Der Stel­len­plan und das Mit­wir­kungs­recht des Per­so­nal­rats

Das Mit­wir­kungs­recht des Per­so­nal­rats gemäß § 68 Abs. 2 Nr. 3 Brbg­Pers­VG be­steht im Hin­blick auf den Stel­len­plan­ent­wurf ohne Rück­sicht dar­auf, ob die­ser in sei­nen Ein­zel­an­sät­zen ge­gen­über dem Stel­len­plan des lau­fen­den Haus­halts­jah­res Ab­wei­chun­gen vor­sieht.

Der Stel­len­plan und das Mit­wir­kungs­recht des Per­so­nal­rats

Der in § 68 Abs. 2 Nr. 3 Brbg­Pers­VG ver­wen­de­te Begriff der „Per­so­nal­an­for­de­run­gen zum Haus­halts­vor­anschlag” nimmt Bezug auf das Ver­fah­ren der Haus­halts­auf­stel­lung. Der Haus­halts­plan des Lan­des wird durch Haus­halts­ge­setz, der­je­ni­ge einer Gemein­de durch Haus­halts­sat­zung fest­ge­stellt (§ 1 Satz 1 Brb­gL­HO, § 65 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Brbg­KVerf). Die Beschluss­fas­sung erfolgt durch den Land­tag bzw. die Gemein­de­ver­tre­tung auf der Grund­la­ge eines von der Lan­des­re­gie­rung bzw. vom Haupt­ver­wal­tungs­be­am­ten vor­zu­le­gen­den Ent­wurfs (§ 30 Satz 1 Brb­gL­HO bzw. § 67 Abs. 2 Satz 1, Abs. 4 Brbg­KVerf). Inner­halb der Exe­ku­ti­ve des Lan­des wird der Ent­wurf durch das Minis­te­ri­um der Finan­zen auf der Grund­la­ge von Vor­anschlä­gen der für die Ein­zel­plä­ne zustän­di­gen Stel­len auf­ge­stellt und von der Lan­des­re­gie­rung beschlos­sen (§ 27 Abs. 1 Satz 1, § 28 Abs. 1 Satz 2, § 29 Abs. 1 Satz 1 Brb­gL­HO). Inner­halb der Gemein­de­ver­wal­tung obliegt die Auf­stel­lung des Ent­wurfs dem Käm­me­rer; sei­ne Fest­stel­lung obliegt dem Haupt­ver­wal­tungs­be­am­ten (§ 67 Abs. 1 Brbg­KVerf). Auf bei­den Ebe­nen gilt der Grund­satz, dass im Ent­wurf sämt­li­che vor­ge­se­he­nen Aus­ga­ben- und Ver­pflich­tungs­er­mäch­ti­gun­gen auf­zu­füh­ren sind (§ 11 Abs. 2 Brb­gL­HO, § 66 Abs. 1 Brbg­KVerf). Dem Lan­des- bzw. Kom­mu­nal­haus­halts­recht ist eine Dif­fe­ren­zie­rung von Haus­halts­un­ter­la­gen anhand des Kri­te­ri­ums, ob die jeweils vor­ge­schla­ge­nen Ein­zel­an­sät­ze Abwei­chun­gen gegen­über dem lau­fen­den Haus­halts­jahr auf­wei­sen, fremd. Vor die­sem Hin­ter­grund liegt ein Ver­ständ­nis, wonach von „Per­so­nal­an­for­de­run­gen zum Haus­halts­vor­anschlag” nur im Fal­le vor­ge­se­he­ner Stel­len­meh­run­gen die Rede sein kön­ne, von vor­ne­her­ein fern.

§ 68 Abs. 2 Nr. 3 Brbg­Pers­VG zielt dar­auf, dem Per­so­nal­rat die Gele­gen­heit zu ver­schaf­fen, im Rah­men des Haus­halts­auf­stel­lungs­ver­fah­rens die Beschäf­tig­ten­in­ter­es­sen zu Gehör zu brin­gen. In aller Regel wer­den die Beschäf­tig­ten­in­ter­es­sen dann, wenn die Dienst­stel­le Stel­len­meh­run­gen vor­schlägt, weni­ger nach­tei­lig berührt sein, als wenn die Dienst­stel­le auf einen sol­chen Vor­schlag ver­zich­tet oder sogar Stel­len­min­de­run­gen vor­schlägt. Eine Beschrän­kung der Mit­wir­kung auf den Fall von Stel­len­meh­run­gen wäre daher mit Sinn und Zweck der Vor­schrift nicht in Ein­klang zu brin­gen.

Die bis­he­ri­ge Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­recht­spre­chung steht die­sem Befund nicht ent­ge­gen. Zwar heißt es in dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­be­schluss vom 02.03.1983 in Bezug auf die ver­gleich­ba­re Vor­schrift des § 82 Abs. 2 Satz 1 Pers­VG RP a.F., der Per­so­nal­rat sei zur „Fra­ge des per­so­nel­len (…) Mehr­be­darfs” anzu­hö­ren1. Hier­mit ist jedoch nicht zum Aus­druck gebracht wor­den, jen­seits der Fäl­le einer Anmel­dung per­so­nel­len Mehr­be­darfs grei­fe die betref­fen­de Vor­schrift nicht. Auch die nach­fol­gen­de Ent­schei­dungs­pra­xis des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts lässt sich nicht in die­sem Sin­ne ver­ste­hen2.

§ 92 Abs. 1 Satz 1 Brbg­Pers­VG ist nicht anwend­bar. Das Mit­wir­kungs­be­geh­ren des Antrag­stel­lers bezieht sich nicht auf die Beschluss­fas­sung der Gemein­de­ver­tre­tung über die Haus­halts­sat­zung, son­dern auf das vor­ge­la­ger­te, ver­wal­tungs­in­ter­ne Ver­fah­rens­sta­di­um. Der Ent­schei­dungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gemein­de­par­la­ments, die mit § 92 Abs. 1 Satz 1 Brbg­Pers­VG geschützt wer­den soll3, kann hier nicht berührt sein.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Sep­tem­ber 2013 – 6 P 9.13

  1. BVerwG, Beschluss vom 02.03.1983 – 6 P 12.80, Buch­holz 238.38 § 82 RPPers­VG Nr. 1 S. 2
  2. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 23.01.2002 – 6 P 5.01, inso­weit nicht abge­druckt in Buch­holz 250 § 68 BPers­VG Nr. 17; und vom 30.08.2005 – 6 PB 11.05 – juris Rn. 4 f.
  3. vgl. LT-Drs. 1/​2089 S. 16 f.
  4. BGBl I S. 3926