Der selb­stän­dig weg­rol­len­de Bun­des­wehr-Mer­ce­des

Ein Sol­dat, des­sen Dienst­fahr­zeug Mer­ce­des Benz Vito mit nicht voll­stän­dig ange­zo­ge­ner Fuß­fest­stell­brem­se weg­ge­rollt und ver­un­fallt ist, muss den Scha­den nicht erset­zen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz urteil­te, der Sol­dat habe nicht grob fahr­läs­sig gehan­delt, da die Fuß­fest­stell­brem­se eines Vito erst bei unge­wöhn­lich hohem Auf­wand grei­fe und er mit die­ser Beson­der­heit nicht ver­traut gewe­sen sei.

Der selb­stän­dig weg­rol­len­de Bun­des­wehr-Mer­ce­des

Der Klä­ger fuhr als Zeit­sol­dat einen Mer­ce­des Benz Vito als Mili­tär­fahr­zeug auf dem Flie­ger­horst Büchel. Auf leicht abschüs­si­gem Gelän­de park­te er das Fahr­zeug und zog die Fuß­fest­stell­brem­se über etwa vier oder fünf Ras­ten an. Nach­dem er das Auto ver­las­sen hat­te, roll­te es los und kol­li­dier­te mit einem Uni­mog. Der Bund ver­lang­te dar­auf­hin vom Klä­ger 2.875,93 € Scha­dens­er­satz, da er die Brem­se nicht aus­rei­chend fest ange­zo­gen habe. Dage­gen leg­te der Klä­ger erfolg­los Beschwer­de ein und erhob anschlie­ßend Kla­ge zum Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz. Er macht gel­tend, dass die Fest­stell­brem­se tech­nisch man­gel­haft sei.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben: Ein Sol­dat haf­te nur für einen Scha­den, der er vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig ver­ur­sacht habe. Grob fahr­läs­sig habe sich der Klä­ger aber nicht ver­hal­ten. Die Fuß­fest­stell­brem­se des Mer­ce­des Benz Vito habe näm­lich die Beson­der­heit, erst nach min­des­tens acht Ras­ten die Räder zu blo­ckie­ren. Dafür müss­te ein Gewicht von etwa 30 kg auf die Brem­se aus­ge­übt wer­den. Dies sei unüb­lich. Damit habe der Klä­ger nicht rech­nen müs­sen, da er auf die­sem Fahr­zeug­typ nicht ein­ge­wie­sen wor­den sei und mit dem Vito bis dahin auch nur wenig Fahr­pra­xis gehabt habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 27. Okto­ber 2010 – 2 K 147/​10.KO