Die ange­foch­te­ne Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung und der aus­ge­schie­de­ne Beam­te

Eine Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung erle­digt sich durch das Aus­schei­den des gemaß­re­gel­ten Beam­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis (§ 43 Abs. 2 VwVfG NRW, § 3 Abs. 1 LDG NRW).

Die ange­foch­te­ne Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung und der aus­ge­schie­de­ne Beam­te

Ein Ver­wal­tungs­akt ver­liert sei­ne Rechts­wir­kun­gen u.a. dann, wenn er auf­grund einer nach­träg­li­chen Ände­rung der Sach- oder Rechts­la­ge sei­nen Rege­lungs­zweck nicht mehr errei­chen kann. Der Gel­tungs­an­spruch des Ver­wal­tungs­akts, der dar­auf gerich­tet ist, ein Rechts­ver­hält­nis zu begrün­den, auf­zu­he­ben, inhalt­lich zu ändern oder fest­zu­stel­len, muss erlo­schen sein.

Dies ist bei einer Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung der Fall, wenn der Beam­te aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus­schei­det. Durch die­ses Ereig­nis ver­liert die Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung ihren Gel­tungs­an­spruch, weil fest­steht, dass ihr Zweck nicht mehr erreicht wer­den kann. Das Aus­schei­den aus dem Beam­ten­ver­hält­nis lässt das dis­zi­pli­nar­recht­li­che Sank­ti­ons­be­dürf­nis ent­fal­len.

Der Zweck des Dis­zi­pli­nar­rechts besteht dar­in, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung und das Anse­hen des öffent­li­chen Diens­tes auf­recht­zu­er­hal­ten und wie­der­her­zu­stel­len. Daher wer­den Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men im Unter­schied zu Kri­mi­nal­stra­fen nicht ver­hängt, um began­ge­nes Unrecht zu ver­gel­ten.

Viel­mehr sol­len die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men des Ver­wei­ses, der Geld­bu­ße und der Kür­zung der Dienst­be­zü­ge, die durch Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung aus­ge­spro­chen wer­den, den akti­ven Beam­ten die Bedeu­tung der ver­letz­ten Dienst­pflich­ten für die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung vor Augen füh­ren und sie dazu anhal­ten, sich künf­tig pflicht­ge­mäß zu ver­hal­ten. Sie sind dar­auf gerich­tet, den ord­nungs­ge­mä­ßen Betrieb der öffent­li­chen Ver­wal­tung sicher­zu­stel­len und wei­te­re Funk­ti­ons- oder Anse­hens­be­ein­träch­ti­gun­gen zu ver­mei­den 1.

Aus die­sem Grund steht der Gel­tungs­an­spruch von Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gun­gen unter dem Vor­be­halt, dass die gemaß­re­gel­ten Betrof­fe­nen wei­ter­hin die beam­ten­recht­li­chen Pflich­ten zu beach­ten haben. Dies ist nicht mehr der Fall, wenn sie aus dem Beam­ten­ver­hält­nis aus­ge­schie­den sind. Ein frü­he­rer Beam­ter kann nicht mehr gemahnt wer­den, Pflich­ten zu beach­ten, die für ihn nicht mehr gel­ten. Er kann auch nicht mehr die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der öffent­li­chen Ver­wal­tung oder das Anse­hen des öffent­li­chen Diens­tes beein­träch­ti­gen.

Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag

Der Antrag, die Rechts­wid­rig­keit der erle­dig­ten Dis­zi­pli­nar­ver­fü­gung fest­zu­stel­len, ist als nach­ran­gi­ges Begeh­ren in dem wei­ter­ge­hen­den Auf­he­bungs­an­trag ent­hal­ten 2. Der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag ändert weder das Rechts­schutz­ziel noch den Sach- und Streit­stoff des Revi­si­ons­ver­fah­rens 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – 2 C 1.2013 -

  1. BVerwG, Urtei­le vom 23.01.1973 – 1 D 25.72, BVerw­GE 46, 64, 66 f.; vom 05.05.1998 – 1 D 12.97 19, inso­weit nicht ver­öf­fent­licht in Buch­holz 232 § 54 Satz 2 BBG Nr. 16; Beschluss vom 13.10.2005 – 2 B 19.05, Buch­holz 235.1 § 15 BDG Nr. 2 Rn. 5[]
  2. BVerwG, Urteil vom 28.04.2005 – 2 C 1.04, BVerw­GE 123, 308, 312 = Buch­holz 240 § 72a BBesG Nr. 1 S. 3 f.[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 02.07.1982 – 8 C 101.81, BVerw­GE 66, 75, 78 = Buch­holz 448.11 § 43 ZDG Nr. 2 S. 3 f.; vom 21.10.1993 – 6 C 12.92, Buch­holz 421.0 Prü­fungs­we­sen Nr. 320 S. 306; und vom 15.12 2011 – 2 C 44.10 – juris Nr. 8[]