Die Höhe der Bei­hil­fe beim Stan­dard­ta­rif in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung

Der im Stan­dard­ta­rif pri­vat ver­si­cher­te Beam­te hat einen Anspruch auf die qua­li­ta­tiv glei­che medi­zi­ni­sche Betreu­ung wie ein im Nor­mal­ta­rif pri­vat ver­si­cher­ter Beam­ter; Unter­schie­de bestehen ledig­lich bei der Liqui­da­ti­on der erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen. Die Rege­lung in der rhein­land-pfäl­zi­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung, nach der die Gewäh­rung von Bei­hil­fe durch den Dienst­herrn im Krank­heits­fall eben­falls nur auf der Grund­la­ge der im Stan­dard­ta­rif vor­ge­se­he­nen redu­zier­ten Gebüh­ren­sät­ze für ärzt­li­che Leis­tun­gen bean­sprucht wer­den kann, ver­stößt nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht.

Die Höhe der Bei­hil­fe beim Stan­dard­ta­rif in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Schwer­be­hin­der­ten ent­schie­den, der die Höhe der Bei­hil­fe trotz sei­nes Stan­dard­ta­rifs nach dem Nor­mal­ta­rif bemes­sen haben woll­te, weil sei­ne behan­deln­den Ärz­te eine Abrech­nung nach dem Stan­dard­ta­rif abge­lehnt haben. Der Klä­ger, ein Lan­des­be­am­ter, hat­te gel­tend gemacht, auf­grund sei­ner Schwer­be­hin­de­rung inner­halb der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung auf den Stan­dard­ta­rif ange­wie­sen zu sein. Die­ser – bei­trags­güns­ti­ge­re – Tarif soll ins­be­son­de­re für Per­so­nen, die ansons­ten durch die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung aus Risi­ko­grün­den nicht oder nur zu ungüns­ti­gen Kon­di­tio­nen ver­si­chert wer­den könn­ten, eine zumut­ba­re Ver­si­che­rungs­mög­lich­keit schaf­fen. Der Arzt erhält bei einer Abrech­nung nach dem Stan­dard­ta­rif bei gleich­wer­ti­ger medi­zi­ni­scher Betreu­ung einen gerin­ge­ren Gebüh­ren­satz als im Fal­le eines im Nor­mal­ta­rif ver­si­cher­ten Pati­en­ten. Das rhein­land-pfäl­zi­sche Bei­hil­fe­recht sieht hier­zu vor, dass sich bei einer pri­va­ten Ver­si­che­rung nach dem Stan­dard­ta­rif auch die Berech­nung der dem Beam­ten vom Dienst­herrn zu gewäh­ren­den Bei­hil­fe im Krank­heits­fall – vor­lie­gend 50 v. H. der Arzt­kos­ten – nach dem redu­zier­ten Gebüh­ren­satz rich­tet. Der Klä­ger hat­te gegen einen auf die­ser Grund­la­ge ergan­ge­nen Bei­hil­fe­be­scheid Kla­ge erho­ben und die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Rege­lung gerügt. Da sei­ne behan­deln­den Ärz­te eine Abrech­nung nach dem Stan­dard­ta­rif ablehn­ten, müs­se er den Dif­fe­renz­be­trag zur Nor­mal­ge­bühr letzt­lich selbst tra­gen. Im Fal­le einer ernst­haf­ten und län­ger­fris­ti­gen Erkran­kung dro­he ihm des­halb der wirt­schaft­li­che Ruin, was den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und die beam­ten­recht­li­che Für­sor­ge­pflicht ver­let­ze.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ver­sto­ße die bean­stan­de­te Rege­lung in der rhein­land-pfäl­zi­schen Bei­hil­fe­ver­ord­nung nicht gegen höher­ran­gi­ges Recht. Der im Stan­dard­ta­rif ver­si­cher­te Beam­te habe einen Anspruch auf die qua­li­ta­tiv glei­che medi­zi­ni­sche Betreu­ung wie ein im Nor­mal­ta­rif pri­vat ver­si­cher­ter Beam­ter; Unter­schie­de bestün­den ledig­lich bei der Liqui­da­ti­on der erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen. Der­ar­ti­ge Leis­tun­gen zum Stan­dard­ta­rif kön­ne der Beam­te auch in der Pra­xis erlan­gen. Zwar sei der Arzt grund­sätz­lich nicht zu einer Behand­lung zum Stan­dard­ta­rif ver­pflich­tet, so dass es auch nicht gewähr­leis­tet sei, dass der Beam­te die von ihm gewünsch­te ärzt­li­che Leis­tung zu die­sem Tarif gera­de bei dem Arzt sei­ner Wahl erhal­ten kön­ne. Inso­weit sei es jedoch auch unter Berück­sich­ti­gung der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn aus­rei­chend, wenn der Beam­te in zumut­ba­rer Ent­fer­nung einen zur Abrech­nung nach dem Stan­dard­ta­rif berei­ten Arzt fin­den kön­ne. Dafür, dass dies nicht der Fall sei, habe der Klä­ger indes­sen nichts Kon­kre­tes vor­ge­tra­gen, son­dern sich ledig­lich auf die feh­len­de Bereit­schaft der ihn der­zeit behan­deln­den Ärz­te bezo­gen. Auch bestün­den hier­für kei­ne ander­wei­ti­gen hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 23. Mai 2013 – 6 K 11/​13.KO