­fernt:

Außer­halb des Diens­tes wird zwar heu­te auch von Beam­ten kein beson­ders vor­bild­haf­tes Sozi­al­ver­hal­ten mehr erwar­tet, so dass außer­dienst­li­che Ver­feh­lun­gen nur unter beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen zu Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men des Dienst­herrn berech­ti­gen. Straf­ta­ten recht­fer­ti­gen dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men aber dann, wenn ein Bezug zwi­schen den began­ge­nen Straf­ta­ten und den mit dem Amt des Beam­ten ver­bun­de­nen Pflich­ten besteht. Beim außer­dienst­li­chen (d.h. pri­va­ten) Besitz kin­der­por­no­gra­phi­scher Bild- oder Video­da­tei­en ist dies bei Leh­rern wegen ihrer beson­de­ren Schutz- und Obhuts­pflich­ten gegen­über Kin­dern und Jugend­li­chen der Fall.

Straf­ta­ten, für die der Gesetz­ge­ber eine Straf­an­dro­hung von bis zu zwei Jah­ren vor­ge­se­hen hat und die einen Bezug zur Amts­stel­lung des Beam­ten – hier des Leh­rers – haben, las­sen Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men bis hin zur Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis zu. Die Aus­schöp­fung die­ses Ori­en­tie­rungs­rah­mens bedarf indes der am Ein­zel­fall aus­ge­rich­te­ten Wür­di­gung der Schwe­re der von dem Beam­ten began­ge­nen Ver­feh­lun­gen und sei­ner Schuld. Die­se Bemes­sungs­ent­schei­dung führt beim Besitz von Kin­der­por­no­gra­phie durch Leh­rer – selbst in gerin­ger Men­ge – in aller Regel zur Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis. Aus­schlag­ge­bend dafür ist der mit dem Besitz von Kin­der­por­no­gra­phie ver­ur­sach­te Ver­lust des für das Sta­tus­amt des Leh­rers erfor­der­li­chen Ver­trau­ens des Dienst­herrn und der All­ge­mein­heit. Einem Leh­rer obliegt die Bil­dung und Erzie­hung von Kin­dern und Jugend­li­chen, die mit beson­de­ren Schutz- und Obhuts­pflich­ten ver­bun­den sind. Da das Straf­recht und das beam­ten­recht­li­che Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren unter­schied­li­che Zwe­cke ver­fol­gen, kommt es hin­ge­gen nicht auf das kon­kret aus­ge­spro­che­ne Straf­maß (Geld­stra­fe oder Frei­heits­stra­fe) an.

Nach die­sen Grund­sät­zen war in bei­den Ver­fah­ren die Ent­fer­nung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis die ange­mes­se­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 24. Okto­ber 2019 – 2 C 3.18 und 2 C 4.18

  1. BVerwG – 2 C 3.18[]
  2. BVerwG – 2 C 4.18[]
  3. VG Ber­lin, Urtei­le vom 23.11.2016 – 80 K 25.15 OL und 08 K 13.16 OL[]
  4. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 28.02.2018 – 80 D 1.17 und 80 D 2.17[]