Die nie­der­säch­si­sche Beam­ten­be­sol­dung ist nicht amts­an­ge­mes­sen

Die Besol­dung der Beam­ten des Lan­des Nie­der­sach­sen in den Besol­dungs­grup­pen A 8 und A 11 war in den Jah­ren 2005 bis 2012 und 2014 in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se zu nied­rig bemes­sen; das Glei­che gilt für die Besol­dung der Beam­ten in den Besol­dungs­grup­pen A 9 und A 12 in den Jah­ren 2014 bis 2016.

Die nie­der­säch­si­sche Beam­ten­be­sol­dung ist nicht amts­an­ge­mes­sen

Die­se Mei­nung hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ver­tre­ten und daher dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zwei Ver­fah­ren zur Besol­dung im Land Nie­der­sach­sen zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Die Klä­ger sind Beam­te im nie­der­säch­si­schen Lan­des­dienst. Zwei der Klä­ger sind Beam­te im akti­ven Dienst, ein drit­ter Beam­ter ist seit 1998 im Ruhe­stand. Sie haben seit 2005 bei ihrem Dienst­herrn erfolg­los eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on gerügt. Kla­ge- und Beru­fungs­ver­fah­ren sind weit­ge­hend erfolg­los geblie­ben. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg hat ange­nom­men, dass die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten Para­me­ter für die Ver­mu­tung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Besol­dung im Wesent­li­chen nicht erfüllt sei­en; ledig­lich für das Jahr 2013 hat bereits das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on ange­nom­men und die ein­schlä­gi­gen Besol­dungs­re­ge­lun­gen dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung vor­ge­legt 1.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun für die Beam­ten im akti­ven Dienst des Lan­des Nie­der­sach­sen eine ver­fas­sungs­wid­ri­ge Unte­rali­men­ta­ti­on auch in den ande­ren Jah­ren ange­nom­men.

Die Besol­dung erweist sich bei Anwen­dung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­ge­be­nen rela­ti­ven Ver­gleichs­me­tho­de als nicht amts­an­ge­mes­sen. Bei dem hier­nach anzu­stel­len­den Ver­gleich der Ent­wick­lung der Besol­dung mit der Ent­wick­lung bestimm­ter volks­wirt­schaft­lich nach­voll­zieh­ba­rer Para­me­ter lie­gen in den Fäl­len der bei­den im akti­ven Dienst befind­li­chen Beam­ten aus­rei­chen­de Indi­zi­en vor, die eine umfas­sen­de Betrach­tung und Gesamt­ab­wä­gung der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Ali­men­ta­ti­ons­ni­veaus erfor­der­lich machen. Die­se Gesamt­be­trach­tung erhär­tet hier die Ver­mu­tung einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen Unte­rali­men­ta­ti­on.

Bei der Besol­dung der Beam­ten hat der Gesetz­ge­ber außer­dem die abso­lu­te Unter­gren­ze einer ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Ali­men­ta­ti­on unter­schrit­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss die Besol­dung der Beam­ten der unters­ten Besol­dungs­grup­pe jeden­falls 15 % höher sein als das Niveau der sozi­al­recht­li­chen Grund­si­che­rung. Die­se abso­lu­te Unter­gren­ze ist im Land Nie­der­sach­sen unter­schrit­ten wor­den. Die Feh­ler­haf­tig­keit des Besol­dungs­ni­veaus in der unters­ten Besol­dungs­grup­pe (hier: Besol­dungs­grup­pe A 2) führt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zwangs­läu­fig zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Besol­dungs­ni­veaus der hier in Rede ste­hen­den höhe­ren Besol­dungs­grup­pen. Solan­ge der Gesetz­ge­ber die Abstän­de zwi­schen den Besol­dungs­grup­pen nicht bewusst neu geord­net hat, hat die erfor­der­li­che Anpas­sung der unters­ten Besol­dungs­grup­pe not­wen­di­ger­wei­se eine Ver­schie­bung des Gesamt­ge­fü­ges zur Fol­ge.

Für den Ruhe­stands­be­am­ten hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das Ver­fah­ren aus­ge­setzt bis zur Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts über die das Jahr 2013 betref­fen­de Rich­ter­vor­la­ge des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts im Ver­fah­ren die­ses Klä­gers.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 30. Okto­ber 2018 – 2 C 32.17 und 2 C 34.17

  1. Nds. OVG, Urtei­le vom 25.04.2017 – 5 LC 228/​15 und 5 LC 229/​15[]
  2. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 10.01.2018 XII ZB 451/​17 Fam­RZ 2018, 445[]