Die Nicht­be­för­de­rung eines Per­so­nal­rats­mit­glieds

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat im Beschluss vom 25.06.2014 1 aus­drück­lich aus­ge­führt, dass die Beför­de­rung eines vom mili­tä­ri­schen Dienst frei­ge­stell­ten Per­so­nal­rats­mit­glieds nach der recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Erlass­la­ge und der die­ser ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­pra­xis der Beklag­ten die vor­an­ge­gan­ge­ne fik­ti­ve Ver­set­zung auf einen höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten vor­aus­setzt.

Die Nicht­be­för­de­rung eines Per­so­nal­rats­mit­glieds

Im Beschluss vom 30.06.2014 2 hat es dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Bil­dung einer Ver­gleichs­grup­pe ein geeig­ne­tes Mit­tel zur fik­ti­ven Nach­zeich­nung der vor­aus­sicht­li­chen Ent­wick­lun­gen der dienst­li­chen Leis­tun­gen von für die Per­so­nal­rats­ar­beit frei­ge­stell­ten Sol­da­ten ist, und recht­li­che Anfor­de­run­gen für die Bil­dung einer sol­chen Ver­gleichs­grup­pe for­mu­liert. Damit ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt, dass die von der Beschwer­de bean­stan­de­te Pra­xis der Beklag­ten dem per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Benach­tei­li­gungs­ver­bot grund­sätz­lich ent­spricht.

Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen unter­blie­be­ner Beför­de­rung setzt im Hin­blick auf den Rechts­ge­dan­ken des § 839 Abs. 3 BGB vor­aus, dass der Sol­dat die ihm zukom­men­de Rechts­schutz­mög­lich­keit gegen eine etwaig rechts­wid­rig unter­blie­be­ne fik­ti­ve Ver­set­zung in Anspruch genom­men hat 3. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­nem Beschluss vom 25.06.2014 4 aus­ge­führt, dass eine inzi­den­te Prü­fung einer sol­chen fik­ti­ven Ver­set­zung im Rah­men eines spä­te­ren Beför­de­rungs­be­geh­rens oder – wie hier – Scha­dens­er­satz­be­geh­rens aus­ge­schlos­sen ist. Das gilt auch dann, wenn der rechts­kräf­ti­ge Abschluss eines ent­spre­chen­den gericht­li­chen Ver­fah­rens mög­li­cher­wei­se nicht mehr vor Ein­tritt des Sol­da­ten in den Ruhe­stand zu erwar­ten wäre. Tritt der Sol­dat wäh­rend eines Ver­fah­rens auf fik­ti­ve Ver­set­zung in den Ruhe­stand, kommt eine (rück­wir­ken­de) fik­ti­ve Ver­set­zung zwar nicht mehr in Betracht, der Sol­dat kann aber statt­des­sen einen Antrag auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Ver­wei­ge­rung der fik­ti­ven Ver­set­zung stel­len und sein Kla­ge­be­geh­ren ent­spre­chend umstel­len 5.

Die – auch fik­ti­ve – Ver­set­zung auf einen höher­wer­ti­gen Dienst­pos­ten ist eine Ent­schei­dung über die dienst­li­che Ver­wen­dung und damit nach stän­di­ger Recht­spre­chung der Wehr­dienst­se­na­te des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts eine trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me 6. Ihre Ver­wei­ge­rung ist des­halb mit der Beschwer­de nach der Wehr­be­schwer­de­ord­nung angreif­bar. Die Wehr­be­schwer­de­ord­nung gilt auch für Ver­trau­ens­per­so­nen (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2 WBO i.V.m. § 16 Sol­da­ten­be­tei­li­gungs­ge­setz). Rechts­mit­tel­be­leh­run­gen für Ent­schei­dun­gen über die dienst­li­che Ver­wen­dung sind gesetz­lich nicht vor­ge­se­hen, anders als z.B. beim Beschwer­de­be­scheid, also dem Bescheid, durch den eine Beschwer­de ganz oder teil­wei­se zurück­ge­wie­sen wird (vgl. § 12 Abs. 1 Satz 4 WBO). Die­se gesetz­li­chen Bestim­mun­gen gel­ten für alle Sol­da­ten, auch für Sol­da­ten, die für eine Per­so­nal­rats­tä­tig­keit frei­ge­stellt sind. Die Kennt­nis die­ser Bestim­mun­gen kann bei den Sol­da­ten – zumal sol­chen im Ran­ge des Klä­gers und für eine Per­so­nal­rats­tä­tig­keit frei­ge­stell­ten – vor­aus­ge­setzt wer­den, sodass sich auch die Fra­ge nach spe­zi­el­len Beleh­rungs­pflich­ten für bestimm­te Grup­pen von Sol­da­ten – unge­ach­tet des­sen, ob sie in ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ger Form beant­wort­bar wäre – von vorn­her­ein nicht stellt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 15. April 2015 – 2 B 10.2014

  1. BVerwG, Beschluss vom 25.06.2014 – 2 B 1.13, IÖD 2014, 220, Leit­satz Nr. 2 und 220, 221[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 30.06.2014 – 2 B 11.14, PersV 2014, 456 Rn. 11 ff.[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 06.06.2014 – 2 B 75.13, Dok­Ber 2014, 314 Rn. 12 ff.[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 25.06.2014 – 2 B 1.13, IÖD 2014, 220, 221[]
  5. BVerwG, Beschluss vom 11.12 2014 – 1 WB 6.13, Rn.19 ff.[]
  6. vgl. zuletzt BVerwG, Beschluss vom 11.12 2014 – 1 WB 6.13, Rn. 24[]