Der dienst­un­fä­hi­ge Rich­ter – und das Prü­fungs­ver­fah­ren der Rich­ter­dienst­ge­rich­te

Die Rich­ter­dienst­ge­rich­te ent­schei­den anders als die Ver­wal­tungs­ge­rich­te bei der Ver­set­zung eines Beam­ten in den Ruhe­stand nicht über die Fra­ge, ob eine bereits erfolg­te Zur­ru­he­set­zung recht­mä­ßig ist, son­dern dar­über, ob eine vom Dienst­her­ren beab­sich­tig­te Ver­set­zung in den Ruhe­stand vor­ge­nom­men wer­den darf.

Der dienst­un­fä­hi­ge Rich­ter – und das Prü­fungs­ver­fah­ren der Rich­ter­dienst­ge­rich­te

Denn der Rich­ter darf nach § 34 DRiG gegen sei­nen Wil­len nur auf­grund rechts­kräf­ti­ger rich­ter­li­cher Ent­schei­dung wegen Dienst­un­fä­hig­keit in den Ruhe­stand ver­setzt wer­den.

Des­halb müs­sen zum Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­set­zung in den Ruhe­stand erfüllt sein 1.

Daher ist vom Rich­ter­dienst­ge­richt auf die Sach- und Rechts­la­ge bei Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung (hier: in der Beru­fungs­in­stanz) abzu­stel­len.

Ob eine Dienst­un­fä­hig­keit besteht, stellt eine dem Tat­sa­chen­ge­richt zukom­men­de Fest­stel­lung dar. Die­ses bestimmt die Art der Beweis­mit­tel und den Umfang der Beweis­auf­nah­me im Rah­men sei­ner nach § 86 VwGO bestehen­den Pflicht zur Sach­auf­klä­rung von Amts wegen nach sei­nem Ermes­sen. Das gilt auch für die Fra­ge, ob es die Ein­ho­lung eines wei­te­ren Gut­ach­tens oder die Ergän­zung vor­han­de­ner Gut­ach­ten für erfor­der­lich hält. Die unter­las­se­ne Ein­ho­lung eines wei­te­ren Gut­ach­tens kann nur dann ver­fah­rens­feh­ler­haft sein, wenn sich dem Gericht eine wei­te­re Beweis­erhe­bung auf­drängt oder auf­drän­gen muss, weil die vor­lie­gen­den Gut­ach­ten den ihnen oblie­gen­den Zweck nicht erfül­len kön­nen, dem Gericht die zur Fest­stel­lung des ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Sach­ver­halts erfor­der­li­che Sach­kun­de zu ver­mit­teln und ihm dadurch die Bil­dung der für die Ent­schei­dung not­wen­di­gen Über­zeu­gung zu ermög­li­chen. Dies kann der Fall sein, wenn die dem Gericht vor­lie­gen­den Gut­ach­ten gro­be Män­gel oder unlös­ba­re Wider­sprü­che auf­wei­sen, von unzu­tref­fen­den tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­ge­hen oder wenn Anlass zu Zwei­feln an der Sach­kun­de oder der Unpar­tei­lich­keit des Gut­ach­ters besteht 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Juli 2018 – RiZ® 1/​18

  1. BGH, Urtei­le vom 04.03.2015 RiZ® 5/​14, NVwZ-RR 2015, 668 Rn. 39; vom 13.02.2014 RiZ® 3/​1319; vom 16.12 2010 – RiZ® 2/​10, BGHZ 188, 20 Rn. 18[]
  2. BGH, Urtei­le vom 04.03.2015 aaO Rn. 31; vom 13.02.2014 aaO Rn. 31, jeweils m.w.N.[]