Die Betei­li­gungs­rech­te des Gesamt­ver­trau­ens­per­so­nen­aus­schus­ses beim BMVg

Das Recht des Gesamt­ver­trau­ens­per­so­nen­aus­schus­ses aus § 38 Abs. 3 SBG, bei Grund­satz­re­ge­lun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung im per­so­nel­len, sozia­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich mit­zu­wir­ken, ver­leiht ihm kei­ne Betei­li­gungs- oder Über­wa­chungs­be­fug­nis im Ein­zel­fall.

Die Betei­li­gungs­rech­te des Gesamt­ver­trau­ens­per­so­nen­aus­schus­ses beim BMVg

Die ange­streb­te Ein­rich­tung einer Ein­satz­kan­ti­ne als bewirt­schaf­te­te Betreu­ungs­ein­rich­tung im Camp … unter­liegt nicht einem Betei­li­gungs­recht des GVPAs, weil die­se Maß­nah­me kei­ne Grund­satz­re­ge­lung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung dar­stellt.

Nach § 38 Abs. 3 Satz 1 SBG 2016 wird der GVPA bei Grund­satz­re­ge­lun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung im per­so­nel­len, sozia­len und orga­ni­sa­to­ri­schen Bereich ange­hört, soweit die­se Grund­satz­re­ge­lun­gen Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten betref­fen. Nach § 38 Abs. 3 Satz 3 SBG 2016 hat der GVPA bei Grund­satz­re­ge­lun­gen ein Vor­schlags- oder Mit­be­stim­mungs­recht, sofern die­ses Gesetz Ver­trau­ens­per­so­nen ein sol­ches ein­räumt. Den Ver­trau­ens­per­so­nen steht nach § 26 Abs. 3 SBG 2016 ein Mit­be­stim­mungs­recht zu bei Errich­tung, Ver­wal­tung und Auf­lö­sung von Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen eines Stand­or­tes oder Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen einer Trup­pen­un­ter­kunft (Nr. 2) und bei Maß­nah­men der außer­dienst­li­chen Betreu­ung und der Frei­zeit­ge­stal­tung für Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten sowie dienst­li­chen Ver­an­stal­tun­gen gesel­li­ger Art (Nr. 3). Die­ses Mit­be­stim­mungs­recht sah auch § 25 Abs. 3 Nr. 2 und 3 SBG a.F. vor. Unter Grund­satz­re­ge­lun­gen im Sin­ne des § 38 Abs. 3 SBG 2016 sind ins­be­son­de­re inner­dienst­li­che Anord­nun­gen zu ver­ste­hen, die für eine Viel­zahl von Fäl­len gel­ten soll. Das sind vor allem Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, die die rich­ti­ge, zweck­mä­ßi­ge und inhalt­li­che Aus­übung der Ver­wal­tungs­tä­tig­keit gewähr­leis­ten sol­len. Hier­zu gehö­ren u.a. Durch­füh­rungs­vor­schrif­ten, Richt­li­ni­en, Dienst­an­wei­sun­gen und Erlas­se. Von dem Betei­li­gungs­tat­be­stand sind damit alle Rege­lun­gen erfasst, die das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung in Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben und sei­ner Rech­te als Dienst­herr gegen­über allen Sol­da­ten, jeden­falls aber einer unbe­stimm­ten Anzahl von Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten trifft, ohne dass es auf ihre Form ankommt. Anord­nun­gen, die sich auf die Auf­ga­ben und Befug­nis­se bestimm­ter Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten eines bestimm­ten, eng begrenz­ten Krei­ses der­sel­ben bezie­hen, fal­len nicht unter die­sen Begriff [1].

In die­sem Sin­ne betei­li­gungs­pflich­ti­ge Grund­satz­re­ge­lun­gen für die Betreu­ung und Für­sor­ge im Ein­satz hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung mit der TK BeFürsBw und mit dem Zen­tral­er­lass B‑2640/​4 getrof­fen. Nach Nr. 3.03.1 TK BeFürsBw ist es die Auf­ga­be, mit einem fle­xi­blen Betreu­ungs­sys­tem bei unter­schied­li­chen Ein­satz­sze­na­ri­en und Rah­men­be­din­gun­gen im Ein­satz­ge­biet eine an die Bedürf­nis­se ange­pass­te Betreu­ung und Für­sor­ge sicher­zu­stel­len. Als Gene­ral­klau­sel for­mu­liert Nr. 105 ZE B‑2640/​4, dass Betreu­ung und Für­sor­ge im Aus­lands­ein­satz sich immer an die vor Ort befind­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen anzu­pas­sen hät­ten; dies kön­ne auch mit Ein­schrän­kun­gen in Art und Umfang der zur Ver­fü­gung gestell­ten Betreu­ungs­leis­tun­gen ver­bun­den sein. Die „bewirt­schaf­te­te Betreu­ung“ im Aus­lands­ein­satz umfasst nach Nr. 3.03.02.1 TK BeFürsBw und Nr. 301 ZE B‑2640/​4 vier Berei­che, näm­lich die Mar­ke­ten­der­wa­ren­ver­sor­gung, Ein­satz­kan­ti­nen, Neben­the­ken und Bord­kan­ti­nen. Zu den „bewirt­schaf­te­ten Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen“ gehö­ren die Ein­satz­kan­ti­nen und Bord­kan­ti­nen (Nr. 3.2 ZE B‑2640/​4). Nr. 307 ZE B‑2640/​4 sieht bei land­ge­bun­de­nen Aus­lands­ein­sät­zen die Bereit­stel­lung von bun­des­wehr­ei­ge­nen Ein­satz­kan­ti­nen vor, soweit die Rah­men­be­din­gun­gen des Aus­lands­ein­sat­zes die­ses zulas­sen. Über die Ein­rich­tung von Ein­satz­kan­ti­nen ent­schei­det das Ein­satz­füh­rungs­kom­man­do der Bun­des­wehr unter Beach­tung der Betei­li­gungs­rech­te auf Antrag für die Dau­er des Aus­lands­ein­sat­zes. Inso­weit ver­weist Nr. 307 Satz 6 ZE B‑2640/​4 auf die nor­ma­ti­ven Betei­li­gungs­tat­be­stän­de des Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­ge­set­zes. Nach Nr. 3.03.02.3 TK BeFürsBw und Nr. 310 – 312 ZE B‑2640/​4 kann die bewirt­schaf­te­te Betreu­ung im Aus­lands­ein­satz durch Koope­ra­tio­nen mit zivi­len Trä­gern ergänzt wer­den. Dar­in sind auch die Arbeits­ge­mein­schaf­ten von EAS/​KAS ein­ge­schlos­sen.

An die­sen Grund­satz­re­ge­lun­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung über Betreu­ung und Für­sor­ge von Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten im Ein­satz, die sich inhalt­lich auf eine unbe­stimm­te Viel­zahl von mög­li­chen Ein­satz­or­ten und Ein­satz­kon­stel­la­tio­nen bezie­hen, ist der GVPA jeweils betei­ligt wor­den. Aus ihnen ergibt sich aus­drück­lich die gene­rel­le Ermäch­ti­gung, unter Berück­sich­ti­gung der vor Ort im Ein­satz vor­han­de­nen und der zu beach­ten­den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für den jewei­li­gen Ein­satz­stand­ort Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen über die dort mög­li­che und erfor­der­li­che bewirt­schaf­te­te Betreu­ung zu tref­fen. Dazu gehört auch die Ent­schei­dung der Fra­ge, ob die Rah­men­be­din­gun­gen des kon­kre­ten Aus­lands­ein­sat­zes, nament­lich die per­so­nel­len Maß­ga­ben der Man­dats­ober­gren­ze und die ört­li­che Situa­ti­on im Camp, die Errich­tung einer bun­des­wehr­ei­ge­nen Ein­satz­kan­ti­ne zulas­sen oder ob – wie hier – nur eine Mar­ke­ten­der­wa­ren­ver­sor­gung als bewirt­schaf­te­te Betreu­ung mög­lich ist. Eben­falls eine rei­ne Fra­ge des Ein­zel­falls ist es, ob eine ergän­zen­de Ein­satz­be­treu­ung in Gestalt des OASEN-Ange­bots der kirch­li­chen Trä­ger EAS/​KAS zusätz­lich bereit­ge­stellt wer­den soll. Soweit sich das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung bei dem Aus­lands­ein­satz in … für eine Mar­ke­ten­der­wa­ren­ver­sor­gung und nach Betei­li­gung des Ein­satz­füh­rungs­kom­man­dos der Bun­des­wehr gegen eine Ein­satz­kan­ti­ne, hin­ge­gen für das Zusatz­an­ge­bot einer OASE ent­schie­den hat, ist damit – ent­ge­gen der Ansicht des GVPAs – kei­ne gene­rel­le Rege­lung für wei­te­re Aus­lands­ein­sät­ze ver­bun­den. Die­se Ein­zel­fall­ent­schei­dung stellt auch kei­ne Grund­satz­re­ge­lung im Sin­ne des § 38 Abs. 3 Satz 1 SBG 2016 dar. Ein Betei­li­gungs­recht des GVPAs nach § 38 Abs. 3 Satz 1, Satz 3 in Ver­bin­dung mit § 26 Abs. 3 Nr. 2 und 3 SBG 2016 besteht inso­weit nicht.

Ohne Erfolg macht der GVPA gel­tend, ihm ste­he eine Auf­fang­kom­pe­tenz für betei­li­gungs­pflich­ti­ge Maß­nah­men zu, wenn zum Zeit­punkt der Ent­schei­dung über die für einen künf­ti­gen Aus­lands­ein­satz vor­ge­se­he­ne bewirt­schaf­te­te Betreu­ung eine Betei­li­gung der Ver­tre­tungs­gre­mi­en oder Ver­trau­ens­per­so­nen am Ein­satz­ort noch nicht mög­lich sei. Mit sei­ner Rechts­auf­fas­sung ver­kennt der GVPA, dass die Betei­li­gungs­rech­te der Ver­trau­ens­per­so­nen, der Gre­mi­en der Ver­trau­ens­per­so­nen und der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen gesetz­lich abschlie­ßend gere­gelt sind. Eine Erwei­te­rung der Betei­li­gungs­rech­te ist auch nicht durch Aner­ken­nung einer Auf­fang­zu­stän­dig­keit mög­lich. Inso­weit kommt eine Ver­let­zung von Betei­li­gungs­rech­ten, die ein Betei­li­gungs­gre­mi­um behaup­tet, die aber im Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­ge­setz kei­ne Grund­la­ge fin­den, nicht in Betracht [2].

Im Übri­gen kön­nen nach Beginn eines Aus­lands­ein­sat­zes die dann vor Ort gewähl­ten Ver­trau­ens­per­so­nen bzw. Ver­trau­ens­per­so­nen­ver­samm­lun­gen (§§ 5358 SBG 2016) die Bereit­stel­lung einer Ein­satz­kan­ti­ne auf der Grund­la­ge von Nr. 307 ZE B‑2640/​4 bean­tra­gen und dar­über eine Ent­schei­dung unter Beach­tung ihrer Betei­li­gungs­rech­te aus § 26 Abs. 3 Nr. 2 SBG 2016 her­bei­füh­ren. Das in Nr. 307 Satz 6 ZE B‑2640/​4 vor­aus­ge­setz­te Mit­be­stim­mungs­recht der Ver­trau­ens­per­so­nen der Aus­lands­ein­hei­ten ändert jedoch nichts dar­an, dass das Ein­satz­füh­rungs­kom­man­do der Bun­des­wehr eine bun­des­wehr­ei­ge­ne Ein­satz­kan­ti­ne nur bereit­stel­len muss, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen des Aus­lands­ein­sat­zes dies zulas­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 30. Novem­ber 2017 – 1 WB 24.16

  1. Höges, in: Wolf/​Höges, SBG, Stand: März 2017, § 37 SBG a.F. Rn. 18, 19[]
  2. vgl. dazu im Ein­zel­nen BVerwG, Beschlüs­se vom 25.10.2011 – 1 WB 36.11, Buch­holz 449.7 § 23 SBG Nr. 9 Rn. 45; und vom 11.12 1991 – 6 P 5.91, Buch­holz 250 § 47 BPersVG Nr. 7[]