Die Rechts­an­walts­kos­ten des Per­so­nal­rats

Der Dienst­stel­len­lei­ter kann in einem per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren, in wel­chem der Per­so­nal­rat ein Sach­an­lie­gen ver­folgt, im Wege des Wide­r­an­tra­ges gel­tend machen, dass er nicht ver­pflich­tet ist, den Per­so­nal­rat von den außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Ver­fah­rens frei­zu­stel­len.

Die Rechts­an­walts­kos­ten des Per­so­nal­rats

Für gewöhn­lich hat der Per­so­nal­rat, der im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren ein bestimm­tes Sach­an­lie­gen – etwa die Fest­stel­lung eines Mit­be­stim­mungs­rechts – ver­folgt, kei­nen Anlass, in die­sem Ver­fah­ren zugleich die Fest­stel­lung zu bean­tra­gen, dass die Dienst­stel­le zur Erstat­tung der ihm ent­stan­de­nen Anwalts­kos­ten ver­pflich­tet ist. Rechts­grund­la­ge für einen dahin­ge­hen­den Anspruch ist § 44 Abs. 1 Satz 1 BPersVG, wonach die Dienst­stel­le die durch die Tätig­keit des Per­so­nal­rats ent­ste­hen­den Kos­ten trägt. Nach der dazu ergan­ge­nen Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­recht­spre­chung hat die Dienst­stel­le die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten, die dem Per­so­nal­rat durch Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts ent­stan­den sind, immer dann zu tra­gen, wenn die Rechts­ver­fol­gung nicht von vorn­her­ein aus­sichts­los war oder mut­wil­lig betrie­ben wur­de. Lie­gen die letzt­ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor, so greift die Erstat­tungs­pflicht der Dienst­stel­le selbst dann ein, wenn der Per­so­nal­rat im Beschluss­ver­fah­ren unter­liegt [1]. Der Per­so­nal­rat kann daher im All­ge­mei­nen davon aus­ge­hen, dass die Dienst­stel­le ihn nach Abschluss des Ver­fah­rens von den Anwalts­kos­ten frei­stellt, falls nicht ohne­hin bereits vor Ein­lei­tung des Ver­fah­rens eine ent­spre­chen­de Kos­ten­zu­sa­ge erteilt wird. Eines zusätz­li­chen auf Kos­ten­er­stat­tung gerich­te­ten Antra­ges bedarf es daher regel­mä­ßig nicht.

Anders liegt es frei­lich, wenn die Dienst­stel­le bereits vor Ein­lei­tung des Ver­fah­rens die Kos­ten­über­nah­me abge­lehnt hat oder eine ent­spre­chen­de Erklä­rung wäh­rend des Ver­fah­rens abgibt. In einem sol­chen Fall ist es dem Per­so­nal­rat unbe­nom­men, sein Sach­an­lie­gen – etwa Fest­stel­lung eines Mit­be­stim­mungs­rechts – mit einem wei­te­ren Antrag zu ver­bin­den, wel­cher auf Frei­stel­lung von den Rechts­an­walts­kos­ten gerich­tet ist [2]. Für ein sol­ches Begeh­ren besteht ein Rechts­schutz­be­dürf­nis, weil zur Klä­rung der Kos­ten­tra­gungs­pflicht in den genann­ten Fäl­len eine gericht­li­che Ent­schei­dung unver­meid­lich ist. Einen dahin­ge­hen­den wei­te­ren Antrag zuzu­las­sen, ist im Übri­gen ein Gebot der Pro­zess­öko­no­mie, weil das mit dem Haupt­an­lie­gen befass­te Gericht gut beur­tei­len kann, ob der Kos­ten­über­nah­me durch die Dienst­stel­le die Gesichts­punk­te der Aus­sichts­lo­sig­keit oder Mut­wil­lig­keit ent­ge­gen­ste­hen [3]. Es ent­spricht eben­falls dem Grund­satz der Pro­zess­öko­no­mie und zudem der pro­zes­sua­len Waf­fen­gleich­heit, ein kor­re­spon­die­ren­des nega­ti­ves Fest­stel­lungs­be­geh­ren des Dienst­stel­len­lei­ters im Wege des Wide­r­an­tra­ges zuzu­las­sen, wenn der antrag­stel­len­de Per­so­nal­rat von einem posi­ti­ven auf Kos­ten­über­nah­me gerich­te­ten Antrag absieht [4].

Der Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 6. Febru­ar 2009 [5] steht nicht ent­ge­gen. Dort ist ledig­lich klar­ge­stellt, dass im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren kein Raum ist für eine Ent­schei­dung des Gerichts über die Erstat­tung außer­ge­richt­li­cher Kos­ten. Gemeint ist damit die Neben­ent­schei­dung des Gerichts über Kos­ten, wie sie sonst im Zivil- oder Ver­wal­tungs­pro­zess üblich ist [6]. Dass der mate­ri­el­le Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Per­so­nal­rats aus § 44 Abs. 1 Satz 1 BPersVG im Wege eines eigen­stän­di­gen Antra­ges mit dem Antrag des pri­mä­ren Anlie­gens ver­bun­den wer­den kann, wenn er im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung zwi­schen den Betei­lig­ten strei­tig ist, wird damit nicht aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Febru­ar 2014 – 6 PB 39.2013

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 11.10.2010 – 6 P 16.09, Buch­holz 251.95 § 17 MBGSH Nr. 1 Rn. 14 ff.; vom 29.04.2011 – 6 PB 21.10, Buch­holz 250 § 44 BPersVG Nr. 39 Rn. 5; und vom 19.09.2012 – 6 P 3.11, Buch­holz 250 § 86 BPersVG Nr. 8 Rn. 37[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.09.2012 a.a.O. Rn. 9 und 37[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 19.09.2012 a.a.O. Rn. 38 f.[]
  4. vgl. in die­sem Zusam­men­hang BVerwG, Beschluss vom 14.01.2010 – 6 P 10.09, m.w.N., inso­weit bei BVerw­GE 136, 29 und Buch­holz 250 § 75 BPersVG Nr. 110 nicht abge­druckt[]
  5. BVerwG, Beschluss vom 06.02.2009 – 6 P 2.09, Buch­holz 251.6 § 83 Nds­PersVG Nr. 2[]
  6. vgl. BVerwG, Beschluss vom 11.10.2010 a.a.O. Rn. 22[]