Die erle­dig­te trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me – und der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag

Hat sich eine trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me, die – wie hier die Bil­dung einer Refe­renz­grup­pe für ein frei­ge­stell­tes Per­so­nal­rats­mit­glied – kei­nen Befehl im Sin­ne von § 2 Nr. 2 WStG dar­stellt, oder die Ableh­nung einer sol­chen Maß­nah­me vor der gericht­li­chen Ent­schei­dung erle­digt, so ent­schei­det das Wehr­dienst­ge­richt gemäß § 19 Abs. 1 Satz 3 WBO (hier i.V.m. § 21 Abs. 2 Satz 1 WBO), ob die Maß­nah­me rechts­wid­rig gewe­sen ist, wenn der Antrag­stel­ler ein berech­tig­tes Inter­es­se an die­ser Fest­stel­lung hat.

Die erle­dig­te trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me – und der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trag

Das erfor­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se kann sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts aus einem Reha­bi­li­tie­rungs­in­ter­es­se, aus einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr oder aus der Absicht erge­ben, einen Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend zu machen, sofern die­ser nicht von vorn­her­ein als aus­sichts­los erscheint; ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se kommt auch in Betracht, wenn die erle­dig­te Maß­nah­me eine fort­dau­ern­de fak­ti­sche Grund­rechts­be­ein­träch­ti­gung nach sich zieht 1.

Aller­dings besteht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kein Prä­ju­di­zin­ter­es­se für eine ein Beför­de­rungs­be­geh­ren betref­fen­de Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge nach § 113 Abs. 1 Satz 4 VwGO, wenn der Beam­te einen Scha­dens­er­satz­pro­zess vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten nicht nur beab­sich­tigt, son­dern bereits betreibt, weil sich die mit der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge zu klä­ren­den Fra­gen auch in dem Scha­dens­er­satz­pro­zess stel­len und es des­halb an einem Rechts­schutz­in­ter­es­se für die iso­lier­te Fort­set­zungs­fest­stel­lung fehlt 2. Ob die­se Ent­schei­dung auch auf Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­an­trä­ge von Sol­da­ten gemäß § 19 Abs. 1 Satz 3 WBO zu über­tra­gen ist, kann vor­lie­gend offen blei­ben. Denn wie­der­um nach der Recht­spre­chung des 2. Revi­si­ons­se­nats des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts muss ein frei­ge­stell­ter Sol­dat gericht­li­chen Rechts­schutz gegen die Bil­dung der Refe­renz­grup­pe in Anspruch neh­men 3. Eben­so muss er sei­ne fik­ti­ve Ver­set­zung eigen­stän­dig gel­tend machen und ggf. ein­kla­gen; eine inzi­den­te Nach­prü­fung im Rah­men eines Beför­de­rungs- oder Scha­dens­er­satz­be­geh­rens fin­det nicht statt 4. Betreibt er, wie hier, die sach­lich gebo­te­nen Wehr­be­schwer­de­ver­fah­ren, ent­spricht es der Pro­zess­öko­no­mie, wenn ihm die in dem Scha­dens­er­satz­pro­zess ver­wert­ba­ren "Früch­te" des Wehr­be­schwer­de­ver­fah­rens erhal­ten blei­ben. Jeden­falls für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on kann des­halb dem Antrag­stel­ler das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nicht abge­spro­chen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Juni 2017 – 1 WB 11.16

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.12 2014 – 1 WB 6.13, Buch­holz 449.7 § 51 SBG Nr. 1 Rn. 24[]
  2. BVerwG, Urteil vom 17.11.2016 – 2 C 27.15, Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 2 GG Nr. 79 LS 1 und Rn. 16 ff.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 06.06.2014 – 2 B 75.13, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 73 Rn. 17[]
  4. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.06.2014 – 2 B 1.13, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 74 LS 3 und Rn. 10; und vom 15.04.2015 – 2 B 10.14, Buch­holz 449 § 3 SG Nr. 79 Rn. 11[]