Der Vor­sitz im Per­so­nal­rat

Vor­sit­zen­der des Per­so­nal­rats kann nach dem Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz nur ein Grup­pen­spre­cher sein.

Der Vor­sitz im Per­so­nal­rat

Der Vor­sitz im Per­so­nal­rat ist nach dem Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz grund­sätz­lich von einem Grup­pen­spre­cher zu über­neh­men. Grup­pen­spre­cher sind die von den Ver­tre­tern jeder im Per­so­nal­rat ver­tre­te­nen Grup­pe (Beam­te, Arbeit­neh­mer, ggf. Sol­da­ten) gewähl­ten Vor­stands­mit­glie­der. Die­se kön­nen auf die Über­nah­me des Vor­sit­zes nicht ver­zich­ten. Außer­dem ist ein Mit­glied sowohl des Gesamt­per­so­nal­rats als auch des ört­li­chen Per­so­nal­rats bei zeit­gleich statt­fin­den­den Sit­zun­gen bei­der Gre­mi­en ver­hin­dert an der­je­ni­gen Sit­zung teil­zu­neh­men, für die es die Ladung spä­ter erhal­ten hat.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nahm der Antrag­stel­ler als Ersatz­mit­glied an Sit­zun­gen des Gesamt­per­so­nal­rats beim Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) teil. Er hält die im März 2018 durch­ge­führ­te Wahl des Vor­sit­zen­den die­ses Gre­mi­ums und sei­ne erneu­te Wahl im Sep­tem­ber 2018 eben­so wie die von dem Gre­mi­um in den Sit­zun­gen im März und Novem­ber 2018 gefass­ten Beschlüs­se für unwirk­sam.

Das im ers­ten und letz­ten Rechts­zug zustän­di­ge Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ent­schie­den, dass die Wahl des Vor­sit­zen­den des Gesamt­per­so­nal­rats beim BND im März 2018 man­gels Wähl­bar­keit des Betref­fen­den unwirk­sam war. Nach der gesetz­li­chen Rege­lung bestimmt der Per­so­nal­rat mit ein­fa­cher Mehr­heit, wel­ches Vor­stands­mit­glied den Vor­sitz über­nimmt (§ 32 Abs. 2 Satz 1 BPersVG). Da der Gewähl­te im März 2018 kein Mit­glied des Vor­stan­des des Gesamt­per­so­nal­rats war, durf­te er nicht zum Vor­sit­zen­den gewählt wer­den. Dies ist ein schwer­wie­gen­der und offen­kun­di­ger Feh­ler, der zur Unwirk­sam­keit der Wahl führt. Weil es damit kei­nen wirk­sam gewähl­ten Vor­sit­zen­den gab, ist der Gesamt­per­so­nal­rat ins­ge­samt nicht recht­lich hand­lungs­fä­hig gewe­sen, so dass auch die von ihm im März 2018 gefass­ten Beschlüs­se unwirk­sam sind.

Die erneu­te Wahl des­sel­ben Vor­sit­zen­den im Sep­tem­ber 2018 ist zwar wegen eines Geset­zes­ver­sto­ßes rechts­wid­rig. Der Betref­fen­de, der zum Zeit­punkt die­ser Wahl Ergän­zungs­vor­stand war, war erneut nicht wähl­bar. Denn die gesetz­lich fest­leg­te Über­nah­me des Vor­sit­zes durch ein Vor­stands­mit­glied ver­langt grund­sätz­lich, dass es sich bei die­sem um einen Grup­pen­spre­cher han­delt. Die­se haben die gesetz­li­che Pflicht, für den Vor­sitz zur Ver­fü­gung zu ste­hen, der sie sich nicht durch Ver­zicht auf das Amt ent­zie­hen kön­nen. Der schwer­wie­gen­de Feh­ler man­geln­der Wähl­bar­keit war hier aber nicht offen­kun­dig, weil die Mög­lich­keit eines Ver­zichts der Grup­pen­spre­cher auf den Vor­sitz in Tei­len der Fach­li­te­ra­tur befür­wor­tet wird und in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen war. Des­halb ist die Bestim­mung des Vor­sit­zen­den nicht unwirk­sam.

Sie führt daher auch nicht zur Unwirk­sam­keit der im Novem­ber 2018 gefass­ten Beschlüs­se des Gesamt­per­so­nal­rats. Der Senat hat über­dies kei­ne greif­ba­ren Anhalts­punk­te, dass sie ins­be­son­de­re des­we­gen unwirk­sam wären, weil für Mit­glie­der des Gesamt­per­so­nal­rats, die an einer zeit­gleich statt­fin­den­den Sit­zung des ört­li­chen Per­so­nal­rats als des­sen Mit­glie­der teil­ge­nom­men haben, kei­ne Ersatz­mit­glie­der gela­den wor­den sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 15. Mai 2020 – 5 P 3.19 und 5 P 5.19