Die Aus­bil­dung als ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­zeit

Wel­che Aus­bil­dung im Sin­ne des § 12 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG vor­ge­schrie­ben ist und ob sie eine in ers­ter Linie gefor­der­te all­ge­mei­ne Schul­bil­dung mit der Fol­ge ersetzt, dass sie nach § 12 Abs. 1 Satz 2 BeamtVG nicht als ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­zeit berück­sich­tigt wer­den kann, bestimmt sich nach den lauf­bahn­recht­li­chen Rege­lun­gen zur Zeit der Ableis­tung der jewei­li­gen Aus­bil­dung.

Die Aus­bil­dung als ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­zeit

Im Beam­ten­ver­sor­gungs­recht ist grund­sätz­lich das bei Ein­tritt des Ver­sor­gungs­falls gel­ten­de Recht maß­geb­lich 1. Nach § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BeamtVG 2 kann die nach Voll­endung des 17. Lebens­jah­res ver­brach­te Min­dest­zeit der außer der all­ge­mei­nen Schul­bil­dung vor­ge­schrie­be­nen Aus­bil­dung als ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­zeit berück­sich­tigt wer­den. Wird aber die all­ge­mei­ne Schul­bil­dung durch eine ande­re Art der Aus­bil­dung ersetzt, so steht die­se nach § 12 Abs. 1 Satz 2 BeamtVG mit der Fol­ge der Schul­bil­dung gleich, dass die­se Zeit nicht zu berück­sich­ti­gen ist.

Die Fra­ge, ob der betref­fen­de Bewer­ber in das Beam­ten­ver­hält­nis beru­fen wer­den kann (§ 7 BBG und § 7 BeamtStG), bestimmt sich nach den zum Zeit­punkt der Ernen­nung gel­ten­den Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re den lauf­bahn­recht­li­chen Rege­lun­gen. Dage­gen ist für die Fra­ge der Berück­sich­ti­gung von Zei­ten als ruhe­ge­halt­fä­hig nach Maß­ga­be von § 12 Abs. 1 Satz 1 und 2 BeamtVG das zur Zeit der jewei­li­gen Aus­bil­dung maß­geb­li­che Recht ent­schei­dend. Wel­che Aus­bil­dung im Sin­ne des § 12 Abs. 1 BeamtVG vor­ge­schrie­ben ist und ob sie eine in ers­ter Linie gefor­der­te all­ge­mei­ne Schul­bil­dung ersetzt, ergibt sich aus den lauf­bahn­recht­li­chen Rege­lun­gen zur Zeit der Ableis­tung der jewei­li­gen Aus­bil­dung 3. Durch die Berück­sich­ti­gung der nach Voll­endung des 17. Lebens­jah­res ver­brach­ten Min­dest­zeit der außer der all­ge­mei­nen Schul­bil­dung vor­ge­schrie­be­nen Aus­bil­dungs­zei­ten oder Zei­ten prak­ti­scher haupt­be­ruf­li­cher Tätig­kei­ten sol­len die Unter­schie­de aus­ge­gli­chen wer­den, die dadurch ent­ste­hen könn­ten, dass für ein­zel­ne Lauf­bah­nen einer Lauf­bahn­grup­pe eine län­ge­re Aus­bil­dung als für ande­re Lauf­bah­nen oder eine prak­ti­sche haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit vor­ge­schrie­ben ist. Auf die­se Wei­se sol­len Nach­tei­le der Lauf­bahn­ver­zö­ge­rung durch Erfül­lung der vor­ge­schrie­be­nen Lauf­bah­ner­for­der­nis­se gegen­über sol­chen Beam­ten ver­mie­den wer­den, die unmit­tel­bar nach dem Schul­ab­schluss in das Beam­ten­ver­hält­nis ein­tre­ten und damit bereits von einem frü­he­ren Zeit­punkt an ruhe­ge­halt­fä­hi­ge Dienst­zei­ten erwer­ben kön­nen. Ent­schei­dend ist, dass der Beam­te nicht in der Lage war, die durch die vor­ge­schrie­be­ne Aus­bil­dung oder haupt­be­ruf­li­che Tätig­keit ent­ste­hen­de Ver­zö­ge­rung zu ver­mei­den, so dass auf die Vor­schrif­ten abzu­stel­len ist, die zur Zeit der Aus­bil­dung gal­ten 4.

Dabei ist zu beach­ten, dass die Rege­lun­gen des § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BeamtVG inso­weit ein­heit­lich anzu­wen­den sind. Die Fra­ge, ob eine ande­re Art der Aus­bil­dung die all­ge­mei­ne Schul­aus­bil­dung ersetzt (z.B. das Erfor­der­nis des Real­schul­ab­schlus­ses durch den erfolg­rei­chen Abschluss der Haupt­schu­le sowie einer Berufs­aus­bil­dung), darf des­halb nicht iso­liert nach den zum Zeit­punkt der Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten beant­wor­tet wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Mai 2014 – 2 B 90.2013 -

  1. BVerwG, Urtei­le vom 25.08.2011 – 2 C 22.10, Buch­holz 239.1 § 5 BeamtVG Nr.20 Rn. 8; und vom 26.11.2013 – 2 C 17.12 – IÖD 2014, 66 Rn. 7[]
  2. in der Fas­sung des am 25.03.2010 in Kraft getre­te­nen Geset­zes zur Unter­stüt­zung der Fach­kräf­te­ge­win­nung im Bund und zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 15.03.2012, BGBl I S. 462[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 28.04.1983 – 2 C 97.81, Buch­holz 235 § 28 BBesG Nr. 8 S. 12; vom 26.09.1996 – 2 C 28.95, Buch­holz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 11 S. 4; vom 29.09.2005 – 2 C 33.04, Buch­holz 239.2 § 23 SVG Nr. 4 Rn. 9; und vom 11.12 2008 – 2 C 9.08, Buch­holz 239.1 § 12 BeamtVG Nr. 17 Rn. 21 sowie Beschlüs­se vom 20.07.1989 – 2 B 33.88, Rn. 4; und vom 05.12 2011 – 2 B 103.11, Rn. 11[]
  4. BVerwG, Urteil vom 28.04.1983 a.a.O.[]