Die befürch­te­te Bedeu­tungs­lo­sig­keit der eige­nen Pro­fes­sur

Ist gegen­über einem Pro­fes­sor ein Tätig­keits­ver­bot aus­ge­spro­chen wor­den, kann die Ernen­nung des Bewer­bers auf eine neu aus­ge­schrie­be­ne Stel­le im glei­chen Fach­be­reich nicht in sei­ne Beam­ten­rech­te ein­grei­fen. Weder aus dem Beam­ten­recht noch aus sei­ner Beru­fungs­ver­ein­ba­rung kann das Recht abge­lei­tet wer­den, ein wis­sen­schaft­li­ches Fach­ge­biet an einer Kli­nik allein zu ver­tre­ten.

Die befürch­te­te Bedeu­tungs­lo­sig­keit der eige­nen Pro­fes­sur

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag des Vor­ste­hers der Abtei­lung Gas­tro­en­te­ro­lo­gie und Endo­kri­no­lo­gie der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen (UMG) abge­wie­sen, mit dem die­ser die Beset­zung einer neu aus­ge­schrie­be­nen Stel­le im Bereich Gas­tro­en­te­ro­lo­gie ver­hin­dern woll­te. Der Antrag­stel­ler, der eine C4-Pro­fes­sur inne­hat, ist Vor­ste­her der Abtei­lung Gas­tro­en­te­ro­lo­gie und Endo­kri­no­lo­gie im Zen­trum Inne­re Medi­zin des Fach­be­reichs Medi­zin an der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen (Im Fol­gen­den: Antrags­geg­ne­rin). Der Antrag­stel­ler ist Kol­le­ge des der­zeit vor dem Land­ge­richt Göt­tin­gen im Rah­men des sog. Trans­plan­ta­ti­ons­skan­dals ange­klag­ten Aiman O. gewe­sen. Mit­te 2012 unter­sag­te die Antrags­geg­ne­rin dem Antrag­stel­ler unter Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung das Füh­ren sei­ner Dienst­ge­schäf­te und das Betre­ten sei­ner Dienst­räu­me bis auf Wei­te­res. Zur Begrün­dung führ­te sie an, es bestehe der Ver­dacht, der Antrag­stel­ler habe Pati­en­ten­da­ten mani­pu­liert, damit Pati­en­ten auf der für Organ­trans­plan­ta­tio­nen maß­geb­li­chen Rang­fol­ge wei­ter nach oben rutsch­ten. Im Okto­ber lei­te­te die Georg-August-Uni­ver­si­tät des­halb gegen den Antrag­stel­ler ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein, das der­zeit im Hin­blick auf gegen den Antrag­stel­ler geführ­te staats­an­walt­schaft­li­che Ermitt­lun­gen ruht.

Im August 2013 schrieb die Antrags­geg­ne­rin eine W 3 Pro­fes­sur im Fach Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, ver­bun­den mit der Lei­tung der Kli­nik für Gas­tro­en­te­ro­lo­gie II aus; das Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren ist abge­schlos­sen, die Ernen­nung eines Bewer­bers steht unmit­tel­bar bevor. Die Antrags­geg­ne­rin ver­bin­det die beab­sich­tig­te Neu­or­ga­ni­sa­ti­on mit dem Ziel, eines der von der Deut­schen Krebs­hil­fe e.V. geför­der­ten onko­lo­gi­schen Spit­zen­zen­tren in Deutsch­land zu wer­den.

Gegen die Ernen­nung hat der Antrag­stel­ler um vor­läu­fi­gen gericht­li­chen Rechts­schutz nach­ge­sucht. Er befürch­tet, die von ihm gelei­te­te Abtei­lung wer­de bei der beab­sich­tig­ten Stel­len­be­set­zung bedeu­tungs­los. Die Maß­nah­me füh­re dazu, dass ihm die Mög­lich­keit genom­men wer­de, ent­spre­chend sei­ner Beru­fungs­ver­ein­ba­rung mit der Antrags­geg­ne­rin ärzt­lich und wis­sen­schaft­lich tätig zu wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Göt­tin­gen grei­fe die Ernen­nung des Bewer­bers auf eine W 3 Pro­fes­sur im Fach Gas­tro­en­te­ro­lo­gie nicht in Beam­ten­rech­te des Antrag­stel­lers ein. Dies sei schon des­halb aus­ge­schlos­sen, weil ihm gegen­über ein Tätig­keits­ver­bot aus­ge­spro­chen wor­den sei, das sofort voll­zieh­bar sei. Weder aus dem Beam­ten­recht noch aus sei­ner Beru­fungs­ver­ein­ba­rung kön­ne der Antrag­stel­ler dar­über hin­aus das Recht ablei­ten, sein wis­sen­schaft­li­ches Fach­ge­biet an der Antrags­geg­ne­rin allein zu ver­tre­ten.

Schließ­lich sei mit der Ein­rich­tung der neu­en Abtei­lung und der Ernen­nung auf eine W 3 Pro­fes­sur eine Ände­rung der dem Antrag­stel­ler zuge­wie­se­nen wis­sen­schaft­li­chen Auf­ga­ben nicht ver­bun­den. Ins­ge­samt han­de­le es sich um eine ermes­sens­ge­rech­te Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­me der Antrags­geg­ne­rin, mit dem Ziel, ein onko­lo­gi­sches Spit­zen­zen­trum zu wer­den.

Daher hat das Ver­wal­tungs­ge­richt den Eil­an­trag abe­lehnt.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 13. Febru­ar 2014 – 1 B 273/​13