Der über­be­zahl­te Beam­te

Weiß ein Beam­ter, dass er zu Unrecht Bezü­ge erhält, so gibt die Bil­lig­keit regel­mä­ßig auch bei einem erheb­li­chen Ver­schul­den der Behör­de an der Über­zah­lung kei­nen Anlass, teil­wei­se von der Rück­for­de­rung abzu­se­hen oder dazu Ermes­sens­er­wä­gun­gen anzu­stel­len.

Der über­be­zahl­te Beam­te

Dies ent­schied jetzt das Ham­bur­gi­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in einem Rechts­streit eines Poli­zei­haupt­kom­miss­sars um die Rück­zah­lung dop­pelt gezahl­ter Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlä­ge. Die Per­so­nal­ver­wal­tung der Lan­des­po­li­zei­ver­wal­tung hat an den Klä­ger in dem Zeit­raum vom 1. April 1997 bis 31. Dezem­ber 2004 Bezü­ge in einer Gesamt­hö­he von 9.803,53 € über­zahlt, die aus einer Dop­pel­zah­lung von Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlä­gen ent­stan­den sind.

Aller­dings ist der Klä­ger im Sin­ne des ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen­den § 818 Abs. 3 BGB ent­rei­chert. Denn die monat­li­chen Über­zah­lungs­be­trä­ge erfolg­ten nur in einer Höhe bis 105,28 €. Bei Beträ­gen die­ser Grö­ßen­ord­nung ist ange­sichts des Ein­kom­mens des Klä­gers anzu­neh­men, dass sie der Beam­te im Rah­men sei­ner nor­ma­len Lebens­füh­rung ver­braucht 1.

Jedoch kann sich der Klä­ger nach § 12 Abs. 2 Satz 2 BBesG nicht auf sei­ne Ent­rei­che­rung beru­fen. Denn das Feh­len eines Rechts­grun­des für die dop­pel­te Aus­zah­lung des „Ver­hei­ra­te­ten­zu­schla­ges“ war so offen­sicht­lich, dass der Klä­ger die Rechts­grund­lo­sig­keit der Zah­lung hät­te erken­nen müs­sen. Inso­weit ist maß­geb­lich, ob der Emp­fän­ger den Man­gel des recht­li­chen Grun­des für die Zah­lung nur des­halb nicht erkannt hat, weil er die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt in unge­wöhn­lich hohem Maße außer acht gelas­sen hat 2. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung 3 ist es dem Beam­ten auf Grund sei­ner Treue­pflicht zuzu­mu­ten, die ihm aus­ge­hän­dig­ten Besol­dungs­mit­tei­lun­gen auf ihre Rich­tig­keit zu über­prü­fen und bei Unklar­hei­ten und in Zwei­fels­fäl­len nach­zu­fra­gen.

Dem Klä­ger hät­te bereits auf­fal­len müs­sen, dass er für März 1997 einen zusätz­li­chen Orts­zu­schlag in Höhe der hal­ben Dif­fe­renz zwi­schen dem Orts­zu­schlag der Stu­fe 1 und der Stu­fe 2 (den sog. Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag) erhal­ten hat­te. Denn ihm stand zuvor wäh­rend des Zeit­rau­mes vom Febru­ar 1994 bis Febru­ar 1997 wegen des Erzie­hungs­ur­laubs sei­ner bei der Deut­schen Bun­des­bahn beschäf­tig­ten Ehe­frau der vol­le Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag zu. Nach­dem sei­ne Ehe­frau ihre Beschäf­ti­gung wie­der auf­ge­nom­men hat­te, muss­te er mit einer Ver­rin­ge­rung und nicht – wie für März 1997 gesche­hen – mit einer Erhö­hung sei­nes „Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlags“ rech­nen. Inso­weit traf ihn auch eine beson­de­re Prü­fungs­pflicht, da sich sei­ne Besol­dungs­merk­ma­le wegen der von ihm mit Erklä­rung zum Orts­zu­schlag vom 10.03.1997 mit­ge­teil­ten Rück­kehr sei­ner Ehe­frau aus dem Erzie­hungs­ur­laub zum 23.02.1997 und dem Ende ihres Lohn­be­zu­ges zum 31.03.1997 geän­dert hat­ten. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 4 hat ent­schie­den, dass den Beam­ten bei einer Ver­än­de­rung der Besol­dungs­merk­ma­le eine erhöh­te Prü­fungs­pflicht trifft. Des­halb hät­te dem Klä­ger erst Recht auf­fal­len müs­sen, dass er ab April 1997 nicht nur wie im März 1997 neben dem hal­ben Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag den vol­len Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag erhielt, son­dern nun­mehr anders als bis Febru­ar 1997 den vol­len Ver­hei­ra­te­ten­zu­schlag dop­pelt erhielt.

Inso­weit ist davon aus­zu­ge­hen, dass nicht nur die von dem Klä­ger für den Zeit­raum ab Dezem­ber 2000 vor­ge­leg­ten Bezü­ge­mit­tei­lun­gen die Dop­pel­zah­lun­gen klar und ein­deu­tig aus­ge­wie­sen haben. Auch aus den nicht mehr vor­han­de­nen frü­he­ren Bezü­ge­mit­tei­lun­gen konn­te er die Dop­pel­zah­lun­gen ent­neh­men. Der Klä­ger hat in der Beru­fungs­ver­hand­lung selbst aus­ge­sagt, dass er die Dop­pel­zah­lun­gen nach dem von ihm anschei­nend 1998 geführ­ten Tele­fo­nat und dem angeb­li­chen Hin­weis des Sach­be­ar­bei­ters auf die Dop­pel­zah­lung anhand sei­ner dama­li­gen Besol­dungs­mit­tei­lun­gen fest­ge­stellt habe. Es besteht kein Anlass zu zwei­feln, dass die Dop­pel­zah­lun­gen auch auf den vor 2000 erstell­ten Bezü­ge­mit­tei­lun­gen aus­ge­wie­sen waren. Denn es ist des­halb zu den Dop­pel­zah­lun­gen gekom­men, weil die dama­li­ge Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­stel­le die Zah­lungs­an­wei­sung der Lan­des­po­li­zei­ver­wal­tung vom 11. März 1997, ab April den Orts­zu­schlag der Stu­fe 2 aus­zu­zah­len, umge­setzt hat, ohne zuvor die ursprüng­lich seit Febru­ar 2004 wegen des Erzie­hungs­ur­laubs der Ehe­frau des Klä­gers erfol­gen­de Zah­lung des Orts­zu­schlags der Stu­fe 2 zu been­den.

Nimmt man an, dass der Klä­ger weder wegen der Über­zah­lung nach­ge­fragt hat und er auch nicht in dem 1998 geführ­ten Tele­fo­nat auf die Dop­pel­zah­lung hin­ge­wie­sen wor­den ist, so hat er sei­ne Prü­fungs- und Nach­fra­ge­pflicht min­des­tens grob fahr­läs­sig ver­letzt, wenn er nicht sogar – was für die Fra­ge des „ sich Beru­fens auf die Ent­rei­che­rung“ dahin­ste­hen kann – erkannt hat­te, dass ihm die Dop­pel­zah­lun­gen nicht zustan­den. Da er die Über­zah­lun­gen hät­te erken­nen müs­sen, kann er sich nicht auf sei­ne Ent­rei­che­rung beru­fen.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 9. Mai 2011 – 1 Bf 103/​10

  1. vgl. VV zu § 12 BBesG 12.02.12; OVG Ham­burg, Urteil vom 12.02.2010 – 1 Bf 225/​09[]
  2. BVerwG, Urteil vom 25.11.1985, NVwZ 1986, 745[]
  3. BVerwG, Urteil vom 28.02.1985, NVwZ 1985, 907[]
  4. BVerwG, 28.06.1990, DÖD 1990, 301; Urteil vom 28.02.1985, a.a.O.; vgl. auch BVerwG, Urteil vom 26.05.1966, BVerw­GE 24, 148; vgl. auch OVG Ham­burg, Urteil vom 10.12.2009 – 1 Bf 144/​08, Nor­dÖR 2010, 209; Urteil vom 12.02.2010 – 1 Bf 225/​09[]