Der frei­ge­spro­che­ne Grund­schul­leh­rer – und die end­gül­ti­ge Ent­fer­nung aus dem Dienst

Ein Grund­schul­leh­rer, der zwar vom Vor­wurf des sexu­el­len Miss­brauchs Schutz­be­foh­le­ner frei­ge­spro­chen wor­den ist, darf aus dem Dienst end­gül­tig ent­fernt wer­den, wenn er zu Schü­le­rin­nen bei ver­schie­de­nen Gele­gen­hei­ten eine zu gro­ße kör­per­li­che Nähe her­ge­stellt hat und dadurch das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zum Dienst­herrn und zur All­ge­mein­heit gestört wor­den ist.

Der frei­ge­spro­che­ne Grund­schul­leh­rer – und die end­gül­ti­ge Ent­fer­nung aus dem Dienst

So hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Beru­fung eines Beam­ten gegen sei­ne vom Ver­wal­tungs­ge­richt Mei­nin­gen 1 aus­ge­spro­che­ne Ent­fer­nung aus dem Dienst ent­schie­den. Nach­dem das Land­ge­richt Erfurt den Grund­schul­leh­rer 2009 2 von dem Vor­wurf des sexu­el­len Miss­brauchs Schutz­be­foh­le­ner frei­ge­spro­chen hat­te, nahm der Frei­staat Thü­rin­gen dar­auf­hin das zuvor ein­ge­lei­te­te – wegen des Straf­ver­fah­rens aber zunächst aus­ge­setz­te – Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren wie­der auf. Die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Mei­nin­gen und des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts 3 auf eine Ent­fer­nung des Leh­rers aus dem Dienst ist vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 4 auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen wor­den. Dort war erneut über den Antrag des Frei­staats Thü­rin­gen zu ent­schei­den, den Leh­rer aus dem Dienst zu ent­fer­nen.

Zur Urteils­be­grün­dung hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt auf die durch den Beklag­ten geäu­ßer­te Kri­tik an der nach sei­ner Auf­fas­sung auch durch den Dienst­herrn beför­der­ten nega­ti­ven Medi­en­be­richt­erstat­tung zum Straf­ver­fah­ren hin­ge­wie­sen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt bewer­te­te die per­sön­li­che Ein­las­sung des Beklag­ten als den Beginn einer Selbst­re­fle­xi­on der ver­gan­ge­nen Ereig­nis­se. Gleich­wohl sei das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zum Dienst­herrn und zur All­ge­mein­heit soweit gestört, dass der – bis­her beur­laub­te – Beam­te end­gül­tig aus dem Dienst zu ent­fer­nen sei.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2015 – 8 DO 354/​15

  1. VG Mei­nin­gen, Urteil vom 06.12.2012 – 6 D 60011/​10 Me[]
  2. LG Erfurt – 130 Js 34647/​07 – 3KLjug.[]
  3. Thü­rin­ger OVG, Urteil vom 03.09.2013 – 8 DO 236/​13[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 05.05.2015 – 2 B 32.14[]