Die besol­dungs­recht­lich rele­van­te Vor­tä­tig­keit

Nach dem Ber­li­ner Besol­dungs­ge­setz kön­nen haupt­be­ruf­li­che Zei­ten, die nicht Vor­aus­set­zung für den Erwerb der Lauf­bahn­be­fä­hi­gung sind, ganz oder teil­wei­se aner­kannt wer­den, soweit die­se für die dienst­li­che Ver­wen­dung des Beam­ten för­der­lich sind. So kann bei einer Poli­zei­kom­mis­sa­rin eine Vor­tä­tig­keit als Flug­be­glei­te­rin besol­dungs­recht­lich als för­der­li­che Erfah­rungs­zeit ange­se­hen wer­den.

Die besol­dungs­recht­lich rele­van­te Vor­tä­tig­keit

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Behör­de ver­pflich­tet, den Antrag der Klä­ge­rin erneut zu prü­fen. Die 1981 gebo­re­ne Klä­ge­rin arbei­te­te ab 2003 für ein Jahr als Ange­stell­te am Flug­ha­fen Ber­lin-Schö­ne­feld. Von 2004 an absol­vier­te sie ein ein­mo­na­ti­ges Aus­bil­dungs­se­mi­nar zur Flug­be­glei­te­rin und arbei­te­te sodann als sol­che ins­ge­samt für etwa drei Jah­re bei ver­schie­de­nen Flug­ge­sell­schaf­ten. Zum 1. April 2009 ernann­te der Poli­zei­prä­si­dent in Ber­lin die Klä­ge­rin zur Beam­tin auf Wider­ruf, wobei sie in die Besol­dungs­grup­pe A 9 unter Zugrun­de­le­gung der sog. Erfah­rungs­stu­fe 1 ein­grup­piert wur­de. Den Antrag auf Anrech­nung der vor der Ernen­nung lie­gen­den Zei­ten beruf­li­cher Tätig­keit als för­der­li­che Erfah­rungs­zeit lehn­te der Poli­zei­prä­si­dent ab, da es am nöti­gen Zusam­men­hang zwi­schen der Tätig­keit als Flug­be­glei­te­rin und der­je­ni­gen als Poli­zei­kom­mis­sa­rin feh­le. Die Klä­ge­rin wand­te dage­gen u.a. ein, sie sei als Flug­be­glei­te­rin im Luft­ver­kehr mit Gefah­ren­si­tua­ti­on kon­fron­tiert gewe­sen, die auch im Rah­men der Poli­zei­voll­zug­s­tä­tig­keit auf­tre­ten könn­ten. Bereits im März 2013 hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­den, dass eine vor der Ein­stel­lung als Rich­ter aus­ge­üb­te Tätig­keit als Flug­be­glei­ter eine besol­dungs­recht­lich rele­van­te Erfah­rungs­zeit ist1.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung macht das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin deut­lich, dass nach dem Ber­li­ner Besol­dungs­ge­setz haupt­be­ruf­li­che Zei­ten, die nicht Vor­aus­set­zung für den Erwerb der Lauf­bahn­be­fä­hi­gung sei­en, ganz oder teil­wei­se aner­kannt wer­den könn­ten, soweit die­se für die dienst­li­che Ver­wen­dung des Beam­ten för­der­lich sei­en. För­der­lich sei­en ins­be­son­de­re sol­che Berufs­zei­ten, die für die Wahr­neh­mung der künf­ti­gen Dienst­auf­ga­ben von kon­kre­tem Inter­es­se sei­en.

Feh­ler­haft habe die Behör­de bei der Aus­le­gung des Geset­zes nur zugrun­de gelegt, ob die Klä­ge­rin Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten in ihrer Vor­dienst­zeit erwor­ben habe, die zu den prä­gen­den Lauf­bahn­an­for­de­run­gen gehör­ten. Der recht­li­che Rah­men sei hier aber wei­ter zu fas­sen, weil der Gesetz­ge­ber bei der Neu­fas­sung des Besol­dungs­rechts aus­drück­lich beab­sich­tigt habe, den Wech­sel von einer Berufs­tä­tig­keit außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes in eine Ver­wen­dung als Beam­ter attrak­ti­ver zu gestal­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund hät­te sich die Behör­de bei der Ermes­sens­aus­übung kon­kret nicht nur mit den erwor­be­nen Fremd­spra­chen­kennt­nis­sen, son­dern auch mit den durch die Vor­tä­tig­keit erwor­be­nen Stra­te­gi­en zur Kon­flikt­be­wäl­ti­gung an Bord aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Denn im Umgang mit sich regel­wid­rig ver­hal­ten­den und aggres­siv auf­tre­ten­den Pas­sa­gie­ren habe die Klä­ge­rin Situa­tio­nen zu bewäl­ti­gen gehabt, die durch­aus mit poli­zei­li­chem Han­deln ver­gleich­bar sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 10. Dezem­ber 2013 – VG 36 K 201.13

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 20.03.2013 – VG 7 K 302.12 []