Der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat und die Abord­nung eines Leh­rers

Der gemäß § 95 Abs. 2 S. 1 NPers­VG gebil­de­te Schul­be­zirks­per­so­nal­rat ist zu betei­li­gen, wenn eine län­ger als ein Schul­jahr dau­ern­de Abord­nung eines am Gym­na­si­um beschäf­tig­ten Beam­ten der Bes­Gr. A 15 mit Amts­zu­la­ge und abwärts ohne das Ziel einer Ver­set­zung beab­sich­tigt ist.

Der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat und die Abord­nung eines Leh­rers

Hat der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat dem zustän­di­gen Schul­per­so­nal­rat der abge­ben­den Schu­le nicht ord­nungs­ge­mäß gemäß § 79 Abs. 4 S. 1 NPers­VG Gele­gen­heit zur Äuße­rung gege­ben, beein­träch­tigt dies nicht die Wirk­sam­keit der Ent­schei­dung des Schul­be­zirks­per­so­nal­rats.

Gemäß § 79 Abs. 1 NPers­VG betei­ligt die zur Ent­schei­dung befug­te Dienst­stel­le in Ange­le­gen­hei­ten, die sie oder ihre Beschäf­tig­ten betref­fen, den bei ihr gebil­de­ten Per­so­nal­rat. Die Schu­len sind Dienst­stel­len, bei denen ein Schul­per­so­nal­rat gebil­det wird (§ 94 Abs. 1, § 95 Abs. 1 Satz 1 NPers­VG). § 79 Abs. 2 NPers­VG bestimmt, dass die zur Ent­schei­dung befug­te über­ge­ord­ne­te Dienst­stel­le in Ange­le­gen­hei­ten, die nicht nur sie oder die bei ihr Beschäf­tig­ten betref­fen, die bei ihr gebil­de­te und für den betrof­fe­nen Bereich zustän­di­ge Stu­fen­ver­tre­tung betei­ligt. Für die öffent­li­chen Schu­len sind als Stu­fen­ver­tre­tun­gen im Sin­ne von § 79 Abs. 2 NPers­VG die Schul­be­zirks­per­so­nal­rä­te im Gebiet jedes der bis zum 31. Dezem­ber 2004 bestehen­den Regie­rungs­be­zir­ke gebil­det (§ 95 Abs. 2 Satz 1 NPers­VG).

Nach § 79 Abs. 1 und 2 NPers­VG ist die Fra­ge, ob der Per­so­nal­rat oder die Stu­fen­ver­tre­tung zu betei­li­gen ist, aus­schließ­lich danach zu ent­schei­den, wel­che Dienst­stel­le zur Ent­schei­dung befugt ist 1.

Nach § 79 Abs. 2 NPers­VG tritt in den Fäl­len, in denen die über­ge­ord­ne­te Dienst­stel­le zur Ent­schei­dung befugt ist und die nicht nur sie oder die bei ihr Beschäf­tig­ten betref­fen, die Stu­fen­ver­tre­tung an die Stel­le des (ört­li­chen) Per­so­nal­rats. In die­sen Fäl­len ist die Stu­fen­ver­tre­tung die zustän­di­ge und ver­ant­wort­li­che Per­so­nal­ver­tre­tung mit allen Rech­ten und Pflich­ten, die sonst für den Per­so­nal­rat maß­geb­lich sind (§ 79 Abs. 8 Nds­Pers­VG) 2. Die Ein­schal­tung des Per­so­nal­rats ist in § 79 Abs. 4 NPers­VG gere­gelt, nach des­sen Satz 1 die Stu­fen­ver­tre­tung den zustän­di­gen Per­so­nal­rä­ten Gele­gen­heit zur Äuße­rung gibt, bevor sie nach Absatz 2 in Ange­le­gen­hei­ten beschließt, die ein­zel­ne Beschäf­tig­te oder Dienst­stel­len betref­fen. Die Antrag­stel­le­rin kann nicht mit Erfolg ein­wen­den, der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat habe den Schul­per­so­nal­rat des abge­ben­den Gym­na­si­ums B. nicht ord­nungs­ge­mäß ange­hört. Aller­dings hat der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat den Schul­per­so­nal­rat des Gym­na­si­ums B. mit Anschrei­ben vom 16. Dezem­ber 2009 gebe­ten, sich zu der beab­sich­tig­ten Abord­nung ohne Frist­set­zung zu äußern, eine Äuße­rung jedoch nicht abge­war­tet, son­dern am sel­ben Tag mit Anschrei­ben an die Antrags­geg­ne­rin die Zustim­mung zur Abord­nung der Antrag­stel­le­rin erteilt. Es kann jedoch dahin­ste­hen, ob der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat damit sei­ne Anhör­ver­pflich­tung ver­letzt hat, zumal der Schul­per­so­nal­rat des Gym­na­si­ums B. mit Schrei­ben vom 22. Dezem­ber 2009 der Abord­nung der Antrag­stel­le­rin nicht zuge­stimmt hat, oder ob der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat auf eine (erneu­te) Äuße­rung des Schul­per­so­nal­rats ver­zich­ten durf­te, weil die­ser bereits im zunächst ange­streb­ten Ver­set­zungs­ver­fah­ren ableh­nend Stel­lung genom­men hat­te und weil anschlie­ßend im Nicht­ei­ni­gungs­ver­fah­ren zwi­schen dem Schul­be­zirks­per­so­nal­rat und der Antrags­geg­ne­rin die Abord­nung der Antrag­stel­le­rin als gegen­über der Ver­set­zung mil­de­re Maß­nah­me in Aus­sicht gestellt wor­den war.

Denn die Nicht­er­fül­lung der Anhör­ver­pflich­tung des ört­li­chen Per­so­nal­rats beein­träch­tigt nicht die Wirk­sam­keit der Ent­schei­dung der Stu­fen­ver­tre­tung. Der Betrof­fe­ne hat bei einem sol­chen inter­nen Ver­fah­rens­man­gel kei­nen recht­li­chen Ansatz, eine Maß­nah­me der Dienst­stel­le anzu­fech­ten. Der Anspruch des Per­so­nal­rats der nach­ge­ord­ne­ten Dienst­stel­le auf Anhö­rung besteht nur gegen­über der Stu­fen­ver­tre­tung 3. Im Übri­gen wäre der Schul­be­zirks­per­so­nal­rat an die ableh­nen­de Stel­lung­nah­me des Schul­per­so­nal­rats nicht gebun­den gewe­sen 4.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Mai 2010 – 5 ME 54/​10

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 21.12.2001 – 6 P 1.01[]
  2. vgl. Dembowski/​Ladwig/​Sellmann, Das Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht in Nie­der­sach­sen, § 79 Rn. 11, 32[]
  3. vgl. zum Gan­zen: Dembowski/​Ladwig/​Sellmann, a.a.O., § 79 Rn. 20 m.w.N.[]
  4. vgl. Dembowski/​Ladwig/​Sellmann, a.a.O., § 79 Rn. 19 m.w.N.[]