Die grob man­gel­haf­te Dienst­leis­tung eines Rechts­pfle­gers in Betreu­ungs­an­ge­le­gen­hei­ten

Die grob man­gel­haf­te Dienst­leis­tung eines Rechts­pfle­gers in Betreu­ungs­an­ge­le­gen­hei­ten recht­fer­tigt eine Kür­zung sei­ner Dienst­be­zü­ge.

Die grob man­gel­haf­te Dienst­leis­tung eines Rechts­pfle­gers in Betreu­ungs­an­ge­le­gen­hei­ten

Nach § 47 Abs. 1 BeamtStG begeht ein Beam­ter ein Dienst­ver­ge­hen, wenn er schuld­haft die ihm oblie­gen­den Pflich­ten ver­letzt. Gemäß § 34 Satz 1 und Satz 2 BeamtStG hat sich der Beam­te mit vol­lem per­sön­li­chem Ein­satz sei­nem Beruf zu wid­men und die ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben unei­gen­nüt­zig nach bes­tem Gewis­sen wahr­zu­neh­men. Dabei ist aber auch der fähigs­te und zuver­läs­sigs­te Beam­te Schwan­kun­gen sei­ner Arbeits­kraft unter­wor­fen und macht gele­gent­lich Feh­ler, die jede Ver­wal­tung ver­nünf­ti­ger­wei­se in Kauf neh­men muss 1. Die Pflicht zur ord­nungs­ge­mä­ßen Aus­übung des Diens­tes hat des­halb regel­mä­ßig eine im Gan­zen durch­schnitt­li­che Leis­tung zum Gegen­stand 2. Die­ser beam­ten­recht­li­chen Kern­pflicht genügt, wer als Beam­ter das ihm Mög­li­che und Zumut­ba­re leis­tet.

Die Dienst­leis­tungs­pflicht hat neben einer zeit­lich-ört­li­chen eine inhalt­li­che Kom­po­nen­te. Die Pflicht, sich mit vol­lem per­sön­li­chen Ein­satz dem Beruf zu wid­men, ver­letzt danach sowohl der Beam­te, der nicht zur vor­ge­schrie­be­nen Zeit an sei­nem Dienst­ort erscheint, als auch der­je­ni­ge, der sei­ne Arbeit in quan­ti­ta­ti­ver oder qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht schuld­haft, gar nicht oder grob man­gel­haft erfüllt. Um ein nach­läs­si­ges Gesamt­ver­hal­ten als pflicht­wid­rig im Sin­ne von § 47 Abs. 1 Satz 1 BeamtStG zu kenn­zeich­nen, bedarf es des Nach­wei­ses meh­re­rer eini­ger­ma­ßen gewich­ti­ger Män­gel der Arbeits­wei­se, die ins­ge­samt über das nor­ma­le Ver­sa­gen eines durch­schnitt­li­chen Beam­ten ein­deu­tig hin­aus­ge­hen und sich als ech­te Schuld von blo­ßem Unver­mö­gen abgren­zen las­sen 3. Nicht schuld­haf­te Man­gel­leis­tun­gen eines Beam­ten begrün­den kei­ne Dienst­pflicht­ver­let­zung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Janu­ar 2016 – 2 B 44.14

  1. BVerwG, Urteil vom 23.07.1991 – 1 D 40.90 – Dok­Ber B 1991, 261 Rn. 42 und Beschluss vom 09.11.2000 – 1 D 8.96 58[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 09.11.2000 – 1 D 8.96 58[]
  3. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 23.07.1991 – 1 D 40.90 – Dok­Ber B 1991, 261 Rn. 42; und vom 12.02.1992 – 1 D 2.91 – Dok­Ber B 1992, 147 Rn. 39 sowie Beschluss vom 09.11.2000 – 1 D 8.96 58[]