Der stu­die­ren­de Offi­zier – und sei­ne Rück­stu­fung in einen spä­te­ren Stu­di­en­gang

Ein stu­die­ren­der Offi­zier ist nicht allein des­halb in einen spä­te­ren Stu­di­en­gang zurück­zu­stu­fen, weil er dies bean­tragt.

Der stu­die­ren­de Offi­zier – und sei­ne Rück­stu­fung in einen spä­te­ren Stu­di­en­gang

Ein Sol­dat hat kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te ört­li­che oder fach­li­che Ver­wen­dung. Das gilt nicht nur für Ent­schei­dun­gen über die Zulas­sung zu einer bestimm­ten Lauf­bahn oder über den Wech­sel einer Lauf­bahn sowie über die Ver­wen­dung auf einem bestimm­ten Dienst­pos­ten, in einem bestimm­ten Dienst­be­reich oder in einem bestimm­ten Wer­de­gang 1, son­dern auch für die Ent­schei­dung über die wei­te­re Aus­bil­dung eines Sol­da­ten in einem bereits ein­ge­schla­ge­nen Aus­bil­dungs­gang; denn die­se ist Bestand­teil einer Ver­wen­dungs­ent­schei­dung 2.

Ein ent­spre­chen­der Ver­wen­dungs­an­spruch lässt sich auch nicht aus der Für­sor­ge­pflicht des Vor­ge­setz­ten (§ 10 Abs. 3 SG) ablei­ten.

Über die Ver­wen­dung in dem ein­ge­schla­ge­nen Aus­bil­dungs­gang ent­schei­det viel­mehr der zustän­di­ge mili­tä­ri­sche Vor­ge­setz­te bzw. die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Die­se Ermes­sens­ent­schei­dung kann von den Gerich­ten nur dar­auf über­prüft wer­den, ob die für die Ver­wen­dungs­ent­schei­dung zustän­di­ge mili­tä­ri­sche Stel­le – im hier gege­be­nen Kon­text mit der Ableh­nung der Ver­wen­dung bzw. Wei­ter­ver­wen­dung in dem ein­ge­schla­ge­nen Aus­bil­dungs­gang – den betrof­fe­nen Sol­da­ten durch Über­schrei­tung oder Miss­brauch dienst­li­cher Befug­nis­se in sei­nen Rech­ten ver­letzt hat (§ 17 Abs. 3 WBO) bzw. ob die­se Stel­le dabei die gesetz­li­chen Gren­zen des ihr inso­weit ein­ge­räum­ten Ermes­sens über­schrit­ten oder von die­sem in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat (§ 114 VwGO ana­log; stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom 04.11.2004 – 1 WB 28.04 -). Soweit das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung das Ermes­sen – wie hier durch die ZDv B‑1340/​29 und die ZDv A‑1340/​49 – gebun­den hat, ist auch zu prü­fen, ob die zustän­di­ge Stel­le die­se Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten hat.

Nach Nr. 1040 ZDv A‑1340/​49 wer­den die Offi­zier­an­wär­ter des Trup­pen­diens­tes eines Ein­stel­lungs­ter­mins in einem Offi­zier­an­wär­ter­jahr­gang oder in einer Offi­zier­an­wär­ter­crew zusam­men­ge­fasst. Sie durch­lau­fen den vor­ge­se­he­nen Aus­bil­dungs­gang gemein­sam. Nach Nr. 1042 ZDv A‑1340/​49 kommt die Zuord­nung der Offi­zier­an­wär­ter des Trup­pen­diens­tes zu einem spä­te­ren Offi­zier­an­wär­ter­jahr­gang in Betracht, wenn sich im Ver­lauf der Aus­bil­dung her­aus­stellt, dass Offi­zier­an­wär­ter des Trup­pen­diens­tes den gefor­der­ten Aus­bil­dungs­stand in ihrem Aus­bil­dungs­gang nicht erreicht haben. Hier­zu ermäch­tigt Nr. 304 ZDv B‑1340/​29 als Aus­nah­me­re­ge­lung, dass stu­die­ren­de Offi­zier­an­wär­ter, die infol­ge von Erkran­kung, der Pfle­ge von nahen Ange­hö­ri­gen oder der Inan­spruch­nah­me von Eltern­zeit von mehr als sechs Mona­ten den in ihrem Aus­bil­dungs­gang gefor­der­ten Aus­bil­dungs­stand nicht erreicht haben, einem nach­fol­gen­den Offi­zier­an­wär­ter­jahr­gang zuge­ord­net wer­den kön­nen.

Die­se Vor­schrif­ten betref­fen in der Sache auch den Stu­den­ten­jahr­gang. Sie gel­ten nur für Offi­zier­an­wär­ter. Das ergibt sich aus dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik der Rege­lun­gen, denn abwei­chend von Nr. 304 wer­den in Nrn. 301, 302 und 303 ZDv B‑1340/​29 stu­die­ren­de Offi­zie­re und Offi­zier­an­wär­ter jeweils neben­ein­an­der gestellt und gleich­be­han­delt. Die Vor­schrift in Nr. 304 ZDv B‑1340/​29 (eben­so in Nr. 1042 ZDv A‑1340/​49) stellt hin­ge­gen nur noch auf stu­die­ren­de Offi­zier­an­wär­ter ab. Der Leut­nant ist mit Wir­kung vom 01.08.2014 zum Leut­nant beför­dert wor­den und war damit schon im Zeit­punkt sei­nes Antrags am 17.11.2014 nicht mehr Offi­zier­an­wär­ter. Gemäß Nr. 1044 ZDv A‑1340/​49 endet die orga­ni­sa­to­ri­sche Zuge­hö­rig­keit zum jewei­li­gen Offi­zier­an­wär­ter­jahr­gang für einen stu­die­ren­den Sol­da­ten mit der Beför­de­rung zum Leut­nant. Die Zuord­nung zu einem ande­ren Offi­zier­an­wär­ter­jahr­gang bzw. Stu­den­ten­jahr­gang war damit schon im Zeit­punkt der Antrag­stel­lung am 17.11.2014 nicht mehr mög­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom – 1 WB 19.16

  1. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 19.12 2001 – 1 WB 59.01, Buch­holz 236.11 § 30 SLV Nr. 4; und vom 23.06.2004 – 1 WB 49.03 – jeweils m.w.N.[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 04.11.2004 – 1 WB 28.04; und vom 04.11.2004 – 1 WB 29.04[]