Die im Rhein ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Bril­le

Die Ent­schei­dung über die Bewil­li­gung von Scha­dens­er­satz für bei Dienst­un­fäl­len erlit­te­ne Sach­schä­den eines Beam­ten steht sowohl dem Grund wie auch der Höhe nach im Ermes­sen des Dienst­herrn. Es ist ermes­sens­ge­recht, wenn der Dienst­herr beim Ver­lust einer Bril­le nur die Auf­wen­dun­gen, die nicht über die medi­zi­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten hin­aus­ge­hen, bei der Berech­nung des Scha­dens­er­sat­zes berück­sich­tigt.

Die im Rhein ver­lo­ren­ge­gan­ge­ne Bril­le

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Poli­zei­be­am­ten, der von sei­nem Dienst­herrn Scha­dens­er­satz für sei­ne bei einem Dienst­un­fall ver­lo­ren gegan­ge­ne Gleit­sicht­bril­le ver­langt hat. Der Klä­ger, ein Beam­ter der Was­ser­schutz­po­li­zei, war bei der Kon­trol­le eines Schif­fes in den Rhein gestürzt und hat­te dabei sei­ne 700,– € teu­re Gleit­sicht­bril­le ver­lo­ren. Das beklag­te Land hat­te den Vor­fall als Dienst­un­fall aner­kannt und dem Klä­ger unter Ver­weis dar­auf, dass nach dem Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz Scha­dens­er­satz für eine beschä­dig­te oder zer­stör­te Bril­le nur bis zu einem Höchst­be­trag von 100,– € für das Gestell und 113,50 € pro Glas in Betracht kom­me, 327,– € erstat­tet. Hier­ge­gen hat­te der Klä­ger nach erfolg­los durch­ge­führ­tem Wider­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt erho­ben, mit der er gel­tend mach­te, auf sei­ne Gleit­sicht­bril­le auch im Dienst not­wen­dig ange­wie­sen zu sein. Des­halb müs­se das Ver­lust­ri­si­ko inso­weit auch vom Dienst­herrn getra­gen wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ste­he die Ent­schei­dung über die Bewil­li­gung von Scha­dens­er­satz für bei Dienst­un­fäl­len erlit­te­ne Sach­schä­den des Beam­ten sowohl dem Grund wie auch der Höhe nach im Ermes­sen des Dienst­herrn. Da der Beam­te grund­sätz­lich selbst ent­schei­de, wel­che pri­va­ten Gegen­stän­de er im Dienst bei sich tra­ge, hät­te er es bei einer unbe­grenz­ten Scha­dens­er­satz­pflicht des Dienst­herrn in der Hand, die­sen durch das Mit­füh­ren beson­ders kost­spie­li­ger Gegen­stän­de mit unan­ge­mes­se­nen Haf­tungs­ri­si­ken zu über­zie­hen. Vor die­sem Hin­ter­grund über­schrei­te der Beklag­te nicht den ihm gesetz­lich ein­ge­räum­ten Ermes­sens­spiel­raum, wenn er die Mög­lich­kei­ten einer Ein­fluss­nah­me des Beam­ten auf das Scha­dens­ri­si­ko – hier also auf die Höhe der getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen für die Beschaf­fung der Bril­le – dadurch berück­sich­ti­ge, dass er den Scha­dens­er­satz betrags­mä­ßig an den in der Bei­hil­fen­ver­ord­nung als bei­hil­fe­fä­hig fest­ge­leg­ten Auf­wen­dun­gen für die Anschaf­fung einer Seh­hil­fe ori­en­tie­re. In bei­den Fäl­len han­de­le es sich um Leis­tun­gen, die ihre Grund­la­ge in der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn fän­den. Maß­stab der Bei­hil­fe sei­en dabei die medi­zi­nisch erfor­der­li­chen und ange­mes­se­nen Auf­wen­dun­gen; mit der Her­an­zie­hung der bei­hil­fe­fä­hi­gen Kos­ten als Grö­ßen­ord­nung für den Scha­dens­er­satz bei Dienst­un­fäl­len wer­de des­halb gewähr­leis­tet, dass der Ersatz der erfor­der­li­chen Bril­le durch die Scha­dens­er­satz­leis­tung grund­sätz­lich mög­lich sei. Auf­wen­dun­gen, die über die medi­zi­ni­schen Not­wen­dig­kei­ten hin­aus einen beson­de­ren Tra­ge­kom­fort der Bril­le gewähr­leis­te­ten, wie etwa beson­de­re Ent­spie­ge­lun­gen oder beson­ders leich­te Glä­ser, sei­en dem­ge­gen­über bei der Berech­nung des Scha­dens­er­sat­zes – eben­so wie bei der Bei­hil­fe – nicht zu berück­sich­ti­gen. Ob er die­se zusätz­li­chen Kos­ten auf­wen­den wol­le, fal­le maß­geb­lich in den Ent­schei­dungs­be­reich des Beam­ten; dem­ge­mäß erschei­ne es ermes­sens­ge­recht, dass er inso­weit auch das Risi­ko des Ver­lusts oder der Zer­stö­rung der Bril­le anläss­lich eines Dienst­un­falls tra­ge.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2012 – 6 K 327/​12.KO