Die Beset­zung des Rich­ter-Dienst­ge­richts – und die Beam­ten des Lan­des­rech­nungs­hofs

In Fäl­len, in denen das Dienst­ge­richt des Bun­des über die Revi­si­on gegen ein Urteil eines Dienst­ge­richts der Län­der ent­schei­det (§ 62 Abs. 2 DRiG) und das Ver­fah­ren einen Lan­des­rich­ter betrifft, sind als nicht­stän­di­ge Bei­sit­zer Mit­glie­der des obers­ten Gerichts­hofs her­an­zu­zie­hen, dem das Gericht, dem der betrof­fe­ne Rich­ter ange­hört, im Instan­zen­zug nach­ge­ord­net ist.

Die Beset­zung des Rich­ter-Dienst­ge­richts – und die Beam­ten des Lan­des­rech­nungs­hofs

Betrifft – wie hier – das Ver­fah­ren vor dem Dienst­ge­richt des Bun­des nicht einen Rich­ter, son­dern einen Beam­ten (hier: den frü­he­ren Vize­prä­si­den­ten eines Lan­des­rech­nungs­ho­fes), kann § 61 Abs. 2 DRiG nicht unmit­tel­bar zur Anwen­dung kom­men. Wel­chem Bereich die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer in einem sol­chen Fall ange­hö­ren, ist im Deut­schen Rich­ter­ge­setz nicht abschlie­ßend gere­gelt. § 18 Abs. 2 BRHG regelt nur, dass in einem gemäß § 18 Abs. 1 BRHG gegen ein Mit­glied des Bun­des­rech­nungs­hofs gerich­te­ten Ver­fah­ren die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Dienst­ge­richts Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs sein müs­sen.

In ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 61 Abs. 2, § 122 Abs. 2 DRiG müs­sen in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren, das sich gegen ein Mit­glied eines Lan­des­rech­nungs­hofs rich­tet, die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer dem Per­so­nen­kreis ange­hö­ren, für den im Rech­nungs­hof­be­reich die Zustän­dig­keit der Rich­ter­dienst­ge­rich­te und eine Bun­des­zu­stän­dig­keit begrün­det ist. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen tref­fen nur für die gemäß § 18 Abs. 2 BRHG vom Gro­ßen Bun­des­ge­richts­hof des Bun­des­rech­nungs­hofs vor­ge­schla­ge­nen; und vom Prä­si­di­um des Bun­des­ge­richts­hofs bestimm­ten Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­hofs zu. Das Dienst­ge­richt des Bun­des ist dem­entspre­chend mit den bei­den Mit­glie­dern des Bun­des­rech­nungs­hofs als nicht­stän­di­gen Mit­glie­dern ord­nungs­ge­mäß besetzt.

Auf die­ser Rechts­grund­la­ge konn­te der Dienst­ge­richts­hof für Rich­ter des Lan­des Bran­den­burg des­sen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ange­glie­dert wer­den, auch wenn es sich dabei um ein gemein­sa­mes Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für die Län­der Bran­den­burg und Ber­lin han­delt. Dazu bedurf­te es kei­ner Ergän­zung des Staats­ver­trags. Die Befug­nis zur Anglie­de­rung des Bran­den­bur­gi­schen Dienst­ge­richts­hofs war dem Land Bran­den­burg näm­lich bereits in dem Staats­ver­trag vom 26.04.2004 ein­ge­räumt wor­den. Gemäß des­sen Art. 13 kön­nen, soweit die Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung lan­des­recht­li­che Rege­lun­gen zulässt, bei­de Län­der sol­che unab­hän­gig von­ein­an­der tref­fen. Davon hat das Land Bran­den­burg mit dem Gesetz zur Anglei­chung des Rich­ter­rechts in den Län­dern Ber­lin und Bran­den­burg vom 12.07.2011 1 Gebrauch gemacht. Das gemäß des­sen Art. 2 geän­der­te Bran­den­bur­gi­sche Rich­ter­ge­setz bestimmt in § 64 Abs. 2, dass der Dienst­ge­richts­hof bei dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin­Bran­den­burg errich­tet wird. Die orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­bin­dung des Dienst­ge­richts­hofs mit dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin­Bran­den­burg ist gemäß § 102 Satz 1 Bbg­RiG zum 1.01.2012 erfolgt.

Unbe­grün­det ist auch die Rüge, § 77 Abs. 1 DRiG set­ze eben­so wie § 187 Abs. 1 VwGO vor­aus, dass die Gerich­te, an denen die Dienst­ge­rich­te ein­ge­rich­tet wer­den, auf­grund des regio­na­len Sit­zes im jewei­li­gen Bun­des­land und des ein­fach­ge­setz­li­chen Errich­tungs­akts das Lan­des­recht des Sitz­lan­des anwen­den. Den genann­ten Vor­schrif­ten lässt sich eine der­ar­ti­ge Beschrän­kung des anzu­wen­den­den Rechts nicht ent­neh­men. Die Rich­ter­dienst­ge­rich­te sind mit Aus­nah­me des Dienst­ge­richts des Bun­des Gerich­te des jewei­li­gen Bun­des­lan­des und haben damit auch das jewei­li­ge Lan­des­recht anzu­wen­den. Auch der dem gemein­sa­men Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin­Bran­den­burg ange­glie­der­te Dienst­ge­richts­hof des Lan­des Bran­den­burg ist ein Lan­des­ge­richt (vgl. § 64 Abs. 1 und 2 Bbg­RiG) und hat des­halb das Recht des Lan­des Bran­den­burg und nicht das­je­ni­ge des Sitz­lan­des anzu­wen­den.

Der Dienst­ge­richts­hof hat dem beklag­ten Beam­ten auch nicht dadurch den gesetz­li­chen Rich­ter ent­zo­gen, dass an der Ent­schei­dung als Mit­glied des Lan­des­rech­nungs­ho­fes der Direk­tor beim Lan­des­rech­nungs­hof K. mit­ge­wirkt hat, obwohl er ori­gi­när kein Rich­ter­amt beklei­det.

Zwar müs­sen gemäß § 77 Abs. 2 Satz 2 DRiG alle Mit­glie­der des Dienst­ge­richts­hofs auf Lebens­zeit ernann­te Rich­ter sein. Die­se Vor­schrift bezieht sich jedoch ledig­lich auf Berufs­rich­ter im Lan­des­dienst, da gemäß § 2 DRiG die Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes, soweit nichts ande­res bestimmt ist, nur für Berufs­rich­ter gel­ten. Eine Rege­lung hin­sicht­lich der Beset­zung der Rich­ter­dienst­ge­rich­te in Mit­glie­der der Lan­des­rech­nungs­hö­fe betref­fen­den Ver­fah­ren ist nicht im Deut­schen Rich­ter­ge­setz, son­dern in den von den ein­zel­nen Län­dern erlas­se­nen Geset­zen über ihren jewei­li­gen Lan­des­rech­nungs­hof erfolgt.

Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat den Län­dern in dem bis 31.03.2009 gül­ti­gen § 134 BRRG Vor­ga­ben zum Sta­tus der Mit­glie­der der Lan­des­rech­nungs­hö­fe gemacht. Nach § 134 Satz 1 BRRG war den Mit­glie­dern der obers­ten Rech­nungs­prü­fungs­be­hör­den der Län­der die glei­che Unab­hän­gig­keit zu gewähr­leis­ten, wie sie die Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­ho­fes besit­zen. Dem ist das Land Bran­den­burg mit dem Gesetz über den Lan­des­rech­nungs­hof Bran­den­burg nach­ge­kom­men.

Gemäß § 3 Abs. 4 Satz 1 und 2 BRHG besit­zen die Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­ho­fes rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit; die für die Rich­ter an den obers­ten Gerichts­hö­fen des Bun­des gel­ten­den Vor­schrif­ten über Unab­hän­gig­keit und Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren sind ent­spre­chend anzu­wen­den. Gemäß § 18 Abs. 1 Satz 1 BRHG ist für Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gegen ein Mit­glied des Bun­des­rech­nungs­ho­fes das Dienst­ge­richt des Bun­des zustän­dig. § 18 Abs. 2 Satz 1 BRHG bestimmt, dass die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Dienst­ge­richts Mit­glie­der des Bun­des­rech­nungs­ho­fes sein müs­sen. Dem­entspre­chend besit­zen gemäß § 5 Abs. 1 Satz 1 LRHG die Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit. Die Vor­schrif­ten des Deut­schen Rich­ter­ge­set­zes für Rich­ter auf Lebens­zeit über das Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren gel­ten ent­spre­chend (§ 5 Abs. 1 Satz 4 LRHG). § 5 Abs. 2 Satz 1 LRHG bestimmt, dass in Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren die Rich­ter­dienst­ge­rich­te ent­schei­den. Gemäß § 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG sol­len die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sein.

§ 134 BRRG ist zwar mit Wir­kung vom 01.04.2009 durch § 63 Abs. 3 des Geset­zes zur Rege­lung des Sta­tus­rechts der Beam­tin­nen und Beam­ten in den Län­dern vom 17.06.2008 (Beam­ten­sta­tus­ge­setz; BeamtStG) auf­ge­ho­ben wor­den. Dies hat aber kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Gesetz über den Lan­des­rech­nungs­hof Bran­den­burg. Es ist all­ge­mein aner­kannt, dass eine im Zeit­punkt ihres Erlas­ses auf gesetz­li­cher Grund­la­ge ergan­ge­ne Rechts­ver­ord­nung nicht durch den Fort­fall der Ermäch­ti­gungs­vor­schrift in ihrer Gül­tig­keit berührt wird 2. Nichts ande­res gilt für eine lan­des­ge­setz­li­che Rege­lung, die auf einer bun­des­recht­li­chen Ermäch­ti­gung beruht 3. Dar­über hin­aus wur­den mit dem Inkraft­tre­ten des Beam­ten­sta­tus­ge­set­zes die Rege­lun­gen des Beam­ten­rechts­rah­men­ge­set­zes nur im Wesent­li­chen inhalt­lich abge­löst. Soweit das Beam­ten­sta­tus­ge­setz kei­ne erschöp­fen­de Rege­lung trifft, gilt das jewei­li­ge Lan­des­be­am­ten­ge­setz, des­sen Bestand durch den Weg­fall des Beam­ten­rechts­rah­men­ge­set­zes unbe­rührt bleibt 4. Eine erschöp­fen­de Rege­lung hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber hin­sicht­lich des Sta­tus der Mit­glie­der der Lan­des­rech­nungs­hö­fe nicht getrof­fen. Ins­be­son­de­re hat er die­se durch die Rege­lung in § 54 BeamtStG nicht der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit unter­stel­len wol­len. Eine § 134 BRRG ent­spre­chen­de Rege­lung ist nur des­halb nicht in das Beam­ten­sta­tus­ge­setz auf­ge­nom­men wor­den, weil hier­für eine Bun­des­kom­pe­tenz (vgl. Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG) nicht mehr bestand 5. Die Rege­lungs­kom­pe­tenz liegt nach Auf­he­bung des § 134 BRRG allein bei den Län­dern. § 5 LRHG hat daher wei­ter­hin Bestand. Die dem Geschäfts­ver­tei­lungs­plan des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin­Bran­den­burg vom 16.12 2011 ent­spre­chen­de Bei­zie­hung von Direk­tor beim Lan­des­rech­nungs­hof K. als nicht­stän­di­gem Bei­sit­zer ist damit nicht zu bean­stan­den.

Gemäß § 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG sol­len die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sein. Ist durch Ver­hin­de­rung des nicht­stän­di­gen Bei­sit­zers aus dem Kreis der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­hofs die Vor­schlags­lis­te erschöpft, so sind gemäß § 5 Abs. 2 Satz 9 LRHG nicht­stän­di­ge Bei­sit­zer aus der Vor­schlags­lis­te her­an­zu­zie­hen, die das Prä­si­di­um des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts auf­grund des § 68 Abs. 2 Satz 1 des Bran­den­bur­gi­schen Rich­ter­ge­set­zes auf­zu­stel­len hat.

Beam­te, die nicht Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sind, kön­nen nicht zu nicht­stän­di­gen Bei­sit­zern des Dienst­ge­richts­hofs bestimmt wer­den. Eine dahin­ge­hen­de Mög­lich­keit wird durch die Soll­vor­schrift des § 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG nicht eröff­net.

§ 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG i.d.F. vom 27.06.1991 bestimm­te in Anleh­nung an § 18 Abs. 2 BRHG, dass die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­hofs sein müs­sen. Mit Gesetz vom 22.06.2005 ist die­se Bestim­mung dahin geän­dert wor­den, dass die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sein sol­len. Gleich­zei­tig wur­de § 5 Abs. 2 LRHG durch Satz 9 ergänzt. Danach sind für den Fall, dass durch die Ver­hin­de­rung der nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer aus dem Kreis der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes die Vor­schlags­lis­te erschöpft ist, nicht­stän­di­ge Bei­sit­zer aus der Vor­schlags­lis­te her­an­zu­zie­hen, die das Prä­si­di­um des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts auf­grund des § 74 Abs. 1 Satz 2 Bbg­RiG auf­zu­stel­len hat. Die Rege­lung in § 5 Abs. 2 LRHG hat inzwi­schen nur inso­weit eine Ände­rung erfah­ren, als durch Art. 3 des Geset­zes zur Anglei­chung des Rich­ter­rechts in den Län­dern Ber­lin und Bran­den­burg vom 12.07.2011 die Anga­be "§ 74 Abs. 1 Satz 2" durch die Anga­be "§ 68 Abs. 2 Satz 1" ersetzt wur­de.

Mit der Ände­rung des § 5 Abs. 2 LRHG durch das Gesetz vom 22.06.2005 wur­de nicht die Mög­lich­keit eröff­net, Beam­te, die nicht zum Kreis der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes gehö­ren, als nicht­stän­di­ge Bei­sit­zer des Dienst­ge­richts­hofs zu bestim­men. Dies ergibt sich sowohl aus der Begrün­dung des Geset­zes zur Zusam­men­füh­rung von über­ört­li­cher Prü­fung und all­ge­mei­ner Kom­mu­nal­auf­sicht sowie zur Ände­rung des Lan­des­rech­nungs­hof­ge­set­zes und ande­rer Geset­ze 6 als auch dem Zusam­men­hang zwi­schen § 5 Abs. 2 Satz 4 und 9 LRHG.

In dem Gesetz­ent­wurf 7 wird zur Begrün­dung der Ände­rung des § 5 Abs. 2 LRHG zunächst als Pro­blem her­aus­ge­stellt, dass das Rich­ter­dienst­ge­richt mit zwei nicht­stän­di­gen Bei­sit­zern zu beset­zen ist, die jeweils Mit­glied des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sein müs­sen. Da bei einer Zusam­men­set­zung des Lan­des­rech­nungs­hofs von nur vier Mit­glie­dern die (dama­li­ge) Prä­si­den­tin und der Vize­prä­si­dent als Bei­sit­zer aus­schie­den, konn­ten für die Beset­zung des Rich­ter­dienst­ge­richts ledig­lich die bei­den ande­ren Mit­glie­der und kei­ne Ver­tre­ter für den Fall einer Ver­hin­de­rung vor­ge­schla­gen wer­den. Die­ses Pro­blem soll­te durch die Ände­rung in § 5 Abs. 2 Sät­ze 4 und 9 LRHG gelöst wer­den. Inso­weit ist in dem Gesetz­ent­wurf aus­ge­führt: "Die ord­nungs­ge­mä­ße Beset­zung des Rich­ter­dienst­ge­richts wird von vorn­her­ein sicher­ge­stellt, indem bei Ver­hin­de­rung der nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer aus den Rei­hen der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes auf die Vor­schlags­lis­te zurück­zu­grei­fen ist, die das Prä­si­di­um des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts auf­grund des § 74 Abs. 1 Satz 2 des Rich­ter­ge­set­zes des Lan­des Bran­den­burg auf­zu­stel­len hat. Dadurch ist eine ord­nungs­ge­mä­ße Beset­zung des Spruch­kör­pers auch im Hin­blick auf das Recht auf den gesetz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG) gesi­chert."

Die Rege­lung in § 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG, dass die nicht­stän­di­gen Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­hofs sein sol­len, ist daher wegen ihres Zusam­men­hangs mit § 5 Abs. 2 Satz 9 LRHG nicht dahin zu ver­ste­hen, dass Bei­sit­zer des Rich­ter­dienst­ge­richts auch Beam­te sein kön­nen, die nicht Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes sind. Viel­mehr wird damit zum Aus­druck gebracht, dass bei Ver­hin­de­rung des letz­ten nicht­stän­di­gen Bei­sit­zers aus dem Kreis der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes ein nicht­stän­di­ger Bei­sit­zer aus der Vor­schlags­lis­te des Prä­si­di­ums des Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richts her­an­zu­zie­hen ist. Damit soll Ver­tre­ter des ver­hin­der­ten Mit­glieds des Lan­des­rech­nungs­ho­fes nicht ein ande­rer Beam­ter des Lan­des­rech­nungs­ho­fes, son­dern ein Rich­ter der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit sein. Für die­sen Fall der Ver­tre­tung eines Mit­glieds des Lan­des­rech­nungs­hofs durch einen Rich­ter der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit war § 5 Abs. 2 Satz 4 LRHG von einer Muss- in eine Soll­Vor­schrift abzu­än­dern.

Der in der Beset­zung des Dienst­ge­richts­hofs mit Dr. J. als nicht­stän­di­gem Bei­sit­zer lie­gen­de abso­lu­te Revi­si­ons­grund führt ohne wei­te­res zur Auf­he­bung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Beru­fungs­ge­richt, ohne dass es auf die mit der Revi­si­on erho­be­nen wei­te­ren Rügen, ins­be­son­de­re des mate­ri­el­len Rechts, ankommt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Novem­ber 2013 – RiSt® 1/​13

  1. GVBl. – I Nr. 18[]
  2. BVerfGE 9, 3, juris Rn. 32[]
  3. vgl. BVerfGE 11, 192, juris Rn. 39 f.[]
  4. BT-Drs.16/4027, Sei­te 38[]
  5. BT-Drs. 16/​4027, Sei­te 38 f. zu § 64 Abs. 2 BeamtStG[]
  6. LTDrucks-. 4/​384[]
  7. LTDrucks-. 4/​384 S. 12[]